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Entwicklungshilfe

hat bei uns einen sozialen Mythos des hehren Helfens, der wohl von Leuten wie Albert Schweitzer herrührt. Die Wirklichkeit der Entwicklungshilfe ist allerdings tausendmal komplizierter (das habe ich am eigenen Leib erfahren müssen) und hat bedauerlicherweise oft mit "Hilfe für die Armen" im Endeffekt nicht viel zu tun.

Es gibt sehr, sehr viel Geschriebenes zu diesem Thema und viele Gruppen und etliche Institutionen, die sich mit diesem Thema befassen.
Wer systematisch Informationen sucht, kann von der
Deutsche Stiftung für internationale Entwicklung (DSE)
Zentrale Dokumentation
Hans-Böckler-Str. 5
53225 Bonn
die "Merkblätter zur Information über Entwicklungspolitik /Entwicklungsländer " (Bestell Nr. DOK 1170) kostenlos beziehen. Auf ca. 80 Seiten gibt es ausgewählte Literatur (Bücher und Zeitschriften), Institutionen, Dritte-Welt-Läden, Reisen, Veranstaltungsdienste, Informationsdienste, Aktionsgruppen, Finanzierungshilfen, Berufstätigkeit-Praktika in Entwicklungsländern etc.

Jobben in Entwicklungsländern? Arbeitskräfte haben die Entwicklungsländer im Normalfall mehr als genug, das Lohnniveau ist sehr niedrig und überhaupt - ob die sowas wie einen deutschen Töpfer brauchen können, scheint mir fraglich.
Arbeit im Entwicklungsbereich? - Im folgenden sind Institutionen aufgeführt, die Leute aus dem handwerklichen Bereich als Entwicklungshelfer suchen. Als Töpfer muß man da aber einfach Glück haben, denn die Projekte, wo unser Fachwissen gefragt ist, sind dünn gesäht - es gibt aber welche, darum nicht die Flinte zu schnell ins Korn werfen. Für eine erfolgreiche Bewerbung sind weitere Qualifikationen z.B. als Ausbilder sehr von Vorteil, denn es dreht sich ja eigentlich immer um Wissensvermittlung. Außer den unten genannten gibt es noch eine Vielzahl kleiner und kirchlicher Entwicklungshilfeträger. Bei der DSE kann dazu das Heft "Arbeit in Übersee" (DOK 66) kostenlos bezogen werden, in dem die großen Organisationen und die Dachverbände der Kleinen verzeichnet sind, oder DOK 281 "Institutionen der Entwicklungsarbeit", das 270 Institutionen auflistet.

Auch von der
Zentralstelle für Arbeitsvermittlung
Feuerbachstr. 42-46
60325 Frankfurt
gibt es dazu gratis Infoblätter: "Arbeit in Entwicklungsländern" und "Beschäftigung in der Entwicklungshilfe" sowie das oben erwähnte "Arbeit in Übersee".
Eine weitere Stelle für kostenlose Informationen:

Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit
Postfach 120322
53045 Bonn
"Informationsmedienverzeichnis Entwicklungspolitik" anfordern!

Die einzige Möglichkeit für Berufstätige (für Studenten gibt es viel mehr Möglichkeiten, siehe dazu die "Merkblätter") einen kurzzeitigen Arbeitsaufenthalt in Entwicklungsländern zu absolvieren, bei dem man das Flugticket und ein Stipendium für die Lebenshaltungskosten bekommt, ist das

ASA-Programm
Postfach 303509
10727 Berlin

Bei ASA werden jedes Jahr ca. 40 Berufstätige für drei Monate z.B. nach Indien, Brasilien, Togo und auch die Türkei geschickt, um dort in Ausbildungsprojekten, Selbsthilfegruppen oder ähnlichem mitzuarbeiten. Diese Vorhaben haben aber eher einen Lerncharakter (denn in drei Monaten kann man wirklich nicht viel ausrichten), es handelt sich also nicht um puren Arbeitsstreß.

Man muß bei einer Bewerbung bei ASA allerdings auf die Termine achten: ab Mitte Oktober kann man den neuen Programmkatalog erhalten, bis Mitte November müßt ihr dann schon eure Bewerbung abgegeben haben!
Der Schreiber dieser Zeilen hat sich natürlich diese Chance nicht entgehen lassen und ist im Sommer 89 für drei Monate als ASA-Stipendiat in die Karibik geflogen. Es hat sich da allerdings um Backöfen gedreht, nicht um Töpferei. Doch der Ofenbau liegt vielen Keramikern ja auch nicht so fern. Bedauerlicherweise konnte dann das Vorhaben 1990 nicht weitergeführt werden, da sich NIEMAND DAFÜR BEWARB! Auch wenn in der Ausschreibung nicht direkt Töpfer gesucht werden, könnt ihr euch für alles bewerben, was nur irgendwie in der Nähe liegt (Lehmbau, Ziegel, vielleicht Heilpädagogik...) Wenn eure Bewerbung gut ist, dann finden sie schon ein Plätzchen für euch.
Es gibt übrigens auch ein ASA-Programm für Studenten, zu den selben Konditionen. Wenn ihr schon studiert habt oder es vorhabt, verschweigt das besser bei der Bewerbung für das Berufstätigenprogramm, denn sonst fallt ihr automatisch raus.

Arbeitseinsätze in gemeinnützigen Projekten von drei Wochen bis drei Monaten auch in Entwicklungsländern führen eine Vielzahl von Organisationen durch. Bezahlt wird man natürlich nicht dafür und die Teilnehmerbeiträge sind bei Flügen nach Afrika oder ähnlichem verständlicherweise recht hoch.
Informationen bekommt ihr von folgenden Zentralstellen der Träger von Gemeinschaftsdiensten (verweisen euch an ihre Mitglieder weiter)
Arbeitskreis Internationaler Gemeinschaftsdienste in Deutschland
Auf der Körnerwiese 5
60322 Frankfurt

Bundesarbeitsgemeinschaft für Internationale Soziale Dienste
Kolpingplatz 5-11
50667 Köln

Internationale Jugendgemeinschaftsdienste
Kaiserstr. 43
53113 Bonn

Wer nun wirklich sein Glück als "Experte" versuchen will, kann seine Bewerbung an folgende Stellen schicken:
(diese Informationen hat uns Renate Rabien, im Entwicklungsdienst erfahrene Keramikerin, zur Verfügung gestellt)

*BFIO (Büro für Führungskräfte zu Internationalen Organisationen)
Feuerbachstr. 42
60325 Frankfurt

Das BFIO (eine Spezialabteilung des Arbeitsamtes) nimmt Stellenbewerbungen in den Computer auf und vermittelt Projektplatzbeschreibungen aller in Frage kommenden offenen Stellen. Das Büro arbeitet ziemlich effektiv; dazu muß man wissen, daß es sinnlos ist sich bei einer UN-Organisation direkt zu bewerben, da ohne Projektplatznummer etc. Anfragen nicht beantwortet werden. Das BFIO hat alle diesbezüglichen Unterlagen.
Beim BFIO handelt es sich entweder um Arbeit in einem multilateralen Entwicklungshilfeprojekt oder Vermittlung in eine ausländische Firma oder auch Vermittlung an CIM (Committee for Migration), die einen Arbeitsplatz mit der Idee vermitteln, daß der Bewerber auswandert.

*GTZ (Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit)
Dag Hammersköldweg 1
65760 Eschborn

Die GTZ hat in vielen Ländern der Welt technische Schulen aufgebaut; auch zur Berufsausbildung von Töpfern.
Diese Werkstätten leiden aber öfter mal - speziell im kunsthandwerklichen Bereich - darunter, daß die Schüler beim Verlassen der Schule zu jung sind und somit keine Kredite etc. erhalten; oft wieder in andere Berufe abwandern müssen und meistens auch gar nicht aus den dörflichen Töpferzentren stammen. Im besten Fall kommen sie in der vorhandenen Industrie unter.
Dieser Typ Berufsschule ist oft kulturentfremdet und vermittelt auch keine genossenschaftliche Grundkenntnisse.
Arbeitet man bei der GTZ, ist man als Experte eingesetzt, verdient viel, hat einen großen Aufgabenbereich und eine entsprechende Verantwortung.
(Übrigens nimmt die GTZ auch Praktikanten in ihre Projekte auf - aber leider nur Studenten...)

*Kirchliche Organisationen:

Die Projekte fast aller dieser Organisationen sind für den Bewerber überkonfessionell. Sie sind meistens direkter an der Basis und bescheidener, mit mehr Eigenbeteiligung der Einheimischen und dadurch oft wirkungsvoller.

*DED (Deutscher Entwicklungsdienst)
Kladower Damm 299
14089 Berlin

Arbeitet man beim DED ist man Entwicklungshelfer in bescheidenem Rahmen, der eine Werkstatt aufbaut, Counterparts ausbildet etc. Er hat ein bescheidenes Gehalt und ist meist Teil eine größeren Teams.

*UNVS (United Nations Volunteer Service)
Palais des Nations
CH-1211 Geneve 10
Schweiz

Die Vereinten Nationen haben in Zusammenarbeit mit den bilateralen Entwicklungsdiensten den UNO-Entwicklungsdienst als eigenen Organisation aufgebaut. Der UNV arbeitet in einem internationalen Team und verdient etwas besser als sein bilateraler Kollege. Der DED vermittelt in Deutschland auch den Zugang zum UNVS. Man kann aber ruhig mal in Genf nachfragen, ob eine Stelle offen ist:

Wozu überhaupt als Töpfer in ein Entwicklungsland?

Kunsthandwerkliche Projekte, auch bei Töpfereien, sollten gewisse sozio-ökonomische Ziele verwirklichen:
-Wiederbelebung und Erhaltung von traditionellen Formen und Techniken; Vermeidung von kultureller Überfremdung
-bessere Erkenntnis, Erforschung und Ausnutzung von vorhandenen Rohstoffen (die oft genug unbekannt sind oder exportiert werden und so nur zu Nutzen weniger dienen)
-Erhalt und Ausbau von dörflichen Arbeitsplätzen. Die Kinder der Töpfer wandern meist ab in die sowieso schon überfüllten Städte, da sie die Arbeit der Eltern nicht als "Beruf" im modernen Sinn ansehen. Die Töpferei steht in den meisten Ländern auf dem untersten Niveau des Einkommens wie des Prestige. Da gibt es viel bewußt zu machen und durch gemäßigte Technik die Jungen anzuziehen; da ist viel zu erhalten und zu ermutigen. Viele lokale Arbeitsplätze können geschaffen werden. Der offizielle Regierungsprojektträger muß überzeugt werden, genau zwischen Industrie und Handwerksentwicklung zu unterscheiden und auch der betroffene Töpfer muß den Unterschied und die Grenzen einer industriellen Produktion erkennen. Der Entwicklungshelfer oder Experte muß zusammen mit dem Dorf oder den Regierungsstellen versuchen, die richtigen Lösungswege für jeden einzelnen Fall einzuschlagen.

Technische und persönliche Hilfe ist sinnvoll:
- wenn nicht Tradition zerstört wird
- wenn die Fehler der Übertechnisierung in den dörflichen Gebieten vermieden wird
- wenn die Orginalität erhalten bleibt, obwohl das Gefäß nun auf einmal besser gebrannt (wenn nötig), die Masse besser aufbereitet, der Ton sinnvoller, gemeinsam und vielleicht ungefährlicher abgebaut wird (manchmal herrschen die bedenklichsten Methoden und jeder gräbt auf seine Weise, so daß dem nächsten Töpfer oft die Tonmine über dem Kopf zusammenbricht)
- gemeinsame Vermarktung gelehrt wird, wo sich haifischähnliche Zwischenhändler betätigen.
Hilfe ist dann sinnvoll, wenn man die Herrlichkeiten einer anderen Kultur erkennen und schützen und auf eine sinnvolle Weise die Lebensbedingungen z.B. eines Töpferdorfes verbessern kann. Es hängt entscheidend vom Bewußtseinsgrad des Helfers ab, welchen Weg er zu gehen wagt.

Problematik
a. politisch
Wenn der Helfer nicht erkennt, daß seine Arbeit zur Zerstörung des traditionellen Kulturguts führt (durch Einführung von unangebrachter Technik oder Formen...), kann das sehr leicht zu politisch gefärbten Spannungen führen (z.B. in Peru, das sich seines schönen Kunsthandwerks wohl bewußt ist).

b. ökonomisch
Besitzt das Projekt keine gute Hintergrundstudie, kann die Tätigkeit des Experten oder Entwicklungshelfers auch folgendes bewirken:
-Töpfer, die außerhalb des offiziellen Projektes stehen, können ihren Absatz verlieren, qualitativ abfallen und arbeitslos werden
-das Projekt kann Zwietracht ins Dorf bringen, weil sich einige bereichern oder Rohstoffe, die allen dienten, auf einmal unzugänglich werden
-Touristen können das Dorf überschwemmen und den Lebensstil ändern etc.
Man muß prüfen, abschätzen, nachdenken und mit den Augen des ärmsten Töpfers im Dorf sehen und fühlen, um die ärgsten Mißgriffe zu vermeiden.

c. persönlich und professionell
Wenn es dem ausländischen Helfer an Sprachkenntnissen fehlt, zuerst mal an Englisch, sind die meisten Probleme schon heraufbeschworen, weil sein einheimischer Counterpart mit ihm keine Basis findet. Man verliert notgedrungen nochmals 6-12 Monate, bis die Landessprache erlernt ist, was der Qualität der Arbeit zunächst sehr schadet.

Die Tätigkeit verlangt natürlich pädagogische Fähigkeiten, da es sich immer um Ausbildung handelt. Vielen ist es auch nicht ohne weiteres möglich, den aufzubauenden Lehrstoff systematisch und offiziell als Lehrlingsausbildung zu hinterlassen, sich dem einheimischen Prüfungssystem anzupassen oder es auszubauen. Die theoretischen Kenntnisse müssen sich der tatsächlichen Sachlage anpassen (z.B. selbständig Öfen oder Drehscheiben bauen; sich für den richtigen Typus Maschine oder Nicht-Maschine entscheiden; die Rohstoffe in der freien Natur erkennen; in der Lage sein, empirisch die Masse zu verbessern, wenn die Finanzen für eine chemische Analyse fehlen...).
Bei den Töpfern, die aus Europa in mir bekannte Projekte eingesetzt wurden, mangelt es meist an den oben erwähnten Kenntnissen: Ofenbau, Rohstoffe, Grundkenntnisse im Aufbau von Kooperativen. Natürlich ist es sehr schwer sich diese Dinge in der europäischen Berufsausbildung anzueignen. Sehr viel leichter taten sich Töpfer, die von Meisterschulen kamen und noch zusätzlich längere Berufserfahrung und ein großes Interesse an Kunst hatten.

Künstlerische Fähigkeiten bei den dörflichen Töpfern zu fördern, einen traditionell verachteten (vor allem in Lateinamerika und Afrika) Beruf aufzuwerten, Arbeitsplätze für junge Leute zu schaffen und damit die Landflucht zu mindern, das alles zusammen bildet eine echte Herausforderung.
Ist man sich all der Problematik bewußt, die ja in diesem Bericht nur oberflächlich gestreift werden konnte, und hat das Glück so einen Arbeitsplatz zu finden, dann bedeutet das wohl in den meisten Fällen eine ungeheure menschliche, künstlerische und berufspraktische Bereicherung.
Renate Rabien

Bei meiner Arbeit hier in Nigeria hatte ich das Glück mit vielen Seiten der Töpferei beschäftigt zu sein, sowohl der traditionellen als auch der Weiterentwicklung von Steinzeug, die von Michel Cardew und Michael O'Brien begonnen wurde. Ich besitze z. B. ausführliche Diareihen der traditionellen Techniken der Haussa-Töpfer - vom Graben des Tons bis zum Brand der Töpfe.

Vor kurzem erhielt ich Förmittel um für einen nigerianischen Töpfer eine Werkstatt zu bauen, der Steinzeug aus den lokal gefundenen und aufbereiteten Rohmaterialien herstellen wird. Es ist ein aufregendes Projekt, denn die Entwicklungsmöglichkeiten für die keramische Industrie sind enorm. Inzwischen hat sich Danhami Aliyu, der Töpfer, seine Drehscheibe gebaut und fängt an die Ziegel für den Brennofen herzustellen. Von meinem letzten Englandaufenthalt brachte ich die Brenner und Anschlußstücke für den Gasofen mit, die wir benutzen werden, bis wir passende hier in Nigeria finden.

Nick Douglas, Niger State Council for Arts and Culture

Während der "CERAMICS 88", einer internationalen Konferenz für Keramiker in Sydney, wurde auch lebhaft über Keramik in der "Dritten Welt" diskutiert. Westliche Töpfer finden ihre Rolle in der Gesellschaft im Kampf um Anerkennung und persönlichen Selbstausdruck. In der Dritten Welt kämpft der Töpfer oft zuerst mal ums Überleben. Die Notwendigkeit des Lebensunterhalts bestimmt, ob Ware für die Touristen oder für die traditionellen Märkte produziert wird. Aber was ist schon traditionell? Nach dem Geschmack anderer arbeiten oder die Tradition so formen, daß sie sich der Situation anpasst? Kann es da Zeit für Experimente in der eigenen Arbeit geben und wie findet man den persönlichen Stil - und ist das überhaupt wichtig?

Folgend einige Statements aus der Diskussion: Len Smith besuchte die Philippinen und stellte fest, daß es in dieser Gesellschaft noch Keramik auf den verschiedensten Niveaus gibt. So ist die aufgebaute und getriebene Keramik, die im offenen Feuer gebrannt wird, noch verbreitet; daneben gibt es genauso die alten Handwerksbetriebe, die sowohl für den örtlichen Markt als auch für den Export Keramik in überlieferter Drehtechnik und herkömmlichen Brennöfen herstellt. Neben der keramischen Industrie entsteht auch langsam eine Szene von keramischen Künstlern.

Tony Hambleton gab einen Überblick zu Puerto Rico: Verschiedene kulturelle und soziale Einflüsse, die ins Land drangen, haben die traditionelle Töpferei zerstört. Alle Rohstoffe und Geräte wurden aus den USA importiert. In der Mitte der Siebziger begannen sich die Keramiker aus dieser Beschränkung zu befreien und das Wissen wieder auszugraben, das mit dem Tod der traditionellen Keramik verloren gegangen war. Die heutige Keramik ist eigentlich nicht typisch puertoricanisch, sondern kann eher als am internationalen Stil orientiert bezeichnet werden. Vielleicht hilft der Wiedergebrauch von lokalen Rohstoffen wieder eine eigene puertoricanische Keramik entstehen zu lasen.

Shan Blake besuchte in den achtziger Jahren mehrere Male Ausbildungszentren an den Colleges in Indien: Das Ziel waren bessere Brenntechniken, um die Brenntemperatur von 700-800 C auf 900-1000 C steigern zu können. So erhoffte man:
-das Einkommen der Töpfer durch den höheren Verkaufserlös zu steigern
-die Transportfähigkeit der Ware zu erhöhen, um auch in Bombay oder Delhi verkaufen zu können, da die lokalen Absatzmärkte stagnieren
-Exportmöglichkeiten zu schaffen
Die traditionellen Töpferwaren verschwanden, da ihr Platz durch billige Plastik- oder Metallgefäße eingenommen wurde. Die Dorftöpfer mußten neue Märkte erobern, um zu überleben. Die Prognosen gingen jedoch trotz dieser Bemühungen dahin, daß diese Töpferei in den nächsten 20 Jahren aussterben werde. Konflikte brachen auf über die alten Formen, die ihren Sinn im althergebrachten Leben hatten und dem Neuen, das für neuen Märkte benötigt wurde. Die handwerkliche Fertigkeit war da, aber würde die neue Ware die selbe Lebendigkeit haben wie die durch jahrhundertelang verfeinerte Techniken hergestellte traditionelle Keramik?
Schwierigkeiten tauchten auf, da zwar Geld für Trainingsprogramme zur Verfügung stand, jedoch keines um Produktion und Verkauf zu organisieren. Nur allzuoft verschwanden Gelder in dunklen Kanälen.
Kann überhaupt eine Person, die von ausserhalb kommt, effektiv in einem sozialen System arbeiten, das schwierig zu verstehen und zu akzeptieren ist, wenn man es mit der eigenen Heimat vergleicht?

Margaret Tuckson gab ein Beispiel für die letzte Frage:
In Neu Guineawurden in den Sechzigern mehrere Keramikprojekte in Dörfern durchgeführt.
Die traditionelle Keramik, von den Frauen hergestellt, wurde von den Touristen nicht gekauft, weil sie wegen ihrer niedrigen Brenntemperatur zu zerbrechlich waren. Das Projekt beließ die Frauen bei ihrer Technik und bildete Männer im Drehen aus. Die Brenntemperatur wurde auf 950 C erhöht, die Größe der Töpfe verändert und Füße an den Boden angebracht.
All das wurde im Namen von Fortschritt und der Touristendollars gemacht. Margaret wies darauf hin, daß auf die örtlichen Verhältnisse zuwenig Aufmerksamkeit verwendet wurde und so heutzutage nicht mehr viele Spuren dieses Projekts vorhanden sind. Die Bevölkerung praktizierte die empfohlene Veränderung kurzfristig und lehnte sie schliesslich ab. Die Keramiken die jetzt produziert werden, sind in manchen Gegenden genau die gleichen wie vor dem Projekt.

Merrily Oppermann führte zu Brasilien aus:
Die traditionell niedriggebrannte Töpferei Brasiliens hatte viele Einflüsse, so von den Sklaven, die aus Afrika gebracht wurden und von den Portugiesen, leidet aber jetzt am Verlust der Verbindung zu den Erfordernissen der modernen Gesellschaft. Es entwickelt sich jetzt Keramik, die die gegenwärtige Gesellschaft wiederspiegelt, wie z. B. Brennöfen, die in den Slums mit Abfall gefeuert werden oder Merrilys eigene Arbeiten, die Betrachtungen der modernen Lebensmuster in den Städten und der Rolle der Frauen sind.
Es gibt eine große Anzahl von zeitgenössischen Keramikern in Brasilien, aber sie sind im Ausland fast unbekannt. Merrily schlug vor, diejenigen, die die internationale Keramik dominieren, sollten doch versuchen, auch einmal die wahrzunehmen, die aus einer anderen sozialen Kultur kommen.

Geoff Crispin zu Jamaica:
Jamaica wird immer noch von Einflüssen und kulturellen Normen aus den USA überschwemmt. Man kämpft um die eigene nationale Identität. Die Bevölkerung, zu 85% Schwarze, wurde als Sklaven für die Zuckerrohrplantagen ins Land gebracht. Es gibt keine eingeborene Bevölkerung mehr, die den Grundpfeiler für eine eigene Tradition liefern könnte. Die Keramik ist eine Mischung aus afrikanischen Einflüssen, Bernard Leach und den modernen Amerikanern, was eine Vielfalt an individuellen Arbeiten, aber nicht notwendigerweise eine jamaicanische Tradition hervorbringt.

Die im folgenden vorgestellten Entwicklungshilfeorganisationen sind eine Auswahl derjenigen, die speziell an Handwerkern interessiert sind. Die vollständige Liste mit allen Informationen ist in der Broschüre "Arbeit in Übersee" abgedruckt (siehe Seite 16 bei DSE oder ZAV)

Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe e.V. (AGEH)
Ripuarenstr. 8
50679 Köln
Tel. (0221) 8 89 60;
Fax (0221) 88 96-100

Aufgabenstellung:
Die AGEH ist der Personal-Dienst deutscher Katholiken für (überwiegend kirchliche) Partner in Afrika. Asien und Lateinamerika. In diesem Rahmen übernimmt sie die Anwerbung, Beratung, Auswahl, Vorbereitung, Vermittlung, Begleitung und Hilfe bei der Rückgliederung für die Fachkrafte, die sich als Entwicklungshelfer zur Verfügung stellen. Die ermittelten Fachkräfte sind Mitarbeiter in Projekten bzw Programmen einheimischer kirchlicher und staatlicher Träger souie internationaler Organisationen in den Bereichen: Landwirtschaft, Handwerk, Technik, Gesundheitswesen, Sozialwesen, Bildungswesen.
Gesuchte Berufsgruppen Gesundheitswesen: Ärzte, insbesondere mit chirurgischer, gynäkologischer und allgemeinmedizinischer Erfahrung; Krankenschwestern (möglichst mit Hebammenausbildung) und Krankenpfleger mit mehrjähriger und breiter Berufserfahrung; Unterrichtsschwestern; gelegentlich medizinisch-technische Assistentinnen (Labor und Röntgen); Krankengymnast(inn)en. Handwerk/Technik: Meister, Techniker, Ingenieure sowie berufserfahrene Fachkräfte vorwiegend aus folgenden Bereichen: Kfz-Mechanik. Schlosserhandwerk, Baubereich (Maurer, Zimmerer), Schreinerhandwerk. Orthopädiemechanik, Maschinenbautechnik, Elektrotechnik. Besonders gesucht sind Fachkräfte, die über eine mehrjährige Berufserfahrung verfügen, die Kenntnisse in mehreren handwerklich-technischen Berufen besitzen sowie über pädagogische Erfahrung (z.B. als Ausbilder) verfügen. Landwirtschaft: Landwirtschaftsmeister, Agrartechniker; Agraringenieure, vor allem mit praktischer Berufserfahrung. Sonstige Bereiche: Gelegentlich gesucht werden Sozialarbeiterlnnen, SozialpädgogInnen, Betriebswirte, Genossenschaftsfachleute
Dauer der Tätigkeit: Drei Jahre mit Verlängerungsmöglichkeit

Christliche Fachkräfte International (CFI)
Hohenheimer Straße 60
70184 Stuttgart
Tel. (0711) 23 35 64

CFI ist Träger des personellen Entwicklungsdienstes der Deutschen Evangelischen Allianz; Vermittlung von Fachkräften in Entwicklungsprogramme und -projekte evangelischer Kirchen und christlicher Organisationen in Übersee; Bereiche: Gesundheitswesen, Landwirtschaft, technische und handwerkliche Ausbildung, Sozialarbeit, Flüchtlingshilfe.
Gesuchte Berufsgruppen Ärzte, Krankenschwestern, Hebanmen, medizinisch-technische Assistentinnen; Dipl.-Agraringenieure, Landwirte, Forstwirte, Ingenieure, Techniker, Fachleute für Brunnenbau und Wasserwirtschaft; Handwerksmeister. Baufachleute; Betriebswirte, Verwaltungsfachleute; Dozenten, Lehrer, Erzieher
Dauer der Tätigkeit: Drei Jahre

Deutscher Entwicklungsdienst (DED) Gemeinnützige Gesellschaft mbH
Kladower Damm 299
14061 Berlin
Tel (030) 3 65 09-0;
Fax (030) 3 65 09-271

DED stellt Emtwicklungsländern im staatlichen und privaten Bereich qualifizierte und engagierte Fachkrafte zur Mitarbeit in ihren Programmem und Projekten zur Verfügung und trägt in bescheidenem Umfang auch zur Finanzierung dieser Programme bei. Er fördert die Arbeit von Solidaritätsdiensten und Selbsthilfeinitiativen (Einheimisehe Dienste) durch fachliche Beratung und die Finanzierung kleiner Programme. Er betreut auf deutscher Seite das Europäische Freiwilligenprogramm (EFP). Er vermittelt deutsche Entwicklungshelfer in das Freiwilligenprogramm der Vereinten Nationen. Er unterstützt den Aufbau lokaler Selbsthilfegruppen durch Partnerschaftshelfer. Seit der Gründung des DED haben über 9500 Entwicklungshelterinnen und Entwicklungshelfer Menschen in der Dritten Welt bei Vorhaben unterstützt, durch die sie die Lebensbedingungen verändern und verbessern konnten. Zur Zeit sind rund tausend Entwicklungshelfer in 40 Ländern tätig. Sie arbeiten in folgenden Bereichen: Gesundheit, Gemeinwesenarbeit, technisch-handwerkliche Berufsausbildung, allgemeines Bildungswesen, Kleingewerbe, Management, Verwaltung, Land- und Forstwirtschaft, Bau- und Siedlungswesen.
Im Vordergrund stehen: - im technisch-handwerklichen Bereich die berufliche Aus- und Fortbildung - im Bau- und Siedlungswesen die Unterstützung von Infrastrukturmaßnahmen- in der Gewerbeförderung die Beratung von Handwerksbetrieben - in der Land- und Forstwirtschaft die sinnvolle Nutzung vorhandener Ressourcen und die Beratung von kleinbäuerliehen Betrieben - im medizinischen Bereich die kurative und präventive Versorgung der ländlichen Bevölkerung in kleinen Krankenhäusern und Gesundheitsstationen.
Gesuchte Berufsgruppen: Für alle Berufsgruppen werden in der Regel männliche wie weibliche Fachkräfte gesucht. Eine Vermittlung von Entwicklungshelfern ist nur auf Anforderung der Partnerorganisation möglich. Agraringenieure; Agrartechniker; Ärzte/Fachärzte für Allgemeinmedizin, Chirurgie, Gynäkologie, Inneres, Kinderheilkunde; Hebammen: Betriebswirte; Berufsschullehrer; Ethnologen; Förster; Forstingenieure; Gartenbauingenieure; Gärtner; Geoökologen; Handwerker, Gesellen, Meister und Facharbeiter verschiedener Bereiche (u.a. Drucker, Elektroinstallateure, Kfz-Mechaniker, Maurer, Schlosser, Tischler, Zimmerer); Imker; Ingenieure (Hochschul- und FachhochschulabschluB) und Techniker verschiedener Disziplinen (u.a. Hoch- und Tiefbau, Brückenbau, Elektrotechnik, Landmaschinentechnik, Maschinenbau, Wasserbau); Landwirte; Sozialpadagogen; Sozialarbeiter, Umweltingenieure
Dauer der Tätigkeit: Zwei Jahre Entwicklungsdienst. Hinzu kommen fünf bis sechs Monate Vorbereitung im In- und Ausland. Der Vertrag kann bis zu vier Jahren verlängert werden. Entwicklungshelfer können auch ein zweites Mal entsandt werden.

Deutscher Freiwilligendienst in Übersee e.V. (DFÜ)
Argelanderstr. 50
53115 Bonn
Tel. (0228) 215900

Aufgabenstellung: DFÜ ist ein privater Träger des Entwicklungsdienstes, jedoch nicht lizenziert nach . 2 des Entvicklungshelfer-Gesetzes. Entsendung von Fachkräften in Projekte folgender Bereiche: Community Development, Handwerk, Lanbdwirtschaft, Gesundheitswesen Gesuchte Berufsgruppen:Ärzte, Krankenpfleger; Landwirte; Handwerker. Dauer der Tätigkeit: Ein bis drei Jahre

Dienste in Übersee (DÜ) Arbeitsgemeinschaft evangelischer Kirchen in Deutschland e.V.
Nikolaus-Otto-Straße 13
70771 Leinfelden-Echterdingen
Tel. (0711) 79 89-0;
Fax. (0711) 79 89-123

Aufgabenstellung:
Träger des personellen Entwicklungsdienstes der evangelischen Landes- und Freikirchen in Deutschland; Vermittlung von Entwicklungshelfern in Entwicklungsprogramme und Projekte von (insbesondere kirchlichen) Trägern in Übersee: Bereiche: Gesundheitswesen, Landwirtschaft, Technik, Verwaltung, Bildungsarbeit
Gesuchte Berufsgruppen: Ärzte; Krankenschwestern mt Erfahrung im öffentlichen Gesundheitswesen und/oder Hebammenausbildung; Verwaltungsfachleute; Landwirte: Ingenieure; Handwerksmeister; Bildungsfachleute
Dauer der Tätigkeit: Drei Jahre mit Verlängerungsmöglichkeit


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