Anleitung Grubenbrand von Stefan Jakob (Töpferblatt 3-07)

Hier werden Artikel fürs nächste Töpferblatt vorveröffentlicht - denn bis zum Erscheinen des Töpferblattes dauert es ja notorisch etwas ...

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Günter
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Anleitung Grubenbrand von Stefan Jakob (Töpferblatt 3-07)

Beitrag von Günter » Samstag 1. Dezember 2007, 13:17

Der Grubenbrand
Stefan Jakob

Eine der ältesten Brenntechniken ist der Grubenbrand. Archäologische Funde belegen, dass bereits in der Jungsteinzeit (ca. 4000 v. Chr.) in Brenngruben Keramik angefertigt wurde.

Material:
Pickel und Schaufel
Gartenhandschuhe
5 kg Holzkohle
4-5 Bündel Hartholz oder Äste
1 Sack, 50 l, vollgestopft mit Heu oder Stroh
Zündhölzer
Pfähle und Seil für die Abschrankung
Brenngut
Geeignete Tone:
Für den Grubenbrand eignen sich besonders eisenhaltige Tone mit hohem Schamottenanteil (20 - 40 %, Körnung: 0,5-2 mm). Selbstverständlich kann auch selbst gesuchter Lehm verwendet werden: Die abgegrabene Lehm-Masse muss indes ausreichend plastisch sein. Das prüft man folgendermassen nach: Man formt einen Tonwulst von 10 cm Länge und ca. 1,5 cm Durchmesser zu einem Ring, dabei darf aber der plastische Wulst nicht brechen.
Erweist sich der Ton als geeignet, mischt man ihm Schamotte bei. Schamotte ist bereits gebrannte und wieder zerkleinerte Tonmasse; man kann sie aus Ziegelsteinen oder Blumentöpfen auch selber herstellen: Mit einem Stein oder Hammer zerkleinert man auf einer Steinplatte die Tonscherben und siebt sie dann durch ein Haarsieb. Dieses Granulat wird nun in den Lehm geknetet; je nachdem fügt man noch etwas Wasser hinzu, damit die Masse nicht zu trocken wird.
Aus diesem Ton werden Gefässe und Objekte hergestellt.
Die fertigen Stücke müssen mindestens während 10 Tagen trocknen, dickwandigere auch länger. Denn feuchtes und ungenügend getrocknetes Tongut zerspringt im Feuer und die herum fliegenden Splitter führen bei Haut- oder Augenkontakten häufig zu Verbren­nungen.

Die Brenngrube:
Je nach Anzahl und Grösse der Objekte wird eine Grube von ca. 20-40 cm Tiefe und 70-100 cm Durchmesser gegraben. Bei grösseren Mengen Brenngut ist es vorteilhafter 2 Brenngruben zu bauen: Ist die Brenngrube nämlich zu gross, strahlt das Feuer eine zu grosse Hitze ab.
Die ausgehobene Erde schüttet man ringförmig um die Grube zu einem Wall auf, denn dadurch erhält man mehr Tiefe. Ein Teil des Aushubes kommt auf einen Haufen neben der Grube. Mit dieser Erde wird das Brenngut am Ende des Brandes zugedeckt, damit es langsam auskühlt und eine schwarze Färbung erhält.
Der Grubenbrand muss in genügendem Abstand zu Gebäuden und Bäumen durchgeführt werden.

Der Brand:
Zuerst entfacht man in der Grube ein grosses Feuer, damit die Grubenwände austrocknen und Wärme speichern. Nach einiger Zeit wirft man 10-15 faustgrosse Granitsteine ins Feuer (Achtung: keine kalkhaltigen Steine, sie zerplatzen in der Hitze und die herum fliegenden Splitter können Verbrennungen verursachen).
Diese Granitsteine speichern zusätzliche Wärme.
Ist das Feuer völlig herunter gebrannt und nur noch eine mit weisser Asche bedeckte Glut übrig, setzt man das Tongut auf die heissen Steine. In der ca. 150-200°C heissen Grube dörren die Töpfe, Schalen, etc. nun ungefähr 30-60 Minuten lang aus und werden vorgewärmt.
Nach dieser „Ausdörrphase“ stellt man dünne Äste senkrecht dem Rand entlang in die Grube. Das Holz entzündet sich nach einiger Zeit an der Glut in der Brenngrube. Ist zu wenig Glut vorhanden, behilft man sich mit Holzkohle: Sie wird in einer Feuerstelle oder einem Grill entzündet und man schüttet sie mit einer Schaufel zur Glut.
Die kleinen Flammen in der Brenngrube dürfen die Objekte noch nicht berühren, sonst zerspringen sie. Langsam wird das Feuer nun dem Grubenrand entlang geführt, bis ein brennender Ring das Tongut umgibt und sich dieses immer stärker erwärmt.
Innerhalb einer halben Stunde wird das Feuer immer näher an das Brenngut heran geführt, bis es völlig in den Flammen steht. Dann legt man Holz zwischen und auf die Objekte. So wird nun ungefähr eine halbe Stunde lang weiter gefeuert. Allmählich verfärbt sich nun der Ton: Zuerst wird er grau vom Russ, der sich auf der Oberfläche ablagert; oberhalb von 600°C verbrennt die Russ-Schicht und die rote Tonfarbe wird sichtbar.
1-1 ½ Stunden nach dem Entzünden des Feuers stehen die Keramiken mitten in den Flammen. Jetzt wirft man Heu oder Stroh über die Objekte (Achtung: starke Rauchentwicklung!) und deckt umgehend mit trockener Erde ab, bis kein Rauch mehr austritt. In der geschlossenen Brenngrube bildet sich nun Kohlenstoff, der sich auf der Keramik absetzt und sie schwarz färbt. Gelangt bei hoher Hitze wieder frischer Sauerstoff in die Grube, so verbrennt der Kohlenstoff und die rote Farbe des Tons wird erneut sichtbar.
Der Brand ist nun fertig und kühlt über Nacht ab.
Die Brenngrube wird gut erkennbar markiert und abgesperrt, damit niemand versehentlich in die heisse Grube tritt.
Am folgenden Tag werden die Objekte vorsichtig ausgegraben. Dies ist vergleichbar mit einer archäologischen Ausgrabung und mindestens so spannend, wenn die ersten Objekte ans Tageslicht gebracht werden. Dazu trägt man unbedingt Handschuhe, weil die Grube noch sehr heiss ist.

suma
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Re: Anleitung Grubenbrand von Stefan Jakob (Töpferblatt 3-07

Beitrag von suma » Dienstag 29. April 2014, 14:45

Hallo und guten Tag!
Ich mache momentan eine Ausbildung zur Werklehrerin in Waldorfschulen.
Im Rahmen meiner Ausbildung habe ich mit Weiden gearbeitet.
Nun möchte ich die Flechttechnik mit Keramik kombinieren, heißt, beides gemeinsam brennen, wg. sicher interessanter Oberfläche.
Ist das ihrer Meinung nach möglich? oder wird das Brandgut gleich springen, weil die Weiden dicht am Ton anliegen?
Können Sie mir ihre Erfahrungen mit Grubenbränden mitteilen?
Können sie mir Literatur zum Thema Grubenbrand empfehlen?

Es würde mich freuen, bald von ihnen zu hören,
schöne Grüße aus dem wilden Süden,
Susanne Mack

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Günter
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Re: Anleitung Grubenbrand von Stefan Jakob (Töpferblatt 3-07

Beitrag von Günter » Mittwoch 30. April 2014, 09:37

Hallo Susanne
der Stefan Jakob ist nicht in diesem Forum, darum kannst du ihn so auch nicht erreichen - und ich selber habe keine Erfahrung mit Grubenbrand. Ich hoffe jemand anderer wird antworten. Generel würde ich bei der Technik mit den Weiden auf Schwierigkeiten und die Notwendigkeit zu langem Probieren tippen - das muss bestimmt relativ dickwandig mit stark schamottiertem Ton erfolgen, denn wenn die Weiden weggebrannt sind und nur ein paar Millimeter Ton übrig, dürfte das sehr instabil sein. Aber ich hoffe, jamand kann dir da fundierter helfen.

Herzliche Grüße Günter

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