Heitere Härte
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Sie lacht gerne: Heidi Degenhardt ist ein fröhlicher Mensch. Ihren Keramikfiguren ist diese Heiterkeit anzusehen. Schlank und stolz wachsen Vogelfrauen und Hörnertiere in den Himmel. So hart wie sie sind, so leicht und filigran wirken sie.
Der Erde verbunden, aber doch bereit mit den Gedanken des Betrachters abzuheben. Wie Heidi Degenhardt selbst. Das Haupthema ihrer keramischen Arbeiten ist sehr lange die Vogelfrau gewesen.
Diese Vogelfrauen thronen auf einem Sockel oder Rahmen mit ausgebreiteten Armen, die in Flügel übergehen. In einem der Flügelarme halten diese Wesen oft eine Standarte oder eine Lanze ein Symbol für Stärke und Erhabenheit.
Sie gestaltet die Kreaturen in vielen Variationen. Aus grobschamottiertem Ton sind sehr große Wesen wie die Verwandlung und Imagination entstanden. Bei dem Thema Verwandlung ist die samtige Oberfläche der Vogelfrau mit dünn aufgetragenen Porzellanplatten gestaltet. Schamottierter Ton und feines Porzellan – zwei sehr unterschiedliche Materialien – eine extreme Spannung, sehr gewagt, fast provozierend und doch halten sie zusammen.
Zart, hauchdünn und transparent sind dagegen ihre Porzellanarbeiten. Aus diesem Material hat sie kleinere Wesen geschaffen, die teilweise in Gruppen wirken. Typisch dafür sind die Metamorphosen, ein Quartett aus vier Vogelfrauen, deren Körper in Schichten wachsen. Die Strukturen wechseln, und der Körper schält sich regelrecht heraus. Allerdings endet ein Frauenkörper nicht wie zu erwarten in einem Frauenkopf, sondern in einem Vogelkopf.
Die Figuren sehen sehr archaisch aus. Sie sind aber keinesfalls typische Frauenabbilder, die durch Betonung der Brüste oder des Leibes die erotische Naturkraft verkörpern – im Gegenteil. Diese weiblichen Gestalten haben eine betont schlanke Taille. Ihr Oberkörper ragt stolz auf und geht dann über in einen Vogelkopf, der von einer Krone geziert wird. Sie verkörpern deshalb keine unterdrückten und beherrschten Wesen – sie sind selbst Herrscherinnen, losgelöst von Zwängen und sie haben etwas zu sagen in der Sprache der Symbolik. Als männliche Gegenstücke zu den Vogelfrauen entstanden die Hörnertiere.
Heidi Degenhardts Wurzeln liegen auf der Schwäbischen Alb. Die Idylle der Natur umgibt ihr Haus am Waldrand. Hier lebt sie mit ihrem Mann Manfred Degenhardt, selbst ein bekannter Künstler, und Tochter Julia. Ihr Atelier ist ein offenes Atelier, Heidi Degenhardt teilt ihre Lust an der Kunst gerne mit Freunden. Im malerisch großen Garten mit Teich stehen Skulpturen zwischen Mooskissen. Prägend für ihre Arbeit wirkt jedoch nicht nur dieses naturverbundene Zuhause – für neue Eindrücke aus ihrer Umwelt ist Heidi Degenhardt immer offen. Diese Anregungen bezieht sie dann auch wieder in ihre Arbeiten mit ein. Auf Reisen füllt sich ihr Skizzenbuch, und manches Objekt ist in der Ferne entstanden. Zum Beispiel die Fischfrau aus Porzellan, die auf einer griechischen Insel geboren worden ist. Der Sockel der Plastik besteht aus Strandgut – altem Fischerbootholz. Gebrannt wurde die Fischfrau im offenen Kamin wo sonst Artischocken oder Kalamaris gegart werden. Durch besondere Bearbeitungstechniken, etwa Einreiben von Talkum oder Speckstein, entstehen knochige Oberflächen. Aus der Kombination von Materialien ergeben sich in Degenhardts Arbeiten vielfältig lebendige Ausdrucksweisen. Typisch Heidi eben, denn so vielfältig wie ihre Kreaturen ist auch ihr sonstiges künstlerisches Engagement. Denn Tanz und Musik gehören zu ihrem Leben wie Ton und Porzellan. Heidi Degenhardt wurde 1958 in Hayingen auf der Schwäbischen Alb geboren. 1985 beginnt sie sich beim Bildhauer H. Fischer in Freiburg mit Drehkeramik zu beschäftigen. Im gleichen Jahr eröffnet die Künstlerin an ihrem Wohnort Wannweil bei Reutlingen ein eigenes Atelier mit Angeboten im künstlerischen Bereich für Kinder und Erwachsene. Von 1994 bis 1998 studiert sie an der Freien Kunstakademie Nürtingen Figürliche Keramik bei der Dozentin Dora Varkonyi. In den neunziger Jahren folgen mehrmonatige Aufenthalte in Griechenland, zahlreiche Reisen zu Kunstprojekten ins europäische Ausland sowie die Mitarbeit in Kunst und Kulturinitiativen. Mit ihren Arbeiten ist sie auf zahlreichen Ausstellungen vertreten. |
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Heidi Degenhardt Chalottenstraße 19 D-72827 Wannweil / Deutschland Tel.: 0 71 21 / 5 73 83 Fax: 0 71 21 / 50 68 27 heidi.degenhardt@t-online.de |
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| Heidi Degenhardt arbeitet mit grobschamottiertem Ton und Porzellan. Das Porzellan wird in vielfältiger Weise bearbeitet: ausgewellt, eingeritzt, gestempelt. Nach dem ersten Brand werden in die Strukturen Majolikafarben aufgetragen und an der Oberfläche wieder entfernt. Durch das Einreiben und Polieren mit Talkum- oder Specksteinpulver erreicht Heidi Degenhardt eine samtig glänzende Oberfläche. Gebrannt wird bei 1270 Grad Celcius. | |
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Vita
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1958 geboren in Hayingen 1975 Ausbildung zur Erzieherin, anschließend mehrjährige Arbeit als Erzieherin, Zusatzausbildungen im anthroposophischen und rhythmisch-musischen Bereich, Beschäftigung mit Figürlicher Keramik 1985 Fortbildungslehrgang Drehkeramik in Freiburg seit 1985 Eigenes Atelier mit verschiedenen Angeboten im künstlerischen Bereich für Kinder und Erwachsene 1986 - 2000 Musiklehrerin an der Musikschule Reutlingen, Leitung der Musikschule Wannweil seit 1990 Mehrmonatige Studienaufenthalte in Griechenland 1994 - 1998 Studium der Figürlichen Keramik – Freie Kunstakademie Nürtingen, Dozentin Dora Varkonyi und Ilse Schenk-Ruff Aktzeichnen, Aktmodellieren, Glasurtechnik und Gipsabdruck seit 1994 Studienreisen nach Rom, London, Barcelona, Madrid, Lissabon sowie Arbeitsaufenthalte in der Türkei, Griechenland, Südfrankreich, Italien, Marokko und Sri Lanka seit 1995 Mitglied der Kulturinitiative „Kulti", Wannweil seit 1996 Mitglied beim „kalkspatz" e.V. Mitglied in der Kunstinitiative „Ursprung" seit 1998 Keramikkurse in verschiedenen Schulen und Kindergärten, Arbeit mit krebskranken Kindern im keramischen Bereich seit 2000 Mitglied im Verband Bildender Künstler, VBKW 2001 Dozentin für Erwachsenen-fortbildungen, u.a. in Reutlingen und im Schloss Obermarchtal 2002 Mitglied im Kunstverein Shedhalle, Tübingen Teilnahme am Symposium in Varazdin, Kroatien |
| Ausstellungen |
Flughafen Stuttgart Schloß Rosenstein, Stuttgart Rathaus Wannweil Rathaus Wendlingen Galeriecasino, Zwiefalten Galerie „Schrägstrich", Weilheim Haus am Gorisbrunnen, Bad Urach Kunstdorf Unterjesingen/Tübingen Messe Offenburg Kulturhalle Tübingen Tagespflegeheim Ruit, Ostfildern Internationaler Keramikwettbewerb und Ausstellung im Stadtmuseum Varazdin, Kroatien Jährliche Ausstellungen im eigenen Atelier Gartenschaugelände Pomologie, Reutlingen Rathaus Mably/Roanne, Frankreich Villa Metz, Tübingen |
| Publikationen | Lexikon Reutlinger Künstler Kunstförderung des Landes Baden-Württemberg Kunstdorf Unterjesingen/Tübingen Katalog der Keramikausstellung „Internationale Postmoderne" im Stadtmuseum Varazdin, Kroatien Werkverzeichnis keramisch arbeitender Künstlerinnen „Ursprung" |