kalkspatz Töpferblatt 2 '97

Töpfereien in der Türkei

ein informell - informatives Stakkato

von Ralf Burger

Canakkale
Einst ein Töpferzentrum. Heute existieren noch einige wenige Werkstätten. Ich habe in der von Muamar Akca, Barbaros Mak., Sehit Gürol Cad. N° 70 gearbeitet. Er macht alles was sich verkaufen läßt. Arbeitet hauptsächlich mit Gipsformen. Das Dekor hat er von einem Bulgaren gelernt. Traditionelles bulgarisches EngobeFederzug›-Muster. Seine ehemaligen Mitarbeiter machen das selbe Geschirr etwas außerhalb, in Malilali ( ca. 3,5 km Richtung Izmir). Allerdings drehen sie fast alles. Äußerst gute Dreher. Sie brennen im Gegensatz zu Muamar mit Gas und nicht mit Strom. Während ich dort war (März 97), ging sein letzter Dreher, um sich selbständig zu machen. Allerdings wird Salik wahrscheinlich hauptsächlich Gipsformen benutzen, da er sie mag.

In dem Dorf Kapaya ( Adresse. Balikesir, Ivriniye bagli, Kapya Köyu) ist wohl eine Werkstatt, die größer als 15 Dreher ist und die geschrühte Ware weiterverkauft (etwa 90 km südöstlich von Canakkale).

Bei Muamar habe ich ein Zimmer und bekomme fast alle Mahlzeiten und Gökhan, der Sohn spricht sehr gut englisch und fährt mich in der Gegend herum. Ich arbeite dafür auch nur soviel ich mag (ich denke, unter Preis verkaufen sollte ich mich auch nicht).

Der Ton kommt von der Gelibolu-Halbinsel, gegenüber Canakkale. Es ist ein roter Irdenwareton ( Muamar brennt bei ca. 1100°C), der sich sehr gut drehen läßt.

In Ecabat ( auf Gelibolu) ist auch eine Töpferei, allerdings sehr klein, die auch das Bulgarenmuster macht.

Kütahya
Unterglasurmalerei, bei 980°C Glasurbrand, Farben teilweise von Degussa. Es wird das Geschirr mit Unterglasurmalerei bemalt, mit dicker Engobe und Unterglasurfarben, damit sich die Farbpunkte auch reliefartig abheben. Das neue und das alte Geschirr unterscheiden sich hauptsächlich in der Perfektion. Die neuen Sachen sind sehr edel und nach dem Drehen werden sie mit Schleifpapier retuschiert›. Die Malerei mit Pauspapier und Pinsel ist äußerst exakt. Teller werden überdreht. Aber es gibt verschiedene Sachen hier und ich habe nur einen kleinen Einblick bekommen, da es Ende März 97 hier verdammt kalt und ungemütlich war. Die Stadt selbst erstreckt sich aus einer recht hügeligen Gegend in die Ebene. In der Ebene ist der neue Teil mit seinen Zig-Cini (von China)-Läden und die wunderschöne Altstadt zieht sich in Tälern in die Berge. Viele kleine Gassen. Vor den Toren gibt es einige Porzellanfabriken, die herkömmliches Porzellangeschirr herstellen. Allerdings kann man nur den Showroom besichtigen. Der Cini-Laden Altin Cini in der Nähe des Zentrum-Kreisverkehrs hat seine Werkstatträume jedenfalls in der Stadt und wenn man fragt, zeigen sie einem diese doch.

Kinik
(7 km von Pazaryeri, Bilecik)
Ein kleines Dorf mit 800 Einwohnern. Vor etwa 150 bis 200 Jahren kam ein Bulgare und gründete dieses Dorf. Er war der erste Töpfer. Jetzt gibt es hier ca. 50 Betriebe und fast das ganze Dorf, bis auf zwei Kaffeehäuser und drei Kramerläden, lebt vom Töpfern. Etwa 60 Töpfer von hier haben schon in Deutschland gearbeitet. Es sprechen viele Leute im Ort deutsch. Die Töpfer haben in Deutschland Tonschneider gesehen und sie hier nachbauen lassen. Das erleichtert die Arbeit ungemein. Gebrannt wird in einfachen Holzöfen. Die glasierten Sachen allerdings in Gas- oder Elektroöfen. Es gibt Werkstätten, die nur drei bis vier Artikel haben und andere, die alles drehen. Aber über 40 cm Höhe drehen nur wenige Betriebe, da sich der Ton hier nicht dazu eignet. Große Töpfe werden in Menemen bei Izmir gedreht. Das Dekor: einfach transparent glasiertes Geschirr, bulgarisches Engobefederzugmuster und einer hier im Ort lackiert die Sachen und beklebt sie mit Leim und einer Fimo-ähnlichen Masse. Er heißt Salim Gasar und spricht gut deutsch. Im Dorf ist überall gutes fließendes Wasser - und auch so ist der Ort dank der Töpfer eher reich.
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