Salzbrandofen

Maschinen, Werkzeuge, Tone etc.
Gasbrenner
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Re: Salzbrandofen

Beitrag von Gasbrenner »

In welcher Region arbeitest Du?
Vielleicht gibt es ja doch Salzbrenner in erreichbarer Nähe.

Willst Du unbedingt selber einen Feuerbeton entwickeln? Es gibt auch Firmen, die gute Betone und Stampfmassen herstellen.

tonfix
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Re: Salzbrandofen

Beitrag von tonfix »

Ich wohne in Österreich...und da recht weit ab vom Schuss. Und in Vergleich zu Deutschland ist bei uns die Keramikerszene recht überschaubar.
Hoff ich sag da jetzt nichts Falsches, aber bisher ist mir recht wenig Salzbrand untergekommen und in meiner Nähe arbeiten die meisten eher mit Raku oder Rauchbrand. Umso mehr möcht ich natürlich nen Salzbrandofen haben ; )

Was mein Vorhaben mit den feuerfesten Beton betrifft...ich weiß eh das es ganz gute Massen zu kaufen gibt, sind aber halt auch nicht billig...und ich hab mir gedacht bevor ich viel Geld in Massen und Steine investiere und der Ofen dann womöglich nicht funktioniert, kann ich ja ein paar Experimente mit eigenen Rezepturen machen. Ist wahrscheinlich eh ne hirnrissige Idee aber probieren kann ichs ja mal.
Hab eine Zeit lang als Betontechnikerin gearbeitet, vielleicht auch daher der Hang zum selbermischen und ausprobieren ; )

fritz-rs

Re: Salzbrandofen

Beitrag von fritz-rs »

Ich hatte einen erfolgreichen Salzbrandversuch in einem kleinen Probeofen aus Fasermatten gemacht.
Wenn es Dir nicht um Riesenteile geht, verlierst Du auch nicht viel, wenn Du alle 10 Brände die INNERE Matte erneuerst.
Der Hauptdämmbereich bleibt dann ja erhalten.
Ich habe wg. der Chlorqualmerei im Wohngebiet aufgegeben. Ob sich die Salzkruste noch weiter auf der inneren Schale aufbaut oder weiter ins Matteninnere kriecht, kann ich nicht sagen. Der Versuch war billig und die beiden Probeschälchen schön.

Gruß Fritz

Gasbrenner
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Re: Salzbrandofen

Beitrag von Gasbrenner »

Wenn Du zunächst nur probieren willst, kannst Du einen kostengünstigen Ofen aus billigen Steinen mit einem Hinterfutter aus Porenbeton bauen und ihn feuerseitig mit einem dicken Verputz (5cm) aus Ton, Schamottekörnung und Strohhäcksel versehen. Hartschamottesteine nur da, wo Du im Feuerraum stabiles Material brauchst. Als Steine eignen sich für einige Brände auch klassische Backsteine, so lange die nicht zu viel Kalk enthalten. ( Klinkerton) Du kannst die Feuerstandfestigkeit der Steine im E-Ofen ausprobieren.

Hallo Fritz,
Ich habe diverse Fasern ausprobiert. die wurden im Salz alle nach wenigen Bränden klein und spröde. Beschichtungen helfen eine Weile, bleiben aber auf die Dauer nicht rissfrei.

fritz-rs

Re: Salzbrandofen

Beitrag von fritz-rs »

Gasbrenner hat geschrieben:Wenn Du zunächst nur probieren willst, kannst Du einen kostengünstigen Ofen aus billigen Steinen mit einem Hinterfutter aus Porenbeton bauen und ihn feuerseitig mit einem dicken Verputz (5cm) aus Ton, Schamottekörnung und Strohhäcksel versehen. Hartschamottesteine nur da, wo Du im Feuerraum stabiles Material brauchst. Als Steine eignen sich für einige Brände auch klassische Backsteine, so lange die nicht zu viel Kalk enthalten. ( Klinkerton) Du kannst die Feuerstandfestigkeit der Steine im E-Ofen ausprobieren.

Hallo Fritz,
Ich habe diverse Fasern ausprobiert. die wurden im Salz alle nach wenigen Bränden klein und spröde. Beschichtungen helfen eine Weile, bleiben aber auf die Dauer nicht rissfrei.
Gasbrenner,

ich habe Salzbrand wg. der starken Nachbarbelastung aufgegeben.
Sonst wäre mein nächster Versuch eine Innenschale aus Feuerbeton mit Außendämmung durch Fasermatten gewesen.
Mein Eindruck ist, koorigiere mich, wenn ich danebenliege, daß Salzbrand die einfachste Prozedur zu einer Glasur ist.
Ich habe meine Tiegelchen mit Salz in den Ofen zur geschrühten Ware gestellt und die Flamme hats fertig gemacht. Kein Abdecken, Glasieren, Abwaschen, Wird in professionellen Salzbrand-Verfahren überhaupt geschrüht?

Gruß Fritz

hille
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Re: Salzbrandofen

Beitrag von hille »

Nein, ist Einmalbrand. Gibt ja keinen Grund zum Schrühen.

isam
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Re: Salzbrandofen

Beitrag von isam »

Hallo,
ich habe deinen Beitrag erst jetzt gelesen...Vielleicht kann ich dir helfen.
Ich habe einen kleinen Holzbrennofen von Michael Sälzer aus Kaub.(250 l) Der funktioniert nach dem Phönix-Prinzip und ich habe darin Salzbrand gemacht. Er ist aus Feuerleichtsteinen gebaut (k26) und steht in einem kleinen, extra dafür gebauten Häuschen, der ihn vor Regen schützt.
Ich wohne in einem Dorf, zentrale Lage, habe ein 3000 Quadratmeter großes Grundstück und der Ofen steht mitten auf dem Gehöft, Abstand zu den Nachbarn etwa je 30 m. Das Feuern war nie ein Problem, weil es keine große Rauchbelästigung gibt. Klar ist, dass in den Heiz- und Reduktionsphasen auch Qualm austritt, aber wenn man das mit den Nachbarn klärt und nicht gerade brennt, wenn die ihre Weißwäsche auf er Leine haben und der Wind ungünstig steht, ist das alles kein Problem. Man kann auch in den Abendstunden brennen, dann ist es noch weniger belästigend.
Damit das Salz den Ofen innen nicht so angreift, habe ich ihn innen mit einem Anstrich versehen, eine Art Mörtel, der die Steine schützt. Auch habe ich Salz oder Soda nur einmal direkt von oben oder über die Feuerung in den Ofen gegeben. Das Salz und auch Soda hat den Ofen so stark geschädigt, dass ich in Zukunft nur noch über kleine hochgebrannte Hilfsnäpfe eingegeben habe, das ist direkter, sparsamer und ofenschonender. Die Effekte waren immer gut; man muss ein bisschen Erfahrung sammeln, wie viel Salz ein Gefäß braucht,um Engoben zum Leuchten zu bringen, oder das Gefäß rundherum zu salzen. Meine Ware kam übrigens immer geschrüht in den Ofen.
Ich habe den Ofen insgesamt 35x geheizt, dann hat es den Deckel entschärft und ich habe aufgehört, für meine Produktion damit zu brennen. Aber insgesamt ist es ein kleiner, holzsparender, solider, preisgünstiger Ofen, den Michael Sälzer dir auf den Hof baut, wenn du es nicht im Selbstbau probieren willst. Bauanleitungen für Phönix-Öfen findet man bestimmt im Internet.
Solltest du genauere Fragen haben, schreib mir eine PN.
Gruß von Isam.

Resi
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Re: Salzbrandofen

Beitrag von Resi »

Hallo Tonfix,
also zuerst muss ich mal was klarstellen. Mein Ofen steht bei mir zwar in einem reinen Wohngebiet, aber im hintersten Teil des Gartens. Früher habe ich immer mit kleinen Näpfchen voll Salz gebrannt. Ich habe im Herbst versucht, ca. 300 g Salz über eine lange Metallschiene in den Ofen zu geben. Dabei ist mir die obere Platte gebrochen und das abgebrochene Teil hat sich auf die unteren Platten gesetzt, diese haben sich verbogen, obwohl nur 1220° erreicht wurden. Es ist kein Teil heil geblieben. Die Menge Salz ist so gering wie in den Näpfchen. Es kann also keine große Belastung für die Nachbarn sein, außerdem habe ich sehr nette Nachbarn, die auch beim Rauchbrand, sowie beim Rakubrennen nicht meckern. Ein wenig unangenehm, ist der Geruch, der auch ohne Salz bei der Reduktion entsteht, aber das wird auch toleriet. Wenn gegrillt wird in der Nachbarschaft stinkt es ja auch.
Ich weiß nicht mehr, welche Steine ich damals eingemauert habe. Ich habe sie von einem Händler in Tegelen/Holland gekauft, und der hat sie aus England bezogen. Leider gibt es den Händler und damit auch die Steine nicht mehr.
Den Ofen von Michael Sälzer hätte ich mir gerne gekauft, aber ich kann nicht über 5000€ bezahlen. So muss ich eben weiter experimentieren und wieder mit Näpfchen brennen
Viele Grüße Resi.

reinerlie
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Re: Salzbrandofen

Beitrag von reinerlie »

Ich finde es schon sehr merkwürdig, dass die Meinungen betreffs der Eignung von Feuerleichtsteinen für den Salzbrand völlig gegensätzlich sind....

Gasbrenner
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Re: Salzbrandofen

Beitrag von Gasbrenner »

Die Meinung ist nicht unbedingt gegensätzlich. Beide Steinarten haben ihre Vor- und Nachteile im Salzbrand. Wenn Handwerksbetriebe mit Gasöfen Salzglasur machen, werden die Öfen teilweise täglich gebrannt und dementsprechend rabiat runtergekühlt. Das geht nur mit Leichtsteinen. Auch spielt hier der Energiepreis eine andere Rolle.
Wenn man im Monat einen Holzofen brennt, spielt die Wärmespeicherung der Hartschamotte keine so große Rolle. Da überwiegen die Vorteile der Hartschamotte z.B. hinsichtlich der Beständigkeit bei langen Phasen im Hochfeuer, Schlackeangriff, ggfs. Reduktionsfestigkeit.
Ich habe auch den Eindruck, dass Hartschamotte oftmals z.B. aus Industrieofenabrissen leichter verfügbar ist und allein schon deswegen für viele Kollegen das Material der Wahl ist.

Es ist auch kein entweder-oder. Man kann die Materialien mischen. Z.B. Feuerung und alle mechanisch belasteten Stellen aus Hartschamotte, Wandung und Gewölbe weitgehend aus Leichtstein.

reinerlie
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Re: Salzbrandofen

Beitrag von reinerlie »

Hallo Gasbrenner,
es ging mir ja um den direkten Kontakt von Feuerleichtsteinen mit dem Salz.

tonfix
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Re: Salzbrandofen

Beitrag von tonfix »

also zwischendurch mal Danke an alle die hier so nett sind und ihr Wissen preisgeben!

dank Gasbrenner ist mir nun auch die Verwendbarkeit von Feuerleichtsteinen versus Schamottsteinen klar ; )

ich versuch mal die ganzen Infos auf die Reihe zu bringen und in meine Versuche einzubauen...bin aber noch am rechnen... und Rohstoffe ausfindig zu machen....
zb.: Schamotte?
lieber Gasbrenner und auch andere...
welche Schammotte wäre denn geeignet für eine Mischung für die Innenhaut eines Ofens? eh klar, Hochbrand muß aushalten ;)
Ich kenn nur die, die man als Zusatz zu diversen keramischen Massen nimmt...aber gibs da vielleicht auch welche mit einer größeren Körnung?
und wo könnt ich die bekommen?

und Danke an Isam für den Tip mit dem Phönixofen...werd mal googeln....die Welt ist eine Googel! : )

und lieber Reinerlie...was ich jetzt so rausghört hab vertragen sich die Feuerleichtsteine mit dem Salz nicht so gut (bzw. zu gut!) außer man trägt ne
geeignete Beschichtung auf...kann aber auch sein das ich da was falsch verstanden hab?

liebe Grüße!

Gasbrenner
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Re: Salzbrandofen

Beitrag von Gasbrenner »

Unter "Innenhaut des Ofens" verstehe ich eine Verputz/Stampfmasse, die in einer Schichtstärke von mehreren Zentimetern auf die Ausmauerung aufgetragen wird.

Ursprünglich verwendeten die Salzbrenner dafür eine Mischung aus Ton, Quarzsand und Strohhäcksel. Das war für die damals eingesetzten Holzöfen völlig ausreichend. Die Brenntemperatur lag im Maximum allerdings meist niedriger als heute üblich. Bisweilen nur um 1200°C. Mehr brauchten die auch nicht, denn die Sinterung wurde durch die Reduktion und die lange Hochfeuerphase begünstigt. Die Innenhaut war ein Verschleißteil. Nach wenigen Bränden waren i.d.R. Reparaturen nötig.

Es bringt meist nichts, das technische Optimum anzustreben, wenn die dafür nötigen Materialien nicht verfügbar sind , oder jenseits des Budgets liegen. Ich würde wahrscheinlich zunächst eine preiswerte Innenschale verwenden, Reparaturen in Kauf nehmen und dann später, wenn der Ofen gut läuft und nichts mehr umgebaut werden muss, das Zeug rausklopfen und durch etwas hochwertigeres ersetzen.

Prinzipiell kann die in keramischen Massen eingesetzte (weiße) Schamotte für die Innenschale verwendet werden. Die ist zwar mit max. 18% Tonerdegehalt nicht ideal, sollte es aber für eine Weile tun.
Ansonsten: Optimal sind Schamotten mit einem höheren Tonerdegehalt (so ab 35%), einem geringen Flussmittelgehalt und einer geringen Porosität. Die gibt es leider nicht bei Boesner & Co.
Witgert könnte da ein Ansprechpartner, sowohl für Schamotte, wie auch für Bindeton sein. Ich weiß aber nicht, wie es da mit Kleinmengen ist.

Gasbrenner
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Re: Salzbrandofen

Beitrag von Gasbrenner »

P.S.
Schamottekörnung ist i.d.R. bis etwa 6 mm verfügbar. Es lohnt sich, ggfs. eine Staubfreie Schamotte oder eine mit wenig Feinanteil zu nehmen, weil man dann weniger Bindeton benötigt und die Masse beständiger wird.
Mit Feuerfestzement habe ich in solchen Massen keine guten Erfahrungen gemacht. Der wirkte meist verflüssigend und die Masse war nur zum Gießen, aber nicht zum Verputzen geeignet. Die Bindung mit Ton ist bei Verputzmassen meist besser.
Sollten Feuerfestschamotten verfügbar sein, bitte auf das "Nachwachsen" achten. Nur wenige Schamotten schwinden noch, einige dehnen sich aber in der Anwendung aus, do dass man Dehnfugen einbauen muss.

fritz-rs

Re: Salzbrandofen

Beitrag von fritz-rs »

Gasbrenner,

mein Industrieofenbauer hatte mir als Prallsteine Schamottesteine mit sehr hohem Al2O3-Gehalt verkauft.
Was haltet Ihr von einer Innenhaut aus solchem Plattenmaterial, 2-3 cm dick stark.
Ich kann, wenn jemand interessiert ist, nachfragen. Er hat mir auch 2 einzelne Steine im Ziegelformat verkauft.

Gruß Fritz

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