Schamotte anreichern

Maschinen, Werkzeuge, Tone etc.
schnefler
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Schamotte anreichern

Beitrag von schnefler »

Liebe Kalkspatzen,

ich habe einen Ton mit 12,5 % Schamotteanteil und möchte diesen mit Schamotte 0-0,5 mm anreichern auf 35 - 40%, um ihn als "Rakuton" einsetzen zu können.
Wie kann man die beiden Komponenten, der Ton hat Verarbeitungsfeuchte, Schamotte ist trockenes Pulver, ohne helfende Maschinen mischen? Muss man die Schamotte vorher mit Wasser aufschlämmen? Gibt es Weiteres zu beachten?

Dank und Grüße
Norbert der Schnefler
Maria Ortiz Gil
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Re: Schamotte anreichern

Beitrag von Maria Ortiz Gil »

Hallo Schnefler,

Schamotte kann (braucht) man nicht aufschlämmen, weil es sich dabei um so genannten totgebrannten Ton handelt, der also vollkommen gesintert ist und deshalb kein Wasser aufnehmen kann. Das ist ja der Sinn des Schamotte-Zuschlags, dass ein Teil der Masse kein Wasser aufnimmt und deshalb das gesamte Ding weniger Schwindet.

Die Technik des Untermischens kommt wahrscheinlich auf die Tonmenge an, die man verarbeiten möchte. Wenn es keine größeren Mengen sind, dann wird es wohl reichen wenn man den Ton in möglichst weichem Zustand etwa zwei Finger dick ausbreitet, die Schamotte drüber streut, das Ganze zusammenrollt, hochkant stellt und mehrfach knetet. Also so knetet, dass dabei keine Lufteinschlüsse entstehen, bzw. darin enthaltene herausgeknetet werden. Darüber gibt es bestimmt Anleitungen auf Youtube, noch besser ist es, wenn es dir jemand zeigt, der es gut kann, ein Töpfer, z.B.

Bei größeren Mengen würde man in einer produzierenden Werkstatt sicherlich von Tonmehl ausgehen, das man dann mit dem Schamotte-Anteil vermischt und einsumpft.

Wenn es dir auf eine genaue Gewichtszugabe ankommt, müsstest du deinen Ton eintrocknen lassen um ihn abwiegen zu können und den genauen Zusatz ausrechnen zu können. Das Wasser zählt man bei keramischen Massen nicht mit, weil sein Anteil nicht mit einfachen Mitteln bestimmbar ist.
Um den Ton schnell zu trocknen und weiter verarbeiten zu können, schneidet man ihn am besten in dünne Scheiben, die man eventuel noch etwas walzt und so bald sie etwas steifer sind möglichst hochkant stellt.
Wenn sie ganz hell geworden sind und nicht mehr heller werden, sind sie trocken genug. Es gibt hier im Forum Beiträge zum Wiederaufarbeiten von Ton, da kann man nachlesen wie es weiter geht.
Aber es kommt wie gesagt auf die Menge an, die man vor sich hat.

Schönen Gruß
Maria
schnefler
Beiträge: 7
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Re: Schamotte anreichern

Beitrag von schnefler »

Liebe Maria,

vielen Dank für die umfassende und gut strukturierte Antwort. Damit kann ich meinen Ton rakufähig machen. Die Mengenverhältnisse habe ich bereits vom Hersteller ( Witgert ) erhalten, wie auch eine freundliche und kompetente Beratung.

Dank und herzliche Grüße

Norbert, der Schnefler
Yaki
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Re: Schamotte anreichern

Beitrag von Yaki »

Hallo Norbert,
dann hast du sicherlich auch den Rat bekommen, die Schamotte feucht zu machen?
Maria Ortiz Gil
Beiträge: 484
Registriert: Dienstag 1. März 2016, 13:14

Re: Schamotte anreichern

Beitrag von Maria Ortiz Gil »

Hallo Yaki,

magst du schreiben, welchen Vorteil es hat wenn man die Schamotte nass macht?

Ich hatte in kleineren Mengen Ton (zB ein Eimer) die Schamotte einfach so untergemischt, ohne irgend ein Problem.

Schönen Gruß,
Maria
Yaki
Beiträge: 75
Registriert: Donnerstag 7. Januar 2016, 13:09

Re: Schamotte anreichern

Beitrag von Yaki »

Hallo Maria,
Walter Gebauer behandelt das Thema "Masseaufbereitung" ausführlich in seinem Buch "Kunst-handwerkliche Keramik". Sogar mit Rechenbeispiel.
Gruß
Maria Ortiz Gil
Beiträge: 484
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Re: Schamotte anreichern

Beitrag von Maria Ortiz Gil »

Hallo Yaki,

danke für den Hinweis auf das Buch, aber eine mini-kleine Erklärung wegen dem feuchten Schamotte hätte mir schon gereicht, da ich sonst genug Erfahrungen (keine schlechten) mit Masseaufbereitung habe.
axolotl
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Re: Schamotte anreichern

Beitrag von axolotl »

Hallo,

Trockene Schamotte entzieht dem Ton Wasser, das kann beim mischen Probleme geben. Lieber ein wenig zu feucht arbeiten , denn trocknen geht einfacher als wieder Wasser zuführen.
Grüße,
Alex
Yaki
Beiträge: 75
Registriert: Donnerstag 7. Januar 2016, 13:09

Re: Schamotte anreichern

Beitrag von Yaki »

Maria Ortiz Gil hat geschrieben: Freitag 22. Januar 2021, 00:26 eine mini-kleine Erklärung wegen dem feuchten Schamotte hätte mir schon gereicht
Ich gehöre zu den Langsamtippern. Wenn mehr Zeit, schreibe ich gerne eine ausführliche Erklärung.
Yaki
Yaki
Beiträge: 75
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Re: Schamotte anreichern

Beitrag von Yaki »

Walter Gebauer: ..."Die zu schamottierende Arbeitsmasse ist bildsam und feucht, die Schamotte körnig, porös, trocken. Würde man die Schamotte einfach der plastischen Masse beimischen, so ginge ein großer Teil ihrer Bildsamkeit verloren, weil die trockene Schamotte energisch Wasser aus der feuchten Masse aufsaugt."...
Insgesamt ellenlang.
Eigentlich hat axolotl das auch gesagt.
Auf zwei weiteren Seiten geht Gebauer detailliert auf das Einfärben von Massen ein und gibt Berechnungsbeispiele.

Wenn ich nochmal darüber nachdenke, kann man eigentlich nichts falsch machen. Wenn man trockene Schamotte zu gibt, wird natürlich die Masse trockener. Logisch, dass man da einfach wieder Wasser zu geben muss, wenn man die gleiche Plastizität zu behalten will.
Also Maria, nix falsch gemacht.
Gruß, Yaki
Maria Ortiz Gil
Beiträge: 484
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Re: Schamotte anreichern

Beitrag von Maria Ortiz Gil »

Es ist das erste mal dass ich davon höre, dass Schamotte Wasser "aufsaugen" soll. Höchstens,dass es sich um die Schamottekörnchen herum legt, oder?
icke
Beiträge: 28
Registriert: Dienstag 25. Dezember 2018, 13:52

Re: Schamotte anreichern

Beitrag von icke »

Ich kann mir vorstellen, dass man, wenn die trockene Schamotte grob genug ist, damit auch Luft in den Ton einträgt.
schnefler
Beiträge: 7
Registriert: Donnerstag 7. Januar 2021, 18:05

Re: Schamotte anreichern

Beitrag von schnefler »

Liebe Meinende,

vielen Dank für die entgegengebrachte Meinungsvielfalt. Von Maria, kein Wasser, über Yaki anfeuchten, dann mit Alex lieber ein bisschen mehr Wasser und wieder zurück zu Yaki der W. Gebauer zitiert: "saugt energisch Wasser auf" sprich das Zeug sauft Wasser wie 'ne Kuh und Icke bringt noch ein wenig Luft ins Spiel...
Der Naturwissenschaftler macht jetzt einen Versuch.
Der Hersteller des Tones gibt vor 2 kg Schamotte auf 10 Kg Ton, um rakufähiges Ausgangsmaterial zu erhalten. Das ergibt für den Versuch:
3x 100g Ton aus der Packung des Herstellers, Probe 0 bleibt unbehandelt.
In Probe 1 werden trocken 20 g Schamotte 0 - 0,5 mm homogen eingemischt,
Probe 2 wird mit 20 g Schamotte homogen gemischt, die vorher mit Wasser angefeuchtet wurde (Aufnahme ohne Wasserüberstand 6,04 g ~30,02% )
Nach einer Ruhezeit von 0.5 h wird eine Kegelspitze 6 mal in jede Probe eingepresst und die aufgewendete Kraft gemessen.
Ergebnis: Probe 0 im Mittel aufgewendeter Druck= 149,5 N, Probe 1 Druck 339,5 N, Probe 2 Druck 73,83 N
Diskussion: Die trockene Einmischung hat einen deutlichen Plastizitätsverlust zur Folge. Mehr als der doppelte Druck ist notwendig, um die Kegelspitze vergleichbar tief einzupressen. Ton ist so nicht weiter zu verarbeiten.
Nass eingemischt, immerhin 30% Wasseraufnahme ohne das Wasserüberschuss vorhanden ist, macht den Ton mit Schamottezuschlag geschmeidig und gut verarbeitbar. Die Einmischung der Schamotte ist wesentlich leichter möglich. Die Homogenität der Probe wird früher erreicht.

Interessieren würden mich die Formeln und Tabellen des W. Gebauer.- Kann man die mal als Copy ins Forum stellen ? ...dann können Alle davon profitieren und ich muss vielleicht keine Versuche mehr machen :D

Liebe Grüße aus dem nicht besonders sonnigen Süden
Norbert, der Schnefler
Yaki
Beiträge: 75
Registriert: Donnerstag 7. Januar 2016, 13:09

Re: Schamotte anreichern

Beitrag von Yaki »

Hallo Norbert,
aus urheberrechtlichen Gründen darf ich hier sicherlich keine Kopie reinstellen.
Oder doch?
Gruß, Yaki
axolotl
Beiträge: 191
Registriert: Mittwoch 9. März 2005, 17:06

Re: Schamotte anreichern

Beitrag von axolotl »

Ja, sag ich doch. Mit Wasser gehts halt besser :lol:

Wenn du deine Masse ein paarmal angemischt hast, wirst du die Verhältnisse kennen, das kriegt man ins Gefühl.
Ist m.E. keine exakte Wissenschaft.
Grüße,

Alex
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