E-Öfen: worst case in Sachen Brennen?

Hier sollen Fragen und Probleme mit Brennöfen, egal ob Gas, Strom oder Holz, etc., gestellt und beantwortet werden.
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Töpfermobil
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E-Öfen: worst case in Sachen Brennen?

Beitrag von Töpfermobil » Donnerstag 25. Juli 2019, 16:09

Hallo, liebe Kolleginnen/-en,

ich habe mal eine Frage zum Brennen mit E-Öfen. Was kann der worst case sein beim Brennen, wenn die Steuerung funktioniert? Ich meine menschliches Versagen und dessen Einfluss auf den Brennvorgang.

Ich frage, da ich in einer Werkstattgemeinschaft arbeite, in der niemand 'den Hut aufhat' und oft genug unklar ist, was nun wieder passiert ist, wenn plötzlich Glasuren nicht mehr funktionieren, ein kleines Malheur im Ofen passiert ist usw.
Was kann schlimmstenfalls passieren, wenn z. B. die Ofentür nicht richtig geschlossen wurde, etwas gegen die Spiralen kippt / tropft (schwer zu bewerkstelligen, ich weiß, aber doch möglich) das Thermometer abbricht, niemand notiert es, es wird beim nächsten Setzen übersehen et cetera? Worst cases halt. 😣 Es gibt bestimmt noch andere 'schöne' Szenarien...

Welche Erfahrungen habt ihr (hoffentlich nicht) oder was kennt ihr vom Hörensagen?
Ich bedanke mich! 🙏

Maria Ortiz Gil
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Re: E-Öfen: worst case in Sachen Brennen?

Beitrag von Maria Ortiz Gil » Donnerstag 25. Juli 2019, 23:23

Hallo Töpfermobil,

Deine Frage mutet seltsam an. Es können sehr viele unterschiedliche „Unglücksfälle“ oder je nach dem auch Schäden durch bloße Unwissenheit, oder gar Dummheit entstehen, das kann man nicht zusammenfassen. Am schlimmsten wird es wohl sein wenn das Haus abbrennt während Leute unterm Dach schlafen.

Hier sind wir gerne bereit zu helfen, aber eine konkrete Antwort ist nur auf eine konkrete Frage möglich. Worum geht es dir eigentlich genau?

Vielleicht informierst du dich selbst umfassend über Brenntechniken, dann wirst du nach und nach einen Überblick über die Umstände bekommen und selbst Diagnosen stellen können.

Ein Vorschlag zum Selbstschutz könnte sein, dass Jeder in der Werkstattgemeinschaft seine Produkte selber brennt, anstatt sich den Ofenraum zu teilen. Dann ist auch jeder für das was er erzeugt allein verantwortlich. Auch für Schäden am Ofen.

Schönen Gruß
Maria

wolle
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Re: E-Öfen: worst case in Sachen Brennen?

Beitrag von wolle » Freitag 26. Juli 2019, 08:03

Hi,
"worst case" gibt es per Definition nur einen, alle anderen sind bestenfalls "almost worst cases".

Hier hat die Fantasie alle Freiheiten. Ich fange mal mit diesem Kettenmail an und hoffe auf ein rege Beteiligung ( :D Popcorn, Eis, Konfekt...)

--------------------------

Du klemmst Dir völlig besoffen die Finger in die Ofentür und Deine Kumpels schalten den Ofen an. Bis die das merken ist die halbe Hand verbrannt.

zusätzlich...

bekommt der Controller infolge der schlecht geschlossenen Ofentür zuviel Hitze ab, geht defekt und heizt bis zur Maximaltemperatur, die Glasur beginnt zu schmelzen und tropft auch auf die Reste Deiner Hand. Da es eine Bleiglasur ist wird Dir schwindlig und Du bekommst eine Vergiftung.

Als wäre das nicht schon genug....

gibt es ein Erdbeben, welches die schlecht gestapelte Keramik im Ofen -beinahe- umkippen läßt und die ersten heißen Teile fallen auf die Reste Deiner verbrannten Hand.

glücklicherweise....

schlägt der Blitz in den Ofen ein und schmilzt den Inhalt sofort fest, sodaß nichts mehr umfällt.

weiterhin....

Als Folge des Blitzschlags explodiert der Ofen 20 Sekunden später mit Krawall und hinterläßt einen Krater von 6 MeterTiefe. Dabei wird eine im Boden verlegte Starkstromleitung beschädigt, die Bleiglasur bleibt in Folge flüssig und vergiftet das Grundwasser.

Allerdings...

werden bei der Explosion auch Ofen und Gebäudeteile auf ein in Wartung befindliches Atomkraftwerk geschleudert, die Hülle bricht und radioaktiver Dampf kommt bis zu Deinem Krater.


...


jetzt seid Ihr dran. Bitte einfach ergänzen.

Gruß,
Wolfgang

Maria Ortiz Gil
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Re: E-Öfen: worst case in Sachen Brennen?

Beitrag von Maria Ortiz Gil » Freitag 26. Juli 2019, 14:41

HA, HAHAHA, HAHA, HAHA !!!!!
ich glaube, dass ich seit Jahren nicht mehr so gelacht hatte, das ist fies von mir, ich weiß, weil die lage wirklich ernst ist, denn die Leute die im brennenden Haus unterm Dach geschlafen haben konnten von Supermann zwar gerade noch gerettet werden, aber er hat sich dabei ein Bein gebrochen und konnte deshalb die Brennstäbe aus dem havarierten Kernkraftwerk nicht rechtzeitig raus bekommen, weshalb diese sich durch die Erdkurste bis in das Magma hineingeschmolzen haben. Das hat zu einer Worst-Radioaktiven-Megareaktion geführt, der Erdball ist explodiert, und hat ein Schwarzes Loch erzeugt, das jetzt die ganze Galaxis zu verschlingen droht!

Worst-Case-Alarm bei der Intergalaktischen Kongregation, die eine Untersuchungskommission gebildet hat, um die Ursache der Katastrophe fest zu stellen. Damit sich so etwas nicht wiederholen kann, hat man nach langen Verhandlungen ein Universal-Gesetz erlassen, das auf sämtlichen Planeten das Töpfern ohne Ausbildung strengstens verbietet! Es wurden spezialisierte Task-Forces geschult, dessen hart durchgreifende Agenten jeden krummen, über irgend einen flachen Gegenstand gezogenen Teller mit ungleichem Rand, besonders wenn ein Spitzendeckchen darin eingewalzt wurde, jede zu dicke Tasse mit schlecht angeklebtem Henkel und alle klumpigen Teelichte und Öllämpchen, Glöckchen und sogar die Vogeltränken erbarmungslos aufspüren und denjenigen der das produziert hat sofort festnehmen, wo er/sie zur ewigen Vereisung im Intergalaktischen Vereisungslager verurteilt wird, natürlich erst nach dem er/sie noch mehrere Lichtjahre in einer Glasurrohstoffmine schuften musste, und das ohne Atemmaske!

Furchtbar, oder?

wolle
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Re: E-Öfen: worst case in Sachen Brennen?

Beitrag von wolle » Freitag 26. Juli 2019, 16:27

Eine kleine Gruppe aufsässiger Töpfer wollte diese Bevormundung aber nicht hinnehmen und beschloss, die Aktivitäten der intergalaktischen Kommission aktiv zu untergraben.
Zu diesem Zweck erzeugten sie in großer Menge einfache, gegossener Keramiken (hauptsächlich Gießenten) und überschwemmten damit die Galaxis. Über die Zeit entwickelten sie ein mafiöses Netzwerk durch die Galaxis, welches von den ausgebildeten Töpfern regelrecht gefürchtet wurde. Die "Gießentenmafia" wurde sehr mächtig und beherrscht heute weite Teile der töpfernden Galaxis.

Das ist doch schon nahe am "worst case"?

Gruß,
Wolfgang

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Re: E-Öfen: worst case in Sachen Brennen?

Beitrag von atelierdgt » Freitag 26. Juli 2019, 19:15

Ihr seit super😂🤣😂👍👍👍👍
Gehört die Okarina Mafia auch dazu
Gruß Connie
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Bobbl
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Re: E-Öfen: worst case in Sachen Brennen?

Beitrag von Bobbl » Freitag 26. Juli 2019, 23:52

Die "Gießentenmafia" entstammt nicht der Zunft der Töpfer, hab ich zumindest so grob in Erinnerung, sondern eher der Arts and Krafts aus Leinburg. Ist ein hochsensibler und geschützter Begriff !

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Günter
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Re: E-Öfen: worst case in Sachen Brennen?

Beitrag von Günter » Samstag 27. Juli 2019, 12:52

Jetzt verarscht @töpfermobil doch nicht alle - ich berichte gerne von meinen Katastrophen, bezweifle aber, dass das zu Vermeidung hilft. Wenn da viele unkontrolliert an den Öfen rumwurschteln ... solltest du dir am besten einen eigenen Ofen anschaffen.
Nun gut: wenn der Kontroller funktioniert, sollte der Ofen auch abschalten, bevor er schmilzt. Genauso sollte er gar nicht angehen, wenn die Tür nicht zu ist - ob das funktioniert, kanst du aber selber prüfen. Ein ruiniertes Thermoelement sollte der Kontroller auch bemerken und streiken.
Katastrophe 1: Ofen total überfeuert weil jemand ein bisschen viel am Controller eingestellt hat. Alle Ware kaputt, vielleicht geschmolzen. Tut den Brennspiralen nicht gut....
Nr. 2: Glasur läuft/spritzt/ Ware an den Brennplatten angebacken, Brennplatten ruiniert, Spiralen oder Ausmauerung mit Glasurspritzern. Im Extremfall ein Glasursee auf dem Ofenboden, den du nur noch mit dem Meissel entfernen kannst.
Nr. 3: Ware explodiert und verteilt sich im ganzen Ofen, besonders natürlich in deinen glasierten Schüsseln etc.
Nr.4: Brennplatten durchgebrochen, weil falsch gestapelt oder zuviel Flachware wie dicke kacheln. Kann schon mal ein Dutzend Brennplatten auf einen Schlag vernichten (ist wirklich schon passiert).
Nr 5: sehr beliebt ist es, dass einer in einen 1250° Brand ein Gefäss aus schwarzem Manganton reinschmuggelt, das sich in wunderschöne Lava verwandelt
Das ist, was mir so auf die Schnelle einfällt.

Maria Ortiz Gil
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Re: E-Öfen: worst case in Sachen Brennen?

Beitrag von Maria Ortiz Gil » Samstag 27. Juli 2019, 17:53

Hallo Töpfermobil,

ich möchte im Nachhinein um Verzeihung bitten, dass da die Fantasie so mit mir durchgegangen ist, auch wenn es total Spaß gemacht hat. Das kommt vielleicht daher, dass man als Töpfer tatsächlich eine Menge Verantwortung, aber auch Sorge spürt, wenn man sich den Glutbatzen vorstellt, der da im Ofen bei Hochtemperatur vor sich hin schwelt, das erzeugt durchaus mal innere Spannung und wie man weiß, wird innere Spannung gerne mal durch Albernheit abreagiert.

Mir ist noch etwas eingefallen, das eurer Werktstattgemeinschaft helfen könnte, damit der Umgang mit dem Ofen ernster genommen wird. Du erwähntest, dass manchmal auch "vergessen wird auf zu schreiben". Ihr könntet vereinbaren, dass der jenige der auf zu schreiben vergisst eine Pauschale bezahlt, die auf jeden Fall etwas höher ist, als ein üblicher Brand kostet. Wenn es sich um das Aufschreiben des Verbrauchs handelt, dann braucht die Gemeinschaft das Geld sowieso um die Kosten zu decken, wenn es um allgemeine Details geht, dann könnte dieses Geld z.B. in einen Topf kommen, aus dem eventuelle Reparaturen oder sonstige Ofen-Investitionen bezahlt werden.

Das Problem wird sein, dass verantwortungslose Leute normalerweise keine Notwendigkeit sehen irgendwelche Absprachen zu treffen, geschweige denn sich überhaupt daran zu halten. Gemeinschaften entstehen oft aus Sympathie und in einer unernsten Laune, wir sind doch alle cool, und brauchen keine Regeln, nicht wahr? Solche Gemeinschaften sind wahrscheinlich zum Scheitern verurteilt, das sage ich aus leidiger Erfahrung. Leute, die sich nicht an Absprachen halten sind einfach keine guten Partner, auch wenn sie sonst toooootal nett und wo möglich noch hübsch sind, und deshalb sollte man sich andere Partner suchen und mit den tooootal netten einfach nur mal ein Bier trinken gehen. Ich glaube diese Trennung bringt einen weiter.

Wem gehört denn dieser Ofen? Der Eigentümer müsste doch das meiste Interesse haben, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Ist es dein Ofen? Dann solltest du niemanden fremden ran lassen, dem du nicht hundertprozentig vertrauen kannst.

Alles Gute
Maria

wolle
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Re: E-Öfen: worst case in Sachen Brennen?

Beitrag von wolle » Samstag 27. Juli 2019, 19:34

Hallo,
die Frage war aber auch zu ungenau gestellt :lol:

Und die Antwort auf das Problem ist einfach: lest die Gebrauchsanweisung! Und vielleicht noch ein Buch.

Wenn Ihr das alles theoretisch wisst, ist es ein Organisationsproblem und das müßt Ihr eben lösen.

Ansonsten kann wirklich quasi alles schief gehen, was man sich vorstellen kann.

Gruß,
Wolfgang

Danielache
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Re: E-Öfen: worst case in Sachen Brennen?

Beitrag von Danielache » Samstag 27. Juli 2019, 22:31

Ihr habt die Frage halt sehr sehr ernst genommen....

Aber ehrlich, so gelacht habe ich schon lange nicht mehr, vielen Dank dafür! :lol:

Töpfermobil
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Re: E-Öfen: worst case in Sachen Brennen?

Beitrag von Töpfermobil » Freitag 2. August 2019, 17:16

Hallo, Maria und Günter,

vielen Dank für eure Antworten und Gedanken dazu! ❤️ 👍

Ja, Maria, ich würde sagen, du hast das Problem sehr gut beschrieben bzgl. der Gemeinschaft:
Das Kernproblem ist tatsächlich, dass viele in der Werkstattgemeinschaft solche sicherheitsrelevanten Themen und insbesondere gewisse Sicherheitsvorkehrungen eher als lästig und übertrieben wahrnehmen, einen Horror vor (persönlicher) 'Kontrolle' haben (daher kommt bei Vorschlägen wie dem von dir, Maria, mit dem Pauschale-Bezahlen beim Vergessen des Aufschreiben sofort Gegenwind) und über allem der Anspruch einer (fast) reinen Hobbybeschäftigung steht. Was Sicherheit meiner Meinung nach zumindest ja erst recht nötig macht. Aber dem widerspricht der Anspruch auf 'Ungezwungenheit'. Etwas gehässig formuliert. Aber ich weiß im Gegenzug auch, was Werkstatt- und Gemeinschaftsblues bedeuten. 🙄
Da stehen sicher noch ein paar weitere Gespräche an aber mittelfristig ist (m)eine eigene Werkstatt natürlich unumgänglich, ich weiß.

Der Ofen gehört allen. Klar kann ich, wenn ich meine Stücke sammele, einen eigenen setzen und tue das auch. Aber es bleiben noch all die Brände, die mit weniger Gefühl/Wissen um die Sache (nach kurzer Einarbeitung) von teilweise absoluten Laien gesetzt werden. Deshalb meine Bedenken.
Da kommen mir so die Gedanken, was eigentlich so alles passieren kann.

@Günter: vielen Dank für die konkreten Beispiele!
Punkt 4 hatten wir noch nicht. Die anderen schon alle; den aufgekochten Manganton... 😂 Umgekippte Stücke während des Brandes auch. Zusammengeschmolzene Stücke ebenso. Ein abgebrochenes Thermostat gleichfalls. Und eine ungeschlossene Ofentür (Frontlader) im Glattbrand.

Da ist bislang keine Katastrophe wie Abbrennen der Bude passiert. Deine Beispiele klingen auch eher nach 'inner-oflichen' Katastrophen.

Danke, das beruhigt mich etwas. Die Ärgernisse bleiben zwar, sind aber hoffentlich bald für mich passé.
🙏

Maria Ortiz Gil
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Re: E-Öfen: worst case in Sachen Brennen?

Beitrag von Maria Ortiz Gil » Freitag 2. August 2019, 20:39

Hallo Töpfermobil,

mensch du, ich drücke dir die Daumen, dass du da bald weg kommst!
So wie du das beschreibst bleibt keine andere Lösung wenn du
anständig arbeiten können willst.
Wenn eine eigene Werkstatt noch nicht machbar ist, dann findest
du vielleicht aber eine vernünftigere Gemeinschaft mit
"Erwachsenen".

Viel Glück und schönen Gruß!
Maria

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