Bitte um Hilfe bei der Konstruktion eines Brennofens

Hier sollen Fragen und Probleme mit Brennöfen, egal ob Gas, Strom oder Holz, etc., gestellt und beantwortet werden.
Holzkopf
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Bitte um Hilfe bei der Konstruktion eines Brennofens

Beitrag von Holzkopf » Mittwoch 2. Oktober 2019, 22:23

Hallo zusammen.
Ein eigener Brennofen war schon länger mein Traum, um unabhängig von Anderen zu sein, bei welchen Temperaturen sie brennen, wann sie brennen und wie viel man noch irgendwo mit rein packen kann. Mit einem eigenen Ofen kann ich das machen wie ich will und brauche auch nicht immer die fragilen ungebrannten Sachen transportieren.
Einfach einen Elektroofen zu kaufen liegt außerhalb meiner finanziellen Möglichkeiten. Zum Glück habe ich ein eigenes Haus mit kleinem Garten, also genug Platz.
Mir schwebt ein gasbefeuerter Ofen vor und ich habe auch schon ein paar Ideen.
Im Grunde würde ich so etwas Ähnliches wie eine Rakutonne bauen, nur eben größer, besser isoliert und nicht aus Blech, sondern gemauert.
Als innere Schicht würde ich 5cm Keramikfasermatten nehmen. Ich habe eine 5cm dicke Matte mit 61cm Breite und 366cm Länge für 86€ gefunden. Damit wäre ein runder Brennraum mit 60cm Durchmesser und 60cm Höhe drin und es bliebe auch noch etwas zum Bau einer Gasesse übrig.
Im Prinzip würde ich das Ganze aus Hohlziegeln mauern und dann mit der Matte auskleiden. Hohlziegel isolieren ja auch recht gut, was den Gasverbrauch senken dürfte.
Den Ofen würde ich als Toploader bauen, weil es mir am Einfachsten erscheint. Als Deckel müsste ein Blech mit Keramikfasermatte herhalten.
Befeuern würde ich das Ganze mit einem Dachpappenbrenner.
Ich möchte mindestens 1100°C erreichen können, um eben nicht nur Raku brennen zu können, sonder auch Glasuren verwenden zu können, die einen höheren Schmelzpunkt haben.

Meine erste Frage: Hat das überhaupt Aussicht auf Erfolg?
Meine zweite Frage: wohin mit dem Kamin? Einfach ein Loch oben im Deckel, oder gibt es effektivere Möglichkeiten?

Vielen Dank schon mal für Anregungen und Kritik.

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Günter
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Re: Bitte um Hilfe bei der Konstruktion eines Brennofens

Beitrag von Günter » Mittwoch 2. Oktober 2019, 23:33

Ich möchte dich dringend bitte, von diesem dämlichen Plan ABSTAND ZU NEHMEN!!! MIT PROPANGAS SPIELT MAN NICHT! Ich kenn einige Leute, die sich mit solchen lächerlichen Konstruktionen in die Luft gesprengt haben - zumindest ihren Ofen, manche auch sich selbst. EIN DACHDECKERBRENNER HAT KEINE ZÜNDSICHERUNG! Wenn die Flamme durch einen Windstoss etc. ausgeht, bläst das Ding weiter Gas in den Ofen und dann reicht irgendein Funke und es macht BOOOOM.
Wenn du selber brennen willst, dann lass den schrottigen Brenner aus dem Baumarkt weg und heize anstatt mit Gas mit Holz! Da hast du zwar mehr Arbeit, aber auch wesentlich mehr Spass und es gibt keine Explosionen! Es hängt dann zwar von deinem Können ab, ob du die gewünschte Temperatur erreichst, aber genau solche Tonnen hab ich auch schon mit Holzfeuerung gebaut und wenn man oben ein Ofenrohr aufsetzt und wirklich trockenes Holz hast, dann kannst du auch die 1100°C erreichen.
Also, mach kein Scheiss, selber Keramik brennen ist toll. Aber nicht mit gefährlicher Billigtechnik.
Grüße vom Günter

Holzkopf
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Re: Bitte um Hilfe bei der Konstruktion eines Brennofens

Beitrag von Holzkopf » Donnerstag 3. Oktober 2019, 00:02

Der Ofen würde ohnehin nur unter permanenter Aufsicht laufen, von daher wäre eine Gas-explosion vermeidbar. Daneben sitzen, ein paar Bratwürste grillen und Bier trinken. Holz nachlegen wäre da kein Problem, mit Gas zu heizen war eben die einfachste Methode die mir einfiel.
Über Holzfeuerung hatte ich schon nachgedacht, aber ich hatte Bedenken, ob ich die nötigen Temperaturen erreiche und ob der ganze Rauch und die Asche mir nicht das Ergebnis versauen, gerade wenn mit Glasuren gebrannt werden soll. Ein Holzfeuer wäre in meiner Nachbarschaft kein Problem, nur habe ich gar keine Ahnung, wie man einen holzbefeuerten Brennofen baut. Da bräuchte ich Hilfe. Muss so ein Ofen nicht eine extra Kammer für das Feuer haben?

Edit: Komisch. Die Forensoftware zensiert offenbar das Wort Gas-Explosion, wenn man es ohne Bindestrich schreibt.

Ursula28
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Re: Bitte um Hilfe bei der Konstruktion eines Brennofens

Beitrag von Ursula28 » Donnerstag 3. Oktober 2019, 11:54

Hallo Holzkopf, ich habe einen gasbefeuerten Gasofen ( 250 Ltr.Inhalt ) für VB 400,- € ab zugeben.
Er steht bei mir schon einige Zeit ungenutz gut zugedeckt.
Vielleicht ist das was für Dich?
Gruß Ursula

Holzkopf
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Re: Bitte um Hilfe bei der Konstruktion eines Brennofens

Beitrag von Holzkopf » Donnerstag 3. Oktober 2019, 12:05

Das wäre vielleicht was für mich. Läuft der Ofen denn mit Propan und am Wichtigsten, wo steht er?

Ursula28
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Re: Bitte um Hilfe bei der Konstruktion eines Brennofens

Beitrag von Ursula28 » Donnerstag 3. Oktober 2019, 13:41

Hallo Holzkopf,
ich bin in Lich zu hause, bei Gießen. Meine Tel. 064044662. Der Ofen wurde mit Gasflaschen betrieben.
Gruß Ursula

Maria Ortiz Gil
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Re: Bitte um Hilfe bei der Konstruktion eines Brennofens

Beitrag von Maria Ortiz Gil » Freitag 4. Oktober 2019, 09:51

Hallo Holzkopf,
Wollen wir doch mal hoffen, dass Nomen in deinem Fall nicht Omen ist...
Ich bitte dich ebenfalls die Angelegenheit nicht zu unterschätzen und entsprechende Ehrfurcht vor einer bei 1100 Grad glühenden Brennkammer von 60 cm Durchmesser zu entwickeln.
5 cm dicke Fasermatte scheint mir dafür nicht geeignet, und zwar nur deswegen, weil sonst die von Profis gebauten Öfen auch damit auskommen würden. Dass das nicht so ist hat seinen wichtigen Grund.
Einen Deckel aus einem Stück Blech mit eben dieser dünnen Fasermatte der „herhalten“ muss, finde ich auch nicht verantwortbar. Was machst du, wenn er im entscheidenden Moment doch nicht herhalten tut?

Über die Gefahr mit dem Dachpappebrenner hat dir Günter schon geschrieben.

Hier mein Anliegen an alle Selfmade-Sparsamskeit-Abenteurer: geht bitte vorher irgendwo hin, wo ihr mehrere mal bei einem Gas- oder Holzbrand DIE GANZE ZEIT dabei sein dürft. Das sind ernste Angelegenheiten die viel Aufmerksamkeit, Kontrolle, und vor allem Erfahrung erfordern.
Möglich, dass all die Zentralheizungsgenerationen die Wirkung von Feuer kaum einschätzen können.

Schönen Gruß
Maria

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Günter
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Re: Bitte um Hilfe bei der Konstruktion eines Brennofens

Beitrag von Günter » Freitag 4. Oktober 2019, 19:58

Und übrigens: die Dachpappebrenner sind so nervig laut, dass du dich garantiert nicht gemütlich danebensetzen würdest - ausser mit Gehörschutz! Und da du den Bedienhebel AUS GUTEM GRUND nicht feststellen kannst, wirst du ihn blockieren, dann trinkst du dein Bierchen, siehst nicht hin, hörst nichts etc. etc. Ja, das ist worst case - aber alles schon passiert und wenn du irgendeinen Schaden anrichtest, dann zeigt dir die Haftpflicht die lange Nase.

Wir haben da übrigens einen Seminarleiter, den Stefan Jakob, der seit vielen Jahren zeigt, wie man aus einer Blechtonne mit Keramikfaser einen holzgefeuerten Brennofen baut - schau mal https://www.raku.ch/produkte-keramik/raku-ofen.php
Nicht ganz deine gewünschte Größe, aber mit Funktionsgarantie. Auf seiner Webseite gibts auch eine Anleitung.
Er hat auch immer wieder Seminare in Deutschland, nur wir haben nächstes Jahr kein Seminar bei ihm.

Mit Holz Keramik brennen funktioniert schon seit vielen tausend Jahren ... denk doch mal drüber nach. Ist auch noch viel billiger als alles andere.

Holzkopf
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Re: Bitte um Hilfe bei der Konstruktion eines Brennofens

Beitrag von Holzkopf » Montag 14. Oktober 2019, 11:47

Gut, Gas ist vom Tisch. Ich habe noch nie was von explodierenden Brennöfen gehört, aber ich vertraue da mal den Experten. Feuerholz habe ich ohnehin schon da.
Ich gehöre zwar zur Zentralheizungsgeneration, aber mein Haus hat keine. Fand ich bisher auch nicht notwendig. Ich heize mit Holz und Kohle.
Die Rakutonnen habe ich mir angeschaut, aber die sind mir zu klein. 1000°C werden mir auch nicht reichen für meine Glasuren.
1100°C sollten schon drin sein.
Die Keramikfasermatte wird bei den Rakutonnen ja gern genommen, oft nur mit einem Drahtgitter außen rum und nur 2,5cm dick.
Ich befürchte aber dass so eine Rakutonne zu schnell abkühlt, was ja auch nicht gut ist, wenn man nicht stark schamottierten Ton und keine speziellen Glasuren verwendet, oder?
Deshalb würde ich das Ganze ummauern, was zusätzlich isoliert und dafür sorgt dass die Temperatur nicht so schnell fällt.
Nun stellt sich die Frage wie die Kammer für das Feuer aussehen soll

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Re: Bitte um Hilfe bei der Konstruktion eines Brennofens

Beitrag von a.muenz » Montag 14. Oktober 2019, 14:27

Hallo,

ich empfehle dir folgende Bücher:

Building your own kiln, three japanese potters give advice and instructions.

oder

Brennofenbau, Stein für Stein, Schritt für Schritt. Joe Finch

Darin werden Gas- und Holzöfen unterschiedlichster Größe in einfach verständlichen Bauanleitungen beschrieben. Das sollte dir helfen.

Gruß,
Andreas

Holzkopf
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Re: Bitte um Hilfe bei der Konstruktion eines Brennofens

Beitrag von Holzkopf » Montag 14. Oktober 2019, 14:56

Ist da auch sowas Ähnliches drin wie das was ich vor habe?

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Re: Bitte um Hilfe bei der Konstruktion eines Brennofens

Beitrag von KTI » Dienstag 22. Oktober 2019, 16:42

Hallo Holzkopf,
es wird immer gerne "pauschal" über Keramikmatten gesprochen. Wenn Du auch Raku brennen möchtest, dann nimm auf keinen Fall eine AES Matte, sondern eine RCF Matte. Diese Matten sind allerdings eingestuft.

Ich habe gerade eine Wärmedurchgangsberechnung gemacht und komme, bei einer stationären Berechnung, mit 1100 °C Innentemperatur, 20 °C Außentemperatur bei einer Isolationsstärke von 250 mm auf eine Oberflächentemperatur von 93 °C. Wohlgemerkt habe ich die 160er Dichte gerechnet, nicht die üblichen 128 kg/m³ (160er haben eine bessere Isolierwirkung).

Es wäre aber noch zu überlegen, ob Du eine 1430er Faser verwendest, statt einer 1260er, da Du bei 1100 °C Dich schon im kritischen Bereich der Faser befindest (sie wird stärker schwinden).

Grundlegend kann ich Dir alle Produkte für den Ofenbau auch anbieten. Neben den ganzen Fasern haben wir auch Feuerleichtsteine, mikroporöse Dämmplatten und Mörtel. Bei Interesse sag einfach Bescheid.

Viele Grüße
Cyrill

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Re: Bitte um Hilfe bei der Konstruktion eines Brennofens

Beitrag von Holzkopf » Freitag 1. November 2019, 13:38

Über die Fasermatten hatte ich mich letzte Woche belesen, die scheinen nicht ganz unkritisch zu sein und ich bin mir nicht sicher, ob ich die wirklich einsetzen will. Feuerleichtsteine scheinen da sicherer zu sein. Leider sind die recht teuer, ich habe keine unter 3€/ Stück gefunden.

nuut
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Re: Bitte um Hilfe bei der Konstruktion eines Brennofens

Beitrag von nuut » Samstag 2. November 2019, 10:38

Moin,

ich habe einen, von einem Peter Olsen Entwurf im Keramiklexikon inspirierten, 150 Liter Faserofen gebaut. Im Entwurf handelt es sich um einen Holzofen, ich habe ihn aber als Gas/Holzkombination gebaut. Gefeuert habe ich ihn bisher nur mit Gas da mir der, für den Holzbrand erforderliche, 3 Meter lange Schornstein fehlt. Bei 10cm Faserstärke erreiche ich in 1,5h 1280°. Bei anschließender 2-3 stündiger Haltezeit um 1100° liegt der Verbrauch bei 5-6kg Propan pro Brand. Die Atmosphärensteuerung ist aber (noch) etwas heikel, 'learning by burning' halt. Mit Holz soll er 1300° in 1h erreichen können.
Die Faser ist mit einer Kaolin-Tonerdehydrat Mischung beschichtet, was die Faseremissionen reduziert.
Je nach Organisationstalent und handwerklicher Geschicklichkeit schätze ich die Kosten auf 300-500€, natürlich ohne Gasbrenner und Messtechnik. Ich hatte noch eine Menge Material vorrätig, darum kann ich die Kosten nicht genauer benennen.
Wichtig ist auch dass der Ofen mobil (auf Rollen) ist, da er sonst m.W. unter die Feuerstättenverordnung fällt. Das schließt das Mauern mit Hohlziegeln evtl. aus.

LG Ralf

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Re: Bitte um Hilfe bei der Konstruktion eines Brennofens

Beitrag von Holzkopf » Sonntag 3. November 2019, 12:28

Mauern ist aus meiner Sicht kein Problem, denn §1 der Feuerstättenverordnung in NRW besagt:
Für Feuerstätten, Wärmepumpen und Blockheizkraftwerke gilt die Verordnung nur, soweit diese Anlagen der Beheizung von Räumen oder der Warmwasserversorgung dienen oder Gas-Haushalts-Kochgeräte sind. Die Verordnung gilt nicht für Brennstoffzellen und ihre Anlagen zur Abführung der Prozessgase.
Brennöfen fallen also nicht darunter.
Den Temperaturanstieg müsste man irgendwie manuell regeln, bei so einer kurzen Aufheizzeit würde bestimmt alles platzen was nicht stark schamottiert ist.
Bei den Preisen für einen richtigen Gasbrenner käme man mit dem Material auch schnell in die Preisregion gebrauchter Elektroöfen.
Eine schwierige Entscheidung.
Die Fasermatte zu beschichten ist allerdings eine gute Idee. Das dürfte die Sache sicherer und haltbarer machen.

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