RISS BEIM GLASURBRAND

Diese Rubrik ist für alle die noch ganz neu zum Thema Ton gekommen sind und Hilfe bei den absoluten Basisthemen benötigen.
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Aengel
Beiträge: 2
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RISS BEIM GLASURBRAND

Beitrag von Aengel » Mittwoch 11. September 2019, 18:01

Hallo an alle Lesenden, nachdem ich mich hier tagelang durchgearbeitet habe, kann mir vielleicht jemand direkt helfen. Folgendes Problem: grosse, flache Stücke, wie ZB ein Vögelbad, Teller und nun ein ca 30cm grosser Fisch haben nach dem Glasurbrand einen klaffenden Riss. Ich brenne mit einen Pyrotec Ofen mit bentrup T C 44 Steuerung bei 1050 Grad. Glasur dementsprechend. Verarbeitet wurde immer ein ziemlich fetter Ton,(25% Schamotte, feinste Körnung). die Sachen auf Stützen gestellt und ganz unten im Ofen. Schrühbrand alles perfekt. Feuchtigkeit und Lufteinschlüsse fallen auch aus, da bin ich sehr gewissenhaft. Sollte ich mageren Ton nehmen, direkt die Sachen auf die Einlegeplatte legen und höher im Ofen platzieren. Die Risse kommen nur bei großflächigen, flachen Sachen. Alles andere wird perfekt.. Danke schon mal für Eure Tipps. LG :roll:

Maria Ortiz Gil
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Re: RISS BEIM GLASURBRAND

Beitrag von Maria Ortiz Gil » Donnerstag 12. September 2019, 21:53

Hallo Aengel,

bei schweren Stücken mit einer großen Auflagefläche behindert das Eigengewicht die Schwindungsbewegung. Die Sachen müssen während des Brandes "wandern" können, sonst wollen sie kleiner werden, können nicht weil sie nicht vom Fleck kommen, und reißen deshalb irgendwo ein.
Dagegen hilft etwas Quarzsand gleichmäßig drunter gestreut. Das ist besser als die Stützen, denn die haken sich mit ihren spitzen Beinchen an der Ofenplatte fest. Die Sandkörnchen rollen mit und ermöglichen die Schwindung. Durchgesiebter Sandkastensand geht aber auch, wenn man eh grobe Sachen brennt. Der allerdings kann noch einige organische Bestandteile beinhalten die am Anfang des Brandes vielleicht ein Wenig Qualm und Gestank verursachen. Den Sand kann man da wo das Stück liegen soll aufhäufeln und vorsichtig mit einem Spachtel oder ähnlichem verteilen.
Vorsicht aber mit Sand auf oberen Ofenplatten, er rieselt gerne in weiter unten stehende Stücke und schmilzt mit der Glasur fest. Man kann noch so aufpassen, manchmal fliegen kleinste Körnchen auch einfach durch die Hitzeströmung im Ofen herum und landen wo sie nicht sollen.

Bei 25 % Schamotteanteil ist ein Ton übrigens nicht mehr wirklich fett. Der ist für den Zweck den du beschreibst durchaus in Ordnung.

Schönen Gruß
Maria

Aengel
Beiträge: 2
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Re: RISS BEIM GLASURBRAND

Beitrag von Aengel » Freitag 13. September 2019, 10:58

Danke Maria, so waren auch meine Überlegungen. Den Quarzsand habe ich gestern schon gekauft und werde heute nochmal den Fisch fertigen. Das ich bei dem etwas fetterem Ton bleiben kann, freut mich sehr. Der Riss ist eindeutig beim Abkühlen entstanden. Scharfkantig und auch keine Glasur ist eingelaufen. Bewegt sich denn der Ton auch beim Abkühlen so dermaßen? Hab leider kein Schauloch im Ofen, kann das also nicht so beobachten. Aber das mit den spitzen Unterstellfussen leuchtet mir ein... Ein wundervoller Wochenende wünscht Angela

Ursula28
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Re: RISS BEIM GLASURBRAND

Beitrag von Ursula28 » Samstag 14. September 2019, 13:10

Hallo , ist denn klar, ob es sich um einen Trocknungsriss oder um einen Brennriss handelt. Vor dem Schrühen kannst du deine Arbeit mit Spiritus bepinseln, da wo eine Linie sichtbar ist ist bereit ein Riss vorhanden. Du sagst, du verwendest fetten Ton ( Masse ) , die ist besonders empfindlich beim trocknen . Du brauchst eine magere Masse. Wenn die Masse 25% Schamotte enthält ist sie nicht fett. Von welcher Masse reden wir also?
Fett oder Mager???
Vielleicht mußt du die Werke besonders langsam aufheitzen, so mit 50°C / Std. bis 120^C.
Oder stellst due eine vorgegebene Brennkurve ein, die meistens nicht ausreichend für langsames Aufheizen.
Gruß Ursula

Laborfuerdesign
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Re: RISS BEIM GLASURBRAND

Beitrag von Laborfuerdesign » Sonntag 15. September 2019, 02:00

Wenn die Risse so wie von dir beschrieben scharfkantig und glasurfrei sind, dann würde ich den Ton wechseln. Das mit dem Quarzsand ist eine tolle Lösung, wird dir in diesem Fall aber nichts bringen. Deine Stücke überleben wahrscheinlich den Quarzsprung beim Abkühlen nicht (obwohl, du brennst eigentlich recht niedrig) oder reißen schon früher auf dem Weg nach unten. Du hast geschrieben 25% feinste Schamotte, also 0,2mm? Das währe ja fast noch Drehton. Ich würde eine richtige Aufbaumasse nehmen, den 474 von G&S z.B. kriegt so schnell nichts klein. Solche Massen sind allerdings doof zu glasieren, auch wenn man die Oberflächen erstaunlich glatt kriegt. Und dicht werden sie natürlich auch nicht. Das ist leider ein Kompromiss.

Oder du probierst mal folgendes, lass den Brand ganz normal laufen. Warte, bis der Ofen auf 850°C abgekühlt ist, dann drücke Stop und programmiere eine neue Brennkurve. Erst beliebig schnell hoch auf 855°C (die erste Rampe muss ja immer nach oben gehen), keine Haltezeit, dann mit 50°C/h runter auf 250°C, keine Haltezeit und aus. Das würde deinen Brand um 10 Stunden verlängern, aber der extra Stromverbrauch währe wahrscheinlich erträglich. So ein Toplader kühlt halt sehr schnell aus, und dieses "Runterheizen" würde dem entgegenwirken. Ich hab die Steuerung TC 405 und mache das auch immer so, aber aus anderem Grund. Das einzige was passieren kann, manche Glasuren (vor allem solche mit viel Eisen oder Calcium/Magnesium) können sich stark verändern, wenn sie im Bereich um die 800°C langsam gekühlt werden. Die Veränderungen sind aber meistens positiv :-) Einen Versuch währe es wert.

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