brenntemperatur

Diese Rubrik ist für alle die noch ganz neu zum Thema Ton gekommen sind und Hilfe bei den absoluten Basisthemen benötigen.
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goofys100
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brenntemperatur

Beitrag von goofys100 » Montag 3. April 2006, 19:11

da ich mich mit ton nicht gut auskenne stelle ich diese fragen ...
Wie verändert sich der ton mit der brenntemperatur??
ich will trommeln brennen daher sollten sie einiges aushalten , was wäre da die beste temperatur ??
Vielen dank im voraus...........mfg Markus

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Günter
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Beitrag von Günter » Montag 3. April 2006, 19:24

lieber markus, ton ist nicht gleich ton! wenn du käuflichen ton aus der tüte verwendest, sollte die brenntemperatur auf der verpackung stehen oder du mußt denjenigen fragen, der/die dir den ton verkauft haben. allgemein gilt: je höher gebrannt, desto dichter, desto fester. allerdings nur bis zu einer bestimmten grenze, dann wird ton wieder weich und beginnt zu schmelzen.

goofys100
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Beitrag von goofys100 » Montag 3. April 2006, 19:33

danke Günter !!!
stimmt es das ich die form 2x mal brennen sollte???
und nach dem ersten mal brennen die form glasieren kann??
Danke

Abrasol
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Beitrag von Abrasol » Mittwoch 5. April 2006, 10:59

Also goofy, ein guter Meister hat sehr viel Geduld mit dem Lehrjungen - und auch mit den Gesellen ist er noch nachsichtig. Und es gibt viel zu lernen in der Werkstatt - man lernt nicht sonderlich viel beim Werkstattkehren und Ton einstampfen... aber trotzdem muß Eins nach dem Anderen gelernt werden....

Wenn du den Schreinermeister ohne Vorkenntnisse, und ohne je einen Hobel in der Hand gehabt zu haben, fragst wie eine fein gemeißelte, ovalförmige Barrockvitrine von 2,30m Höhe gemacht wird, wird er den Kopf schütteln. Und vielleicht wird er dir ein Stück Sperrholz und eine alte Laubsäge zum Abschied schenken... :roll:

Also, ich rate dir deine Pläne erst einmal aufzuschieben und dir erst einmal ein gewisses Basiswissen anzueignen, - ohne dies du nicht weiter kommen kannst. Du wirst permanent bei jedem weiteren Schritt, immer nur den Kopf voller neuer Fragen haben - und somit eventuell nie dort ankommen wo du denkst. Denn bei der Praxis wird es nicht anders sein als bei der Theorie, deine 'ungeschulten' Hände, bzw. dein ganzer Körper wird nie genau wissen was sie zu tun haben! Glaube mir ganz einfach 8)

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Milan
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Beitrag von Milan » Mittwoch 5. April 2006, 12:14

Es gibt da ein ganz tolle Buch für den Anfang:

Gustav Weiss - Freude an Keramik

ist auch nicht teuer und beantwortet erst einamal alle Deine Fragen
[img]http://www.milan-keramik.de/L.jpg[/img]
www.milan-keramik.de

nicht mehr angemeldet

Beitrag von nicht mehr angemeldet » Freitag 7. April 2006, 12:14

Hallo Markus,
Nur mal ganz kurz, brauchst du kein ganzes Buch zu lesen -
bis 150 °C wird das mechanisch gebundene Wasser aus dem Ton abgegeben, d.h. du musst bis dahin die Temperatur ganz langsam erhöhen -
150 - 400°C verbrennen die organischen Bestandteile, die Bildsamkeit geht verloren und die Porosität nimmt zu, du kannst schneller mit der Temp. hochfahren -
400 - 600 °C musst du vorsichtig sein, denn bei 575 °C erfolgt der sogenannte Quarzsprung, langsam brennen, sonst können Risse auftreten -
500 - 600 °C wird das chemisch gebundene Wasser abgegeben und die Tonsubstanz zerfällt zu gebranntem Kaolin, Porosität nimmt weiter zu, die Festigkeit verringert sich, geringer Temperaturanstieg -
Nach 800°C langsame Verfestigung, erste eutektische Schmelzen -
Wenn alle gasförmigen Zersetzungsprodukte ausgebrannt sind, kann dieser sogenannte Schrühbrand beendet werden, das ist je nach Tonzusammensetzung zwischen 900 und 980 °C der Fall -
Dann kannst du glasieren und ein zweites Mal brennen (kannst schneller hochfahren und musst nicht mehr so vorsichtig sein), dafür musst du die Temperatur in Erfahrung bringen, bei der deine Masse höchstens gebrannt werden darf, die solltest du keinesfalls überschreiten, weil sonst das Gefäss weich wird und dir beim Brand in die Knie geht -
Für Trommeln würde ich so hoch brennen wie möglich und dein Ton es verträgt, desto höher ist die Festigkeit -
ab 950°C beginnt nämlich eine langsdame Verdichtung der Masse, das sogenannte Sintern und die Tonsubstanz zerfällt zu Mullit - so zwischen 1000 und 1100°C, je nach Masse -
Bei Steinzeug noch später, es ist erst um die 1200°C gesintert und somit wasserdicht - man hört das auch am Klang, wenn man an das gebrannte Stück klopft
Okay?
Ich hoffe, ich konnte dir helfen! :)

Abrasol
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Beitrag von Abrasol » Freitag 7. April 2006, 13:55

Hi again,

Naja es ist wohl nicht so dass hier Jemand mit informationen 'knikern' will (und ich ganz sicher nicht), bloss dass ich befürchte dass Freund goofys100 einen deut zu pragmatisch an dieSache herangeht und die Etappen überspringt.

Und die gutgemeinte und korrekte Erklärung des Brennvorgang, der Diplomingenieurin ist eventuell nicht pragmatisch genug.

Ich würde, und ich habe bereits große persische Trommeln gedreht und gebrannt, - die Dinger ganz und gar nicht bis an die Schmerzgrenze brennen, sondern nur so hoch bis sie anfangen zu sintern. Falls in Steinzeug (ich hatte damals niedrig brennenden Ton benutzt, genau genommen Manganton von Jäger und bei ca. 1080 gebrannt), genau 1200 und eventuell (diese Temperatur) etwas länger halten um das Sintern zu sichern. Einen deut zu hoch gebrannt und sie könnten sich verziehen! Was mir bei den persischen Trommeln, die in Form und Grösse den Djembes (die goofys100 z.B. unter Anderem bauen will) ganz ähnlich sind. Für das Bespannen sind auch geringe Abweichungen der Form (besonders des oberen Randes) nicht gerade förderlich, das dürfte einleuchten.

Und so könnte es goofys100 z.B. passieren dass er mit kleineren Trommeln zu experimentieren anfängt und relativ hoch brennt. Bei kleineren Trommeln (die dann auch nicht so schwer sind), treten dann möglicherweise keine Verformungen auf. Aber wenn er die ganz grossen Dinger zu brennen beginnt, ist es trotzdem möglich dass sie sich mehr oder weniger stark verziehen und am Ende unbrauchbar sind!

Andererseits würde ich mit verschiedenen Tonarten experimentieren, auch bei niedrigen Temperaturen. Darbukas und diese persischen Trommeln (TONBAKS) werden beisspielw. traditionell in Holzöfen und bei recht niedrigen Temperaturen gebrannt. Es könnte sein dass sie, wenn aus Steinzeug hergestellt und hoch gebrannt werden, zu hell und nicht warm genug klingen. :wink:

Siehe auch hier: http://www.toddgreen.com/percussion.html und hier http://www.kayvansaket.com/Tonbak.htm

Diana
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Beitrag von Diana » Freitag 7. April 2006, 15:34

@ Ulrike

Du hast es ganz toll erklärt. Ich als Hobbytöpferin wusste zwar, dass ich die Temp. beim Schrühbrand ganz langsam hochfahren muss, aber warum und was in den verschiedenen Temp-Bereichen passiert wusste ich nicht.
DANKE!

Winke, Diana

Kugelblau
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Re:

Beitrag von Kugelblau » Donnerstag 13. Februar 2020, 21:21

nicht mehr angemeldet hat geschrieben:
Freitag 7. April 2006, 12:14
Hallo Markus,
Nur mal ganz kurz, brauchst du kein ganzes Buch zu lesen -
bis 150 °C wird das mechanisch gebundene Wasser aus dem Ton abgegeben, d.h. du musst bis dahin die Temperatur ganz langsam erhöhen -
150 - 400°C verbrennen die organischen Bestandteile, die Bildsamkeit geht verloren und die Porosität nimmt zu, du kannst schneller mit der Temp. hochfahren -
400 - 600 °C musst du vorsichtig sein, denn bei 575 °C erfolgt der sogenannte Quarzsprung, langsam brennen, sonst können Risse auftreten -
500 - 600 °C wird das chemisch gebundene Wasser abgegeben und die Tonsubstanz zerfällt zu gebranntem Kaolin, Porosität nimmt weiter zu, die Festigkeit verringert sich, geringer Temperaturanstieg -
Nach 800°C langsame Verfestigung, erste eutektische Schmelzen -
Wenn alle gasförmigen Zersetzungsprodukte ausgebrannt sind, kann dieser sogenannte Schrühbrand beendet werden, das ist je nach Tonzusammensetzung zwischen 900 und 980 °C der Fall -
Dann kannst du glasieren und ein zweites Mal brennen (kannst schneller hochfahren und musst nicht mehr so vorsichtig sein), dafür musst du die Temperatur in Erfahrung bringen, bei der deine Masse höchstens gebrannt werden darf, die solltest du keinesfalls überschreiten, weil sonst das Gefäss weich wird und dir beim Brand in die Knie geht -
Für Trommeln würde ich so hoch brennen wie möglich und dein Ton es verträgt, desto höher ist die Festigkeit -
ab 950°C beginnt nämlich eine langsdame Verdichtung der Masse, das sogenannte Sintern und die Tonsubstanz zerfällt zu Mullit - so zwischen 1000 und 1100°C, je nach Masse -
Bei Steinzeug noch später, es ist erst um die 1200°C gesintert und somit wasserdicht - man hört das auch am Klang, wenn man an das gebrannte Stück klopft
Okay?
Ich hoffe, ich konnte dir helfen! :)

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