Mein Sohn möchte Töpfern

Diese Rubrik ist für alle die noch ganz neu zum Thema Ton gekommen sind und Hilfe bei den absoluten Basisthemen benötigen.
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Crimmitschawa
Beiträge: 5
Registriert: Dienstag 9. Oktober 2018, 19:56

Mein Sohn möchte Töpfern

Beitrag von Crimmitschawa »

Hallo ihr Lieben!

Mein Sohn wird bald 12 Jahre alt und bekommt zum Geburtstag eine schon lang gewünschte Töpferscheibe. Vor einer Weile hat er begonnen, Ton in der Umgebung zu sammeln und bei der Töpfer AG zu verarbeiten. Er hat sich auch eine Töpferei gesucht, bei der er einen Tag verbringen und sich an der Töpferscheibe ausprobieren konnte.
Da ich mich auf dem Gebiet der Tonverarbeitung gar nicht auskenne, brauche ich etwas fachkundige Hilfe.
Was braucht mein Sohn sinnigerweise, um mit der Arbeit an der Scheibe beginnen zu können?
Ich mache mir hauptsächlich Gedanken über all den angematschten Ton, den er bei seinen Drehversuchen produzieren wird. Wie bekommt man den wieder trocken um ihn nochmal verwenden zu können? Einfach auf einem Holzbrett liegen lassen?
Da mein Sohn selbst keine gute Strukturierung seiner Arbeitsschritte und Arbeitsumgebung schaffen kann braucht er dabei Unterstützung. Sowas wie eine Arbeitsstrecke und Reihenfolge, die er einhalten kann. Um mit ihm sowas entwickeln zu können muss ich erstmal wissen, was überhaupt gebraucht wird.
Ich hatte mir das schon mal so gedacht:
Lager für Ton, Holzbank/Brett um Ton zu kneten, Scheibe mit Wasserbehälter und Modellierwerkzeugen, Schlickertopf, Wassereimer zum Hände waschen, Ablage (was genau) für nassen Ton, Ablage für fertige Arbeiten.
Passt das so erstmal? Was fehlt noch?

Ich danke schon mal im Voraus für die Hilfe und wünsche einen schönen Abend!
LG
Crimmitschawa

Migla
Beiträge: 419
Registriert: Montag 26. Dezember 2011, 21:27
Wohnort: Wuppertal

Re: Mein Sohn möchte Töpfern

Beitrag von Migla »

Hallo, hilfreich sind ein paar Gipsplatten, auf denen die Masse zum dehydrieren ausgelegt werden kann, bis sie wieder plastisch ist. Kann man in einem Rahmen selbst Gießen,4-5cm stark; Gipsscheiben zum abstellen nasser Objekte, können auf dem Boden von Kunststoffschüsseln gegossen werden; Drehschwämme, Drehschienen, Schneidedraht. Evtl. Stichmaß. Breiter Spachtel mit Griff. Die Scheibe sollte kein Spielzeug sein, sondern schon eine echte Maschine. Wenn die nicht passt ist Frust angesagt und die Brocken fliegen schnell in die Ecke.

Crimmitschawa
Beiträge: 5
Registriert: Dienstag 9. Oktober 2018, 19:56

Re: Mein Sohn möchte Töpfern

Beitrag von Crimmitschawa »

Hallo!
Ah, Gips leuchtet ein! Gipsplatten kann ich gießen, das ist kein Problem.
Ich habe eine HSL Junior Töpferscheibe gekauft. Die sollte ok sein und nicht mehr zu den Spielzeugen zählen. Hoffe ich bei dem Preis zumindest 😁 Für den Anfang habe ich so ein Set Modellierwerkzeuge gekauft. Da sind ein Draht, Schwamm und ein paar andere Sachen drin. Spachtel nun nicht, aber sowas kann ja noch besorgt werden.
LG

Migla
Beiträge: 419
Registriert: Montag 26. Dezember 2011, 21:27
Wohnort: Wuppertal

Re: Mein Sohn möchte Töpfern

Beitrag von Migla »

Modellgips/Alabaster aus dem Baustoffhandel, keinen Stuckgips/viel zu weich. 40:60 Wasser/Gips

Maria Ortiz Gil
Beiträge: 353
Registriert: Dienstag 1. März 2016, 13:14

Re: Mein Sohn möchte Töpfern

Beitrag von Maria Ortiz Gil »

Guten Tag,

hier einige Gedanken bezüglich der Strukturierung.
Es ist rührend, dass ein so junger Mensch so viel Interesse für das Töpferhandwerk aufbringt. Das Lernen an der Drehscheibe ist allerdings mit dem Erlenen eines Musikinstruments zu vergleichen. Anfangs sind Entäuschungen nicht zu vermeiden, besonders wenn keine fachkundige Unterstützung vorhanden ist. Es ist zu befürchten, dass der Junge nach einigen Versuchen die Begeisterung verliert und die Investition umsonst war. Das sollte man ihm nicht anlasten, da es vielen Erwachsenen genau so geht.

Eine Voraussetzung für leichteres Drehen ist auf jeden Fall der gut dafür vorbereitete Ton, der Klumpen auf der Drehscheibe sollte gleichmäßig weich sein, nicht zu weich und nicht zu hart. Dafür sollten Sie sich vielleicht beim Töpfer noch mal Ratschläge holen, da der Ton aus den Packungen nicht immer homogen ankommt. Ansonsten wird es noch schwieriger und frustrierender als es Anfangs sowieso schon ist.

Zum Töpfern gehört übrigens sehr viel Aufräum- und Putzarbeit, wenn man nicht irgendwann in einer Tonverkrusteten Umgebung sein will. Auch dieses Thema hilft einem jungen Menschen Strukturierung zu finden. Vorsicht auch mit dem Drehschlicker, der sich in der Auffangwanne sammelt. Wird er nicht rechtzeitig beseitigt, steigt er an und kann die Achse beschädigen.

Sonst braucht man nicht viel: Einen Schlickertopf voll Wasser, ein weiches Schwämmchen, eine gerade und eine runde Töpferschiene um den Schlicker ab zu tragen, sonst kann man das glitschige Gefäß nicht von der Scheibe nehmen (z.B. aus einer alten Kreditkarte), einen Abschneidedraht (Nylonfaden, nicht länger als der Durchmesser des Scheibenkopfes, mit zwei kleinen Holzstückchen an den Enden), eventuell einige Brettchen um die Ware in einem Regal ab zu stellen, eine Schürze und ein altes Handtuch.
Am wichtigsten aber ist die Unterweisung. Man stelle sich einfach vor, die Töpferscheibe sei eine Geige.

Schönen Gruß
Maria

Andreas33
Beiträge: 112
Registriert: Sonntag 19. September 2010, 18:43

Re: Mein Sohn möchte Töpfern

Beitrag von Andreas33 »

Er hat sich auch eine Töpferei gesucht, bei der er einen Tag verbringen und sich an der Töpferscheibe ausprobieren konnte.
Das wäre das Sinnvollste, dass er sich dort immer wieder erkundigen kann, wo er schon Erfahrungen gesammelt hat. Der Vergleich mit dem Musikinstrument ist ganz gut, finde ich. Man kann auch mal lange alleine üben und experimentieren, aber ohne Anleitung wird es frustrierend.

Crimmitschawa
Beiträge: 5
Registriert: Dienstag 9. Oktober 2018, 19:56

Re: Mein Sohn möchte Töpfern

Beitrag von Crimmitschawa »

Nochmals vielen Dank für die Hilfe!
Inzwischen hat mein Sohn noch ein Praktikum in einer anderen Töpferei gemacht. Er hat einen guten Draht zu dem Töpfer und darf jederzeit um Rat fragen.
Die ersten Drehversuche an der eigenen Scheibe verliefen schon ganz gut.
Der Hinweis, alles gleich wieder zu reinigen, ist sehr gut. Mein Sohn hat selbst bemerkt, wie störend eine chaotische Werkstatt sein kann. Das möchte er vermeiden.
Den Vergleich mit einem Musikinstrument finde ich sehr passend! Wir werden regelmäßige Übungszeiten in die Routinen implementieren. Einzig dir Vor- und Nachbereitungszeit könnte hier unter der Woche ein Problem darstellen. Doch ich denke, das lässt sich alles einrichten.
Ich wünsche allen hier besinnliche Feiertage!
LG
Crimmitschawa

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