Steingut dicht brennen

Diese Rubrik ist für alle die noch ganz neu zum Thema Ton gekommen sind und Hilfe bei den absoluten Basisthemen benötigen.
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Hildeking
Beiträge: 10
Registriert: Montag 1. Juli 2019, 17:18
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Steingut dicht brennen

Beitrag von Hildeking »

Hallo Ihr Kalkspatzen,
es fällt mir ein wenig schwer diese Frage zu stellen, aber ich habe einfach in den paar Büchern über Keramik, die ich besitze und ebenfalls im Internet keine für mich zufriedenstellende Antwort gefunden:

"Warum kann man einen Steingutton durch Temperaturerhöhung nicht zum Sintern bringen?"

Ja, der Ton setzt sich etwas anders zusammen und ist im gebrannten Zustand poröser.
Die Unterschiede in der Zusammensetzung sind jedoch recht gering. Die Materialschwindung verhält sich auch nicht großartig anders als bei Steinzeugton oder Porzellan.

Da ich aus dem Bereich Maschinenbau komme, versuche ich natürlich immer mir solche Dinge ähnlich wie bei Metallen vorzustellen. Dort gibt es auch das "Sinterverfahren", um Metalle miteinander zu verbinden. Dabei wird ein mehr oder weniger feiner Metallstaub durch pressen unter hohem Druck so stark verdichtet, dass vereinzelte Moleküle so dicht aneinander gedrückt werden, dass sie nahezu mit einander verschweißt werden. Der Vorteil solcher Sintermetalle ist die "porösität" und die damit verbundene Möglichkeit zur Aufnahme von Schmierstoffen, welch dann zur wartungsfreien Lagerung Verwendung finden.

Jetzt stelle ich mir Steingut ähnlich wie so ein Sintermetall vor. Durch die Wärme beim Brennen gehen die "Spitzen" der Kristalle in den flüssigen Zustand über und werden quasi miteinander verschweißt. Beim Steinzeug hingegen werden aufgrund der höheren Temperaturen mehr dieser Kristalle miteinander verschmolzen und die übergebliebenen Kapillare sind zu dünn bzw. zu kurz, um Wasser aufzunehmen, also dicht.

Wo liegt mein Denkfehler?

Stefan

axolotl
Beiträge: 172
Registriert: Mittwoch 9. März 2005, 17:06

Re: Steingut dicht brennen

Beitrag von axolotl »

Hallo,
Meiner Erfahrung nach kann man nahezu jede Masse dichtbrennen, ABER nicht jede behält dann auch ihre Form. Bei manchen ist der Intervall zwischen "dicht" und "schmilzt" so eng, das es unmöglich ist ihn genau zu treffen. Beim Steingut spielt aber auch der hohe Kalkgehalt eine Rolle - hab ich jetzt chemisch grade nicht parat, aber es ist dasselbe wie bei den Kalkspatzen.

Hildeking
Beiträge: 10
Registriert: Montag 1. Juli 2019, 17:18
Wohnort: Norddeutschland

Re: Steingut dicht brennen

Beitrag von Hildeking »

Hallo axoloti,
danke für deine Antwort!
Ich werde einfach mal einen Kegel Steingut probehalber mit ˋnem PTCR-Ring bei verschiedenen Temperaturen brennen. Ist zwar viel Aufwand und der Stromlieferant wird sich auch freuen, aber so kann ich auch gleich mal ein paar Glasuren und die Temperatursteuerung vom Ofen testen. Ich glaub´ sowieso, dass der Ofen viel zu heiß brennt.
Wenn das Ding in die Luft geht, sage ich Bescheid.

Migla
Beiträge: 420
Registriert: Montag 26. Dezember 2011, 21:27
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Re: Steingut dicht brennen

Beitrag von Migla »

Hallo, die Schwindung wird umgekehrt, die Form deformiert und wächst, die Stärke der Wandung wird vervielfältigt, der Scherben bläht auf, schäumt auf, sieht aus wie ein glasierter Feuerleichtstein, sinkt auf der Unterlage zusammen und zerläuft zu einer durchdringenden Pfütze, einem glänzenden See.
Gruß migla

axolotl
Beiträge: 172
Registriert: Mittwoch 9. März 2005, 17:06

Re: Steingut dicht brennen

Beitrag von axolotl »

Hallo,
Ja, genau das wird passieren. Ich hielt das auch eher für eine theoretische Frage..Warum willst du denn ausgerechnet Steingut dicht brennen? Steingut ist entwickelt worden, um möglichst bunte Bemalungen in niedrigem Temperaturbereich brennen zu können (bei ausreichender Festigkeit des Scherbens). Wenn du es dicht haben willst, nimm Steinzeug oder Porzellan. Ich glaube im Übrigen auch nicht, das man Metallverarbeitung mit Töpferei vergleichen kann. Hier spielen chemische Prozesse eine große Rolle. Was du beschreibst, hört sich für mich eher mechanisch an.
Grüße,
Axl

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