Glasur wird nach dem Anrühren steinhart

Diese Rubrik ist für alle die noch ganz neu zum Thema Ton gekommen sind und Hilfe bei den absoluten Basisthemen benötigen.
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thomasb
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Glasur wird nach dem Anrühren steinhart

Beitrag von thomasb » Freitag 7. Februar 2020, 18:06

Hallo zusammen,

ich habe bisher hauptsächlich mit Fertigglasuren von Botz glasiert. Jetzt habe ich auch mal eine aus Pulver von Kraft angerührt und das hat im Prinzip auch ganz gut funktioniert, aber zwei Problemchen sind dabei aufgetaucht:

1. Die Glasur staubt nach dem Trocknen ganz furchtbar. Ein Tipp war Haarspray. Das muss ich noch testen.
2. Die angerührte Glasur habe ich ins Regal gestellt und nach ein paar Wochen wollte ich sie wieder benutzen, aber es war echt mühsam, die Glasur aufzurühren, weil alles total fest verklumpt war. Kann man da was machen oder ist das halt von Glasur zu Glasur unterschiedlich und man lebt einfach damit? Und wenn das so ist, gibt's einen Trick zum aufrühren? Ich hatte einen Rührquirl aus dem Baumarkt in die Bohrmaschine gesteckt, aber ich kam überhaupt nicht in die Masse rein. Ich musste sie erst ewig mit einem dicken Holzspatel beackern, bis sie genug zerfallen war, um den Quirl zu benutzen.

Danke euch!
Tom

hille
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Re: Glasur wird nach dem Anrühren steinhart

Beitrag von hille » Freitag 7. Februar 2020, 18:33

Es gibt sowohl Stellmittel als auch Glasurkleber für diese Fälle. Am besten rufst du mal bei Keramik Kraft an, was sie dir für diese bestimmte Glasur empfehlen. Es gibt auch Zusätze, die bewirken beides, bessere Haftung und weniger starkes Absetzen. Je nach Glasurtyp wirkt oft auch Essig gut gegen die Absetzerei, musst du ausprobieren. Allerdings ist dann auch das Verhalten der Glasur beim Glasieren oft anders, z.B. kann es länger dauern, bis die Glasur angetrocknet ist.
Ansonsten, ja, manche Glasuren setzen sich steinhart ab, andere viel weniger.

Maria Ortiz Gil
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Re: Glasur wird nach dem Anrühren steinhart

Beitrag von Maria Ortiz Gil » Freitag 7. Februar 2020, 22:38

Eine fundierte Antwort auf diese Frage würde mich auch sehr interessieren!

Nach einem ganzen Töpferleben ist es mir noch nicht gelungen heraus zu finden, wann und warum sich eine Glasur, die lange Zeit, über Monate gut funktioniert, auf ein mal, quasi von einer Woche auf die andere, so fest am Boden des Eimers sitzt, dass man sie nur noch mit einem Messer rausschneiden kann, als würde man es mit festem Gummi zu tun haben. Ich weiß oberflächlich, dass es mit der Elektrolyte und dem PH-Wert zu tun hat, aber nicht, weshalb dieser auf ein mal kippt und wie man das verhindert.
In dem man ständig mit Lackmus-Stäbchen kontrolliert? Manchmal dachte ich sogar schon, es könne mit dem Mond zu tun haben. (Bitte nicht lachen).

Zum Aufrühren hilft tatsächlich ein Schuss Essig, so etwa ein oder zwei Schnapsgläser auf einen dreiviertelvollen 10 L Eimer, oder ein kleinerer Schuss Essigsäure. Letztere macht aber, dass die Glasur nach einiger Zeit nach echten Pupsen stinkt. Trotzdem muss man das was auf dem Grund liegt mühsam aufkratzen, aber wenigstens bleibt das was man abbekommt dann in der Schwebe und setzt sich nicht sofort wieder ab. Falls ja, kann man noch mehr Essig dazu tun. Die Glasur verändert dann allerdings ihre Konsistenz. Anstatt das eine Extrem, quirlig flüssig mit vielen (doofen) schnell herabrinnenden Tropfen, so dass nur sehr wenig davon am Scherben hängen bleibt, wird sie etwas quarkig und bildet im anderen Extrem eine dickere etwas glibberige Schicht, die sehr lange zum Trocknen braucht. Falls der Effekt zu stark auftritt, kann die pulvrige Glasur sogar starke Risse bilden, wie bei einem ausgetrockneten Wüstenboden. Diese einzelnen Plaks fallen beim Brand dann leicht runter, mit entsprechend negativen Folgen. Es ist, als ob die Glasurkörnchen nach dem Zusatz von Essig "weiter auseinander liegen", ich weiß nicht, wie ich es anders beschreiben soll, als ob die Wassermoleküle angeschwollen wären.
Wenn man aber einen Mittelwert findet, kann der Essig sehr hilfreich sein.
Beim Aufrühren mit einem MIxer habe ich bemerkt, dass der Effekt, den der Essig hervorruft, wieder zunichte gemacht wird.
Das mag vielleicht an der vielen Luft liegen, die der Mixer unterrührt.

Da hilft es also nur die nervige Erkenntnis zu überwinden, dass man nicht gleich los glasieren kann und meditativ von Hand zu rühren, ohne dabei vor Frust eine Schnute zu ziehen. Ganz gut geht das mit einem stabilen, scharfkantigen Servierlöffel, z.B. aus Plastik. Scharfkantig wird er vom Rühren sowieso irgendwann von alleine. Ist die Glasur dann erst mal mit Essig wieder gut eingestellt, funktioniert sie bis zum nächsten, (für mich) geheimnisvollen, unbestimmten Tag, an dem sie wieder kippt.

Wer kann da genaueres darüber erzählen?

Schönen Gruß
Maria

Laborfuerdesign
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Re: Glasur wird nach dem Anrühren steinhart

Beitrag von Laborfuerdesign » Samstag 8. Februar 2020, 23:13

Hmmm, im Matthes steht bestimmt was "genaues" dazu. Ansonsten ist hier ein sehr interessanter Artikel auf Englisch... etwas trocken, aber danach weiss man Bescheid.
https://digitalfire.com/4sight/educatio ... w_324.html

Ich mag Glasuren mit viel Nepheline Syenit. Nach ein paar Monaten gehen aber genug Salz Ionen in Lösung, dass der PH Wert ins Saure kippt und die Glasur sich in Wasser und Stein verwandelt. Ich mixe deshalb alle paar Wochen ein bisschen Magnesium Sulfat, in heissem Wasser aufgelöst, in den Eimer. Ich glaube, die meisten kommerziellen Stellmittel bestehen aus dem selben Zeug, bereits gelöst. Je mehr Ton die Glasur enthält, desto krasser wirkt es. Ich hab übrigens gemerkt, das Gerstley Borate das genaue Gegenteil in einer Glasur bewirkt. Enthält das Rezept zu viel davon, dann hat man nach ein paar Wochen auf einmal Vanille Pudding im Eimer. In dem Fall hilft Natrium Wasserglas um den Ph Wert ins Saure zurückzubringen. Mehr weiss ich darüber leider auch nicht... doch, eins noch. Selbst aus Fritten können sich Bestandteile lösen und Ärger machen. Das gilt besonders für Borfritten. Der Tipp ist hier anscheinend, einfach nicht lagern sonders zügig verbrauchen. Das gilt auch für stark Lithium-haltige Glasuren, die funktionieren oft nach ein paar Monaten schon gar nicht mehr, weil das Lithium beim Glasieren mit dem Anmachwasser irgendwo im Scherben verschwindet.

hille
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Re: Glasur wird nach dem Anrühren steinhart

Beitrag von hille » Sonntag 9. Februar 2020, 10:14

Gerstley Borat finde ich auch krass mit seiner Puddinghaftigkeit. Habe jetzt mal in einer Raku Glasur stattdessen Ulexit genommen, chemisch gesehen das gleiche, die Glasur hat genauso gut funktioniert. Ich weiß allerdings noch nicht, wie es nach längerer Standzeit aussieht, aber so im direkten Gebrauch fand ich es viel einfacher.

Der-papui
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Re: Glasur wird nach dem Anrühren steinhart

Beitrag von Der-papui » Sonntag 9. Februar 2020, 10:17

Hallo Tom!
Viele empfehlen einen Zusatz von 2% Bentonit, das hat ein hohes Quellvermögen und wirkt dem Absetzen entgegen.
Viel Spaß beim Experimentieren!

Migla
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Re: Glasur wird nach dem Anrühren steinhart

Beitrag von Migla » Sonntag 9. Februar 2020, 14:27

Hallo, die besten Erfahrungen habe ich in allen Glasuren mit Bentonit gemacht. Das hatte keinerlei Einfluss auf die gewünschten Fließeigenschaften, alle Glasuren waren auch nach vielen Monaten unverändert und konnten nach kurzem kräftigem Aufrühren sofort verwendet werden. Weder nachträgliche Verdickung oder Verflüssigung traten auf und im Gegensatz zu organischen Hilfsmitteln auch keinerlei Schimmel oder Fäulnis oder „Glibber“. Lediglich bei Glasuren mit höherem Ascheanteil musste die Zugabe deutlich erhöht werden, weil die schon während des Glasierens absetzten und hart wurden. Auch auf die Grifffestigkeit der rohen Glasuren wirkte es sich sehr positiv aus. Grüße migla

thomasb
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Re: Glasur wird nach dem Anrühren steinhart

Beitrag von thomasb » Donnerstag 13. Februar 2020, 13:31

Vielen Dank für die tollen Tipps! Ich werde mal Bentonit testen. Kann ich das jetzt noch in die schon angerührte Glasur rein mischen oder muss das gleich am Anfang mit ins Pulver?

Maria Ortiz Gil
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Re: Glasur wird nach dem Anrühren steinhart

Beitrag von Maria Ortiz Gil » Donnerstag 13. Februar 2020, 23:43

Vielen Dank für die Erklärungen und den englischen Artikel!

Hallo Thomasb,

Zusätze in % kann man nur in das abgewogene Glasurpulver geben, denn bei der bereits angerührten Glasur ist ja schon eine unbestimmte Menge Wasser dabei. Es sei denn, du weißt genau wie viel Wasser du zu welcher Menge Pulver dazu gegeben hast und wie viel davon seither verdunstet ist.

Du kannst das Wasser der Glasur abgießen und sie wieder zu Pulver eintrocknen lassen und abwiegen. Aber Vorsicht! Wie hier schon beschrieben wurde, lösen sich manche Rohstoffe im Wasser, die würdest du damit weggießen und es könnte sein, dass die Glasur dann nicht mehr so wie gewohnt funktioniert. Probiere es mit einer kleinen Menge aus.

Schönen Gruß
Maria

Migla
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Re: Glasur wird nach dem Anrühren steinhart

Beitrag von Migla » Freitag 14. Februar 2020, 01:01

thomasb hat geschrieben:
Donnerstag 13. Februar 2020, 13:31
Vielen Dank für die tollen Tipps! Ich werde mal Bentonit testen. Kann ich das jetzt noch in die schon angerührte Glasur rein mischen oder muss das gleich am Anfang mit ins Pulver?
Hallo, von Anfang an ist natürlich immer am besten,weil genauer, aber wenn du in etwa weißt, wieviel Trockenmasse es war geht es auch nachträglich, da sich bei Bentonit ein paar Gramm mehr oder weniger nicht so gravierend auswirken. Etwas Glasur abschöpfen und gründlich mit dem Bentonit mischen und fein sieben, dann unter gründlichem Rühren wieder in die Glasur geben und diese vorsichtig wieder mit Wasser auf die gewünschte Konsistenz einstellen.

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