Erdalkali- und Alkalisilikat Kristallglasuren

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Laborfuerdesign
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Erdalkali- und Alkalisilikat Kristallglasuren

Beitrag von Laborfuerdesign » Freitag 22. September 2017, 09:32

Hallo Leute,
Kapitel 2.4.3.7 im Matthes beschäftigt sich mit Erdalkali- und Alkalisilikat Kristallglasuren. Die werden dort als mit kleinen, hellen oder dunklen Tupfen und Flecken übersähte Mattglasuren beschrieben, die chemisch wesentlich beständiger sein können, als andere Kristallglasuren. Das hört sich sehr reizvoll an, also habe ich drei der dort aufgeführten Rezepte mal ausprobiert. Die Resultate sind für den Anfang ok, aber nicht so, wie ich mir das vorgestellt habe... Und da beginnt das eigentliche Problem. Ich weiss nämlich gar nicht, OB ich mir das Resultat richtig vorstelle. Mir hat nämlich noch nie jemand eine solche Glasur gezeigt und gesagt, dass hier ist eine Erdalkali- und Alkalisilikat Kristallglasur. Vielleicht habe ich also ganz falsche Erwartungen und werde deshalb niemals mit meinen Proben zufrieden sein, egal wie lange ich mische. Ich habe im Internet hoch und runter gesucht aber auf Deutsch finden sich unter diesem Begriff nur PDF Auszüge oder Links zu Abhandlungen über Chemie allgemein. Im Englischen verliert man sich schnell in irgendwelchen Foren und weiss bald nicht mehr so richtig, was man sich da eigentlich grade anguckt. Ich habe eine Fertigpulverglasur von einem bekannten Anbieter, die im E-Ofen bei 1240 Grad, 40 min Haltezeit und normalem Abkühlen so aussieht: (In dünnerer Lage verliert sie die Nadelstiche, aber auch die "Kristalle" und wird recht langweilig.)

Bild
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Ich finde diese Glasur sehr schön, und möchte auch nicht deren Rezept rauspuzzeln, damit ich sie mir dann selber mischen kann und nicht mehr kaufen muss. (Die Glasur ist nämlich ziemlich billig, ich brauche nur Minimengen und selbst wenn ich sie mir selber mischen könnte, würde ich keinen Cent sparen und hätte nur mehr Arbeit) Nein, es geht mir darum, ist das eine Erdalkali- und Alkalisilikat Kristallglasur? Sehen die so aus wenn sie "gelungen" sind? Oder handelt es sich hierbei um etwas ganz anderes und ich muss meine Vorstellungen anpassen, bevor ich weiter an den Matthes Rezepten mixe?
Oder hat jemand vielleicht ein Bild einer Erdalkali- und Alkalisilikat Kristallglasur? Das währe extrem hilfreich.
Vielen Dank. :D

reinerlie
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Re: Erdalkali- und Alkalisilikat Kristallglasuren

Beitrag von reinerlie » Sonntag 24. September 2017, 14:08

Zur Glasur auf deinem Foto kann ich nichts sagen.
Die Glasur auf meinem Becher ist jedenfalls eine Magnesium-Kristallmattglasur (MKM1 nach Bailey "Steinzeug Glasuren SK 6").
Im Buch von John Britt "Mid-Range Glazes" kannst du auch eine ganze Menge zu Mattglasuren durch hohen Gehalt an Erdalkalioxiden finden.
Eine deutliche kristalline Ausbildung erfolgt aber oft erst durch langsames Abkühlen.

Gruß, Reinhard
MKM1_3.jpg
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Laborfuerdesign
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Re: Erdalkali- und Alkalisilikat Kristallglasuren

Beitrag von Laborfuerdesign » Montag 25. September 2017, 08:14

Hallo,
Vielen Dank für deine Antwort! Das Bild ist extrem hilfreich, ich glaube ich habe mich durch die Beschreibung der Glasur im Matthes irritieren lassen und einfach etwas ganz anderes erwartet. Inzwischen glaube ich, die Glasur auf meinem Foto ist nicht einmal eine Kristallglasur und die Tupfen sind vielleicht das Resultat von Entmischung oder ähnlichem. Ich habe das neuere Buch von John Britt "The Complete Guide to Mid-Range Glazes", ein fantastisches Buch aus dem ich schon ein paar Rezepte probiert habe, die erstaunlicherweise alle auf Anhieb exakt so wurden wie abgebildet. Schade, dass viele der Rezepte auf Fritten oder Rohstoffen beruhen, die man hier nicht kriegt. Obwohl BSZ ein paar amerikanische Posten im Katalog hat. Und STIMMT, es gibt auch in dem Buch eine kleine Sammlung von Magnesium Mattglasuren, wobei zumindest die abgebildeten weder wie meine noch wie deine aussehen. Die Glasur auf deinem Becher ist wirklich schön, aber nicht das, was ich suche. Aber jetzt weiss ich wenigstens, dass ich an den Matthes Rezepten nicht weiter mixen brauche, denn wahrscheinlich ist die Glasur auf meinem Bild keine Erdalkali Kristallglasur. Ich habe leider keinen kleinen Ofen für Testbrände, deshalb ist es schwierig mal einen Versuch mit langsamem Abkühlen zu machen und zu sehen, wie die Glasur auf meinem Bild und die Matthes Proben reagieren. Aber vielleicht fällt mir in den nächsten Tagen etwas ein. :roll:
Einen Schönen Tag und danke noch mal.

reinerlie
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Re: Erdalkali- und Alkalisilikat Kristallglasuren

Beitrag von reinerlie » Dienstag 26. September 2017, 16:30

Das ist so 'ne Sache mit der Beschreibung von Glasuren.
Jedenfalls freut es mich, dass ich dir helfen konnte.

Fotomanni
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Re: Erdalkali- und Alkalisilikat Kristallglasuren

Beitrag von Fotomanni » Dienstag 26. September 2017, 18:49

Laborfuerdesign hat geschrieben:
Montag 25. September 2017, 08:14
Schade, dass viele der Rezepte auf Fritten oder Rohstoffen beruhen, die man hier nicht kriegt.
Die meisten Ferro Fritten aus John Britts Buch kannst du bei https://www.scarva.com/ bestellen. Noch geht das relativ problemlos.
Viele Grüße vom Rand der Welt
Manfred

Laborfuerdesign
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Re: Erdalkali- und Alkalisilikat Kristallglasuren

Beitrag von Laborfuerdesign » Mittwoch 27. September 2017, 09:56

Hallo,
danke für den genialen Tipp mit Scarva. Merkwürdigerweise bin ich auf allen meinen Touren durch das Internet noch nie auf die gestossen. Was auch interessant ist, die verkaufen dort die exakt gleichen Glasuren, die sich auch im BSZ Katalog finden nur mit englischen Namen und um ein gutes Drittel teurer. Die Glasuren heissen dort Terracolor. Ich wusste gar nicht, dass BSZ der Hersteller von Terracolor ist...

toniale
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Re: Erdalkali- und Alkalisilikat Kristallglasuren

Beitrag von toniale » Mittwoch 27. September 2017, 11:42

Laborfuerdesign hat geschrieben:
Freitag 22. September 2017, 09:32
Oder hat jemand vielleicht ein Bild einer Erdalkali- und Alkalisilikat Kristallglasur? Das währe extrem hilfreich.
Sehr gelungene Erdalkali Kristallglasuren findest du beispielsweise hier.
https://www.tiltonpottery.com/
Und hier im Forum noch das:
viewtopic.php?f=17&t=3124&p=12740

Alkalisilikat Kristallglasuren sind glänzender und die Kristalle größer, hier im Forum gibt es auch Bilder:
viewtopic.php?f=17&t=2515#p18594
und
viewtopic.php?f=5&t=3594&start=15#p17120

toniale
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Re: Erdalkali- und Alkalisilikat Kristallglasuren

Beitrag von toniale » Mittwoch 27. September 2017, 12:50

:green: Sorry
......

Laborfuerdesign
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Re: Erdalkali- und Alkalisilikat Kristallglasuren

Beitrag von Laborfuerdesign » Mittwoch 27. September 2017, 14:24

OH MEIN GOTT! Die Glasuren bei tiltonpottery sind unbeschreiblich schön! Ich habe manche in dieser Richtung schon mal anderswo gesehen aber viele sind mir in der Farbe oder Ausprägung noch nie begegnet. Ich finde sie grade wegen ihrer Mattigkeit und gedeckten Farbe so spannend. Kaum zu glauben, das diese Art Glasur aus den sehr simplen Versätzen im Matthes entstehen können soll. Hmmm, jetzt wo ich weiss, wie diese Glasuren aussehen können und weiss, wo ich die richtigen Fritten herbekommen kann, werde ich mich mal etwas belesen und dann gaaaanz langsam anfangen. Wie spannend! Ganz lieben Dank an Toniale!

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Re: Erdalkali- und Alkalisilikat Kristallglasuren

Beitrag von toniale » Mittwoch 27. September 2017, 16:05

... im Matthes gibt's übrigens auch ein Foto ..
Seite 65, erstes Foto im Buch. Matte Zink-Barium Kristallglasur von Hubert Griemert mit Rezept.

reinerlie
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Re: Erdalkali- und Alkalisilikat Kristallglasuren

Beitrag von reinerlie » Mittwoch 27. September 2017, 20:17

Eine Zink-Barium-Silikat-Kristallglasur ist aber etwas anderes als ein Erdalkali-Silikat Kristallglasur...

toniale
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Re: Erdalkali- und Alkalisilikat Kristallglasuren

Beitrag von toniale » Mittwoch 27. September 2017, 22:16


Laborfuerdesign
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Re: Erdalkali- und Alkalisilikat Kristallglasuren

Beitrag von Laborfuerdesign » Donnerstag 28. September 2017, 08:42

Es stimmt, in meiner Ausgabe des Matthes sind sogar vier Bilder zu Zink Barium Mattglasuren. Aber die haben auch ein eigenes Kapitel und werden mit anderen Eigenschaften beschrieben als die Erdalkali Silikat Kristallglasuren. Deshalb hab ich die Bilder nicht so beachtet.

toniale
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Re: Erdalkali- und Alkalisilikat Kristallglasuren

Beitrag von toniale » Freitag 29. September 2017, 17:45

Laborfuerdesign hat geschrieben:
Mittwoch 27. September 2017, 14:24
OH MEIN GOTT! Die Glasuren bei tiltonpottery sind unbeschreiblich schön! Ich habe manche in dieser Richtung schon mal anderswo gesehen aber viele sind mir in der Farbe oder Ausprägung noch nie begegnet. Ich finde sie grade wegen ihrer Mattigkeit und gedeckten Farbe so spannend. Hmmm, jetzt wo ich weiss, wie diese Glasuren aussehen können und weiss, wo ich die richtigen Fritten herbekommen kann, werde ich mich mal etwas belesen und dann gaaaanz langsam anfangen. Wie spannend!
:wink: Bist du neugierig? ..
Ganz auf die Schnelle, deine Fertigglasur oben auf den Bildern, die mit den Nadelstichen, wenn`s meine wäre, würde ich der mal versuchsweise 3 - 5% Titandioxid zur trockenen Glasur zugeben und gucken, was passiert

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Re: Erdalkali- und Alkalisilikat Kristallglasuren

Beitrag von Laborfuerdesign » Freitag 29. September 2017, 19:25

Ich bin neugierig und Titandioxid habe ich in rauen Mengen, also werde ich das glatt mal versuchen. Zu jedem neuen Glasurrezept das ich ausprobiere mache ich auch immer Varianten, davon immer eine Variante mit 10% Titandioxid, in der Hoffnung auf eine belebtere Oberfläche. An einer Fertigglasur habe ich aber noch nie herumgemixt... das wird ein spannender nächster Brand.

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