Arbeiten mit Kaltwachs

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Ursula28
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Arbeiten mit Kaltwachs

Beitrag von Ursula28 » Donnerstag 7. März 2019, 13:03

Hallo in die Runde, ich arbeite viel mit Kaltwachs. Mein Problem ist, daß die Glasur beim Kaltwachs nicht so gut abperlt. Vielleicht liegt es ja an dem Hersteller .... ? Wer kann mir ein Katlwachs empfehlen? Ich benutze das von Jäger. Vor 20 Jahren hatte ich mal eins aus Dänemark, das war besser. Ich weiß nur nicht mehr welcher Herstelle es war. Ich lasse auch das Kaltwachs über Nacht trocknen, damit das Abperlen besser ist.
Oder hat jemand von euch einen Tipp fürs arbeiten mit Heißwachs. Also ich möchte die Schmelztemperatur vom Wachs niedriger einstellen, damit die Pinselhaare nicht verbrennnen, ohne die Maleigenschaft zu verändern.
Gruß Ursula

Migla
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Re: Arbeiten mit Kaltwachs

Beitrag von Migla » Freitag 8. März 2019, 01:35

Hallo, ich habe sehr gute Erfahrungen mit dem Kaltwachs von BSZ gemacht, allerdings habe ich es immer verdünnt angewendet und falls notwendig lieber mehrfach aufgetragen.Unverdünnt war die Beschichtung zu klebrig, auch nach dem trocknen und der Abperleffekt war auch nicht so gut. Pinsel lassen sich mit heißem Wasser leicht auswaschen.

Maria Ortiz Gil
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Re: Arbeiten mit Kaltwachs

Beitrag von Maria Ortiz Gil » Freitag 8. März 2019, 11:09

Hallo Ursula,

Heißwachs dürfte nicht nur für deine Pinsel schädlich sein, sondern vor allem auch für deine Lungen.

Seit mindestens dreißig Jahren arbeite ich viel mit dem Abdeckwachs von Keramik-Kraft, ehemals Töpferei Salzmann, Artikelnummer R705-1.
Ich weiß nicht woraus es besteht und wundere mich heute noch über seine Eigenschaften, da es einerseits stark wasserverdünnbar ist und andererseits dicke Tropfen, die zum Beispiel auf den Tisch fallen, wenn sie getrocknet sind wie ganz normales Kerzenwachs aussehen und auch so abgekratzt werden können.

Dieses Kaltwachs verdünne ich mit mindestens 10 % Wasser. Das ist ein geschätzter Wert, da ich einfach nach Erfahrungswerten etwas Wasser dazu kippe und beim Umrühren mit dem Pinsel fühle, wie dickflüssig es noch ist.
Der Grund für das Verdünnen ist folgender: Wenn das Wachs eher dick aufgepinselt wird, perlt Glasur oder Engobe nicht so gut davon ab. Eingeritzte Linien die sich kreuzen reissen oft an der Kreuzung das Wachs so ein, dass eine kleine Fläche davon abplatzt. Das alles passiert nicht, wenn man etwas Wasser dazu gibt.

Es genügt vollkommen ein mal mit einem weichen Pinsel über die trockene oder geschrühte Oberfläche zu gehen. Ein zweimaliges Pinseln macht überhaupt keinen Sinn, da die Oberfläche ja schon beim ersten mal verschlossen wurde und nur dicke Tropfen hängen bleiben, an denen später wiederum die Glasur hängen bleibt. Solche Tropfen entstehen sowieso auch beim Aufpinseln, da man ja unwillkürlich die Pinselstriche übereinander setzt. Diese nehme ich mit einem weichen, stark ausgedrückten Schwamm bald, nach einigen Sekunden, wieder ab. Der Schwamm muss deshalb weich sein, damit die Wachsoberfläche nicht verletzt wird.
Da das Wachs transparent ist, kann es passieren dass man aus Versehen eine kleinere Fläche frei lässt, was bei roher Ware die engobiert ist besonders nachteilig ist, da man beim Abwischen die rohe Engobe mit abträgt.
Deswegen kann man das Wachs einfärben, dann sieht man besser, wo man schon gepinselt hat. Ich habe das früher mit Stempelfarbe gemacht. Es stand ein Fläschchen davon herum, ich habe es probiert und es funktionierte zufällig.
Auf die Menge die ungefähr in ein Teeschälchen passt reichten einige Tropfen Farbe aus.

Kurze Zeit nach dem auftragen kann man schon glasieren. Z.B. wenn man die Böden von ca. zwanzig Schalen gewachst hat, kann man damit anfangen die erste Schale zu glasieren. Man darf aber nicht erwarten, dass die gewachste Fläche vollkommen frei abperlt. Einige Glasurtröpfchen bleiben immer hängen, die aber sehr leicht mit dem ausgedrückten Schwamm auf zu nehmen sind, besonders wenn sie noch nicht angetrocknet sind.

LÄSST MAN DIE GEWACHSTEN SACHEN ABER EINIGE TAGE STEHEN, VERFLÜCHTIGT SICH DAS WACHS UND PERLT NICHT MEHR AB! Deshalb muss man am Besten am gleichen Tag noch alles aufarbeiten.

Dieses Abdeckwachs eignet sich nicht so gut um Reliefs her zu stellen, also wenn man z.B Muster damit auf die rohe Ware malt und dann so lange drüber wischt, bis die Umgebung der Pinselstriche abgetragen wird. Die gewachsten Flächen fransen beim starken Abwischen an den Rändern aus, möglicherweise wegen der abrasiven Wirkung der Tonteilchen die man abwischt. Dafür soll Schellack gut sein, damit habe ich aber keine Erfahrungen.

Mitentscheidend für das gute Abperlen ist aber auch die Dickflüssigkeit der Glasur oder Engobe die man benutzt.
Je dickflüssiger, desto schwerer reisst die Spannung der Flüssigkeit die man drüberkippt. Bei ganz dickflüssigen Glasuren hilft es manchmal, wenn man kurz mit dem Finger auf die ab zu perlende Fläche tippt, dann reist die Spannung an dieser Stelle auf und der Rest rollt dann zu den Rändern hin ab.

WIE AUCH IMMER DARF MAN BEIM BRAND VON MIT WACHS BEHANDELTER KERAMIK NICHT IM RAUM ANWESEND SEIN, DENN DAS RIECHT ÄUßERST UNGESUND !!

Schönen Gruß
Maria

carboncookie
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Re: Arbeiten mit Kaltwachs

Beitrag von carboncookie » Freitag 8. März 2019, 17:30

Sehr informativer Beitrag! Vielen Dank dafür! :daumen:
Da ich mit Reliefarbeiten auch so meine Kämpfe hatte, werde ich mit deinen Anregungen nochmal einiges ausprobieren!

Ursula28
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Re: Arbeiten mit Kaltwachs

Beitrag von Ursula28 » Freitag 8. März 2019, 17:41

Hallo Maria, danke für Deine ausführliche Beschreibung. Was das Auswischen, um Reliefs zu erhalten , betrifft, nehme ich Acryllack das ist einfacher als mit Schellack. Nicht jeder Acryllack ist gleich gut. Es gibt auch Aryllacke, die eine transparente Glasuroberfläche nach dem Brennen hinterlassen. Ich überlege diesen Effekt zu nutzen.
Gruß Ursula

Maria Ortiz Gil
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Re: Arbeiten mit Kaltwachs

Beitrag von Maria Ortiz Gil » Montag 11. März 2019, 11:41

Hallo Ursula,

dass man mit Acryllack ausgewaschene Reliefs machen kann ist ja interessant! Dass manche Lacke eine Glasur erzeugen, also ein Silikatgemisch das an den Ton anschmilzt - kaum zu glauben.
Das würde ja bedeuten, dass man gleich mit Acryllack "glasieren" kann. Weißt du da genaueres darüber? Über die Wirkungsweise?

Es ist aber nicht so, dass ich gleich auf Lack umstellen will, ha ha, denn wenn schon Wachs zu verbrennen für Gesundheit und Umwelt grenzwertig ist, so ist die Vorstellung Lack zu verbrennen noch gruseliger.
Oder ist dieses wasserverdünnbare Abdeckwachs auch auf der Grundlage von Acryl? Weiß jemand etwas darüber?
Beim Brand riecht es eher nach Paraffin, nach tausend abgebrannten Kerzen, im flüssigen Zustand ist es vollkommen geruchlos, während Acryl ja einen typischen Getuch hat.

Schönen Gruß
Maria

Ursula28
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Re: Arbeiten mit Kaltwachs

Beitrag von Ursula28 » Montag 11. März 2019, 14:43

Hallo Maria, leider ist es eine Weile her mit den Acryl Proben, sonst könnte ich dir sagen welcher Lack es ist. Es war ein kleines Gefäß aus dem Bastelbedarf. Wenn ich die Robe finde mache ich ein Foto und stelle es ins Forum.
Gruß Ursula

Ursula28
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Re: Arbeiten mit Kaltwachs

Beitrag von Ursula28 » Donnerstag 14. März 2019, 17:09

In die Runde, ich habe übrigens das Auswischen auch mit Dichtmittel gemacht. Es muß natürlich eine Nacht trocknen.
Es funktioniert.
Gruß Ursula

Maria Ortiz Gil
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Re: Arbeiten mit Kaltwachs

Beitrag von Maria Ortiz Gil » Samstag 16. März 2019, 02:59

Ich vermute sowieso, dass es sich bei dem von den Keramikbedarfshändlern angebotenen Dichtungsmittel um gebräuchlichen, transparenten Acryllack handelt, der einfach mit Wasser verdünnt abgefüllt und gewinnbringend weiterverkauft wird. Zumindest riecht es genau so, sieht auch so aus und verhält sich wie Acryllack, falls man etwas davon verschüttet.

Schönen Gruß, Maria

Ursula28
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Re: Arbeiten mit Kaltwachs

Beitrag von Ursula28 » Samstag 16. März 2019, 11:57

Hallo Maria,
da bin ich anderer Meinung. Es ist eher der Putzgrund, der riecht genauso.
Gruß Ursula

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