Helle Oberflächengestaltung

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Arthur
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Helle Oberflächengestaltung

Beitrag von Arthur » Samstag 27. Juli 2019, 15:04

Moin
Ich bin Anfänger und habe gerade meine ersten Erfahrungen gesammelt....
Dabei habe ich ein Relief modelliert und die Oberfläche mit Mangan Spinell behandelt um die Konturen zu betonen. Das Ergebnis war klasse!
Nun frage ich mich, ob es auch Möglichkeit gibt, Bereiche in einem ähnlichen Verfahren aufzuhellen? Das könnte auf einem dunklen Ton super wirken! Was ich nicht möchte, ist die zarten Reliefs mit einer dicken Glasur „zuschmieren“.

Gruß Arthur

Ono
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Re: Helle Oberflächengestaltung

Beitrag von Ono » Sonntag 28. Juli 2019, 08:51

Du kannst mit einer weißen Engobe das Gleiche machen wie mit dem Mangan.
(Letzteres ist übrigens sehr giftig.)

hille
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Re: Helle Oberflächengestaltung

Beitrag von hille » Sonntag 28. Juli 2019, 09:58

Und für rot/bräunliche Töne anstatt des Mangans Eisenoxid nehmen.

Maria Ortiz Gil
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Re: Helle Oberflächengestaltung

Beitrag von Maria Ortiz Gil » Sonntag 28. Juli 2019, 20:36

Hallo Arthur,

Ich stelle mir vor, dass du das Ergebnis mit dem Manganspinell dadurch bekommen hast, dass du es dünn aufgetragen und dann wieder abgewischt hast, damit es in den Vertiefungen drin bleibt, das wird allegemein so gemacht und es ergibt, dass besonders die hellen Oberflächen von Reliefs plastischer wirken, also mehr 3-D-Effekt.

Zum Aufhellen dunkler Oberflächen kannst du genau so jede Engobe nehmen, die heller als die Farbe des gebrannten Tones ist. Farbige Engoben sehen dabei oft recht interessant aus.
Wenn es um Reliefs geht ist allerdings wichtig, dass du diese erst nach dem Schrühen aufträgst, sonst trägt man beim Abwischen der hohen Reliefteile zu viel von der Struktur ab, weil der ungebrannte Ton sich ja noch mit Wasser auflöst. Außerdem würde man die Engobe beim Abwischen über die Oberfläche verschmieren und es entsteht kein "sauberes" Bild.

Da die Engoben sich genau so wie der Ton beim Trocknen und beim Brennen zusammenziehen (schwinden), darf die aufgetragene Schicht aber nicht zu dick sein, sonst bildet diese einen eigenen Körper und platzt vom Untergrund ab. Helle Engoben die dünn aufgetragen wurden, können aber manchmal von den im dunklen Ton enthaltenen Metalloxiden quasi "verschluckt" werden. Da muss man einfach Versuche machen und ausprobieren was geht, wie immer wenn man Keramik macht.
Im Prinzip geht das genau so mit einer Glasur, die man drauf macht und wieder abwischt.

Ich denke, dass Manganoxid bei richtiger Handhabung nicht giftiger ist, als z.B. Zement oder Scheuerpulver. Alle Stäube sind sehr ungesund für die Lungen. Deshalb sollte man sie nass verarbeiten und Tisch und Werkzeuge gut sauber halten. Wenn man unter das Manganoxid etwas Tonmehl mischt (10 - 25 % Trockengewicht), gerne auch dunkles Tonmehl, dann hilft das ein klein Wenig, weil die Manganoxidkörnchen an den Tonteilchen etwas kleben bleiben und die Engobe dann nicht so pulvrig ist, sich nicht so leicht abgreift wenn man das ungebrannte Stück anfasst.

Schönen Gruß und viel Erfolg!
Maria

Laborfuerdesign
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Re: Helle Oberflächengestaltung

Beitrag von Laborfuerdesign » Montag 29. Juli 2019, 01:50

Mal rein aus Interesse, Arthur sagte, er hätte Manganspinell verwendet, also Mn3O4. Ich dachte immer, dass sei weniger giftig als das altbekannte Mangandioxid, also Braunstein. Klar, ist immer noch Mangan und spätestens beim Brand kommt dann das gleiche giftige Gas bei raus, aber macht es in der Handhabung einen Unterschied?
Danke

Arthur
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Re: Helle Oberflächengestaltung

Beitrag von Arthur » Dienstag 30. Juli 2019, 16:33

Danke für Euren Infos und Meinungen!

@ Ono
In meiner Vorstellung tragen Engoben dick auf, oder? Ich würde gerne nur einen weißen Schleier, vergleichbar mit Pastellkreide, die vorsichtig verwischt wird, auftragen. Geht das?

@Hille
Mein Ton ist schon rötlich, ich würde diesen gerne partiell aufhellen…..

@Maria, die hier immer mit Rat vertreten ist…
Ja, genau so habe ich es gemacht. Manganspinell aufgetragen, abgeschwischt, fertig. Sieht, nach ein paar Versuchen, klasse aus! Weniger ist da mehr.... Wie du schon erläutert hast, am besten nach dem Schrühbrand.
Da ich nur eine Weißschleier erzeugen möchte, wäre für mich die Handhabung wichtig. Kann man die Engobe dünn mit einem Schwamm auftragen, ähnlich beim Schminken (Nein, ich schminke mich nicht! :wink: :) ). Hätte auch den Vorteil, dass man einen sanften Verlauf erzeugen könnt. Wenn ich dich richtig verstehe, befürchtest du eher, dass das Weiß zu schwach rauskommt. Das käme mir entgegen.
Du sprichst von Manganoxid. Du meinst Braunstein anstelle von ManganSpinell. Ist das in der Verarbeitung anders?

@Laborfuerdesign
Ja das würde mich auch interessieren, ist es nur ähnlich im Ergebnis oder gleich. Wie lässt es sich verarbeiten?
Meines Wissens ist Braunstein ungesünder….

Maria Ortiz Gil
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Re: Helle Oberflächengestaltung

Beitrag von Maria Ortiz Gil » Dienstag 30. Juli 2019, 19:20

Hallo Arthur,

traditonell werden Engoben eher dick aufgetragen, weil man sie normalerweise auf den rohen, lederharten Ton aufträgt um diesen ganz zu zu decken. Jemand hat mal behauptet, das Wort Engobe käme aus dem Französischen und würde so etwas ähnliches bedeuten wie Haut ??? Stimmt das? Kann da jemand etwas dazu sagen?
Auf dem lederharten Körper kann man eine dickere Engobeschicht auftragen, die dann gemeinsam mit dem Untergrund schwindet. Auf geschrühtem Ton geht eher nur eine dünne Schicht, siehe den Vorherigen Beitrag. Und geschrüht muss er bei einem Relief sein, damit man beim Wischen die Details nicht zerstört.

Bei einem Relief sieht man die unterschiedlich hohe Oberfläche besser, wenn man entweder die Tiefen Stellen oder die hohen Stellen betont. Die tiefen zu betonen ist einfacher, weil man da nur etwas darüber zu pinseln, gießen, schwämmeln, schmieren braucht, das man nachher wieder abwischt. Reste bleiben immer in den Vertiefungen zurück. Man muss sich nur vorstellen, man wollte nach dem Bepinseln das Gegenteil erreichen, nämlich das Relief wieder absolut sauber bekommen, es würde kaum gelingen. Ob man die Vertiefungen mit hellerer oder dunklerer Farbe betont ist technisch gesehen egal.

Selbstverständlich kann man mit einem in die Engobe eingetauchten und gut ausgedrückten Schwamm Schleiereffekte erzeugen, dabei kommt es aber sicher auf die Sorgfalt und die Übung an, mit der es gemacht wird. Versuche sind da unumgänglich.
Ich könnte mir vorstellen, dass man mit einem Schwamm auch sehr leicht Kleckse erzeugt, aber die kann man - wenn das Relief geschrüht ist - sowieso immer wieder abwischen. Irgendwann ist dann die Oberfläche aber mit Wischwasser voll und nimmt keine weitere Engobe mehr an.
Man muss das Stück dann erst mal wieder trocknen lassen.

Man könnte auch in sehr verdünnte, helle Engobe tauchen oder damit übergießen, aber bei einem Relief rinnen garantiert Tropfenströme irgendwo hin, wo man es nicht gebrauchen kann.

Eine andere Alternative wäre sprühen. Bitte immer mit einer geeigneten Feinstaubmaske!
Professionell wäre es in einer Spritzkabine, die hat man nun nicht immer da.
Ich habe mir für kleine Sprühereien eine provisorische Kabine aus einer Fotowanne (ein NEUES Katzenklo tut es sicher auch) und in einem Regalfalch befestigte Plastikfolie gebastelt, deren unteres Ende in die Wanne hineinhängt. Nicht ernsthaft zu empfehlen, aber möglich.
Zum Sprühen habe ich so eine Druck-Pumpflasche aus dem Gartenfachhandel genommen, mit der man sonst Pflanzenschutzmittel versprüht. Damit kann man mit etwas Übung einen feinen Schleier sprühen, allerdings sprühen solche Flaschen in einem hohlen Kegel, sie sprühen so zu sagen einen Kreis, in der Mitte kommt keine Farbe an. Man muss deshalb die Flasche entsprechend hin und her bewegen. Braucht einige Versuche bis es gut klappt und ist eine Riesensauerei, falls was daneben geht. Maske nicht vergessen !!!
Die normalen Sprühflaschen, z.B. solche wo mal ein Putzmittel drin war, funktionieren aus irgend einem Grund nicht. Nach sehr kurzer Zeit geht der Mechanismus davon kaputt, dass man feinkörniges versprüht.

Ich habe nur ein mal Manganspinell benutzt, weil ich welches geschenkt bekommen hatte und habe wieder davon abgelassen, weil es viel schwächer braun gefärbt hat als Braunstein, (in dem hauptsächlich Manganoxid enthalten ist) Braunstein nur mit Wasser angerührt bleibt pulvrig, selbst nach dem Schrühbrand. Das kann sehr nachteilig sein, weil man beim Anfassen der Ware "Tapser" rein macht und das Pulver auch noch überall herumfliegt, schlimmstenfalls im Ofen, dort schmilzt es beim nächsten Hochbrand an und versaut für ewig die Einsetzplatten. Deshalb mein Vorschlag, es mit ein Wenig Ton zu mischen. Das ergibt dann eine Engobe, die sich nicht ganz so leicht abgreift so lange man das Stück ungebrannt hantieren muss.

Braunstein ist giftig wie die meisten anderen Glasurrohstoffe, aber man schnieft ja nicht davon und kippt auch keines in den Kaffee. Man muss es eben sachgerecht handhaben, das bedeutet: immer nass verarbeiten, beim Anmischen größerer Mengen eine Maske tragen, den Ofendämpfen nicht aussetzen, aber das macht ja auch wohl keiner, oder?

Ono
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Re: Helle Oberflächengestaltung

Beitrag von Ono » Dienstag 30. Juli 2019, 19:58

Ist zwar schon mehr oder weniger beantwortet, aber:
Dicke Engobe macht dicken Auftrag.
Kippst du mehr oder weniger Wasser rein und rührst um, hast du eine dünne Engobe mit dünnem Auftrag.
Wie das am Ende aussieht, lässt sich nur durch probieren und Erfahrung rausfinden, aber mit einem Aräometer die Viskosität der Engobe zu messen, dürfte für den Anfang hilfreich sein, wenn man reproduzierbare Ergebnisse haben will.
Statt mit einem feuchten Schwamm kann man auch die getrocknete (!) Engobe einfach mit der Hand mehr oder weniger abreiben. Dadurch lassen sich feinere Abstufungen der Auftragsdicke erreichen, aber das will auch geübt und getestet sein. Das würde ich persönlich eher machen um eine Reliefwirkung hinzukriegen.
Anders als bei Glasuren lässt sich aber das Ergebnis bei Engoben ungefähr abschätzen, da es häufig vor dem Brand ähnlich aussieht wie nach dem Brand.
(Außer man macht eine transparente Glasur drauf und die zu dünne Engobe löst sich darin auf.)

Ono
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Re: Helle Oberflächengestaltung

Beitrag von Ono » Dienstag 30. Juli 2019, 20:02

PS:
Auch auf geschrühtem Ton lässt sich eine Engobe vollkommen deckend dick auftragen (tauchen), aber das kommt natürlich auf Engobe und Schrühtemperatur an.
PPS:
Auch wenn Braunstein schlimmer sein soll, würde ich nicht am Spinell lecken.

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