Barbara Heigert: Engoben

Hier werden Artikel fürs nächste Töpferblatt vorveröffentlicht - denn bis zum Erscheinen des Töpferblattes dauert es ja notorisch etwas ...
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Günter
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Barbara Heigert: Engoben

Beitrag von Günter »

Das Sommer- Töpferblatt (das ganz offensichtlich ein Herbst-Blatt wird) ist fast fertig layoutet - ich hoffe auf Druck und Versand noch im September.
Als "teaser" und spin-off des Symposiums hier ein fachlich sehr fundierter Beitrag von Barbara Heigert, München, zur Herstellung eigener Engoben:

Glasurbrand in der Schule:

Arbeitsgruppe mit Barbara Heigert

Das Thema Glasuren ist an Schulen und anderen Einrichtungen oft heikel. Es fehlt häufig die Fachkenntnis von Seiten der Leiter, oder, falls Fachkenntnis vorhanden, ist es schwierig, Glasuren vernünftig zu verwenden, wenn in den Werkstätten viele Menschen ein und ausgehen, die keinerlei Vorkenntnisse haben.
Meine Erfahrung hat gezeigt, dass es sinnvoll ist, in diesem Bereich mit Engoben zu arbeiten, und sich dann auf eine transparente Glasur zu beschränken. Die Vorteile hierfür sind sehr deutlich gegenüber wenigen Nachteilen:

Vorteile von Engoben:

· jeder kann selbst bemalen, tauchen oder schütten
· gut mit Pinsel oder Malhorn aufzutragen
· verschiedene Farben an einem Stück leicht möglich
· vielfältige Dekorationsmöglichkeiten
· übereinander malen
· einritzen, ausfüllen....
· leicht herzustellen
· wenig Rohstoffe notwendig
· billig
· weniger giftig als Glasuren
· leicht aufzurühren
· nur eine vernünftige Transparentglasur nötig
· Erschaffer hat zu seinem
Stück eine größere Beziehung, da er es selbst bemalen kann, und es zur farbigen Gestaltung nicht aus der Hand gegeben werden muß

Nachteile von Engoben:

· eingeschränkte Farbpalette
· keine Tiefenwirkung wie manche Glasuren
· Auftragsdicke herausfinden, u.U. etwas heikel, zwischen ausreichend deckend und zu dick, dass die Gefahr des Abplatzens besteht
· im lederharten Zustand auftragen, ausprobieren, ob auch u.U. im trockenen oder sogar geschrühten Zustand möglich (auch hier Auftragsdicke austesten)

Die Arbeitsgruppe beschäftigte sich mit der Herstellung von Engobeproben, um zu erfahren, wie man ein Probenprogramm erstellt, und wie man mit Engoben umgeht.
Da die Zeit nicht gegeben war, diese Proben zu brennen, transparent zu glasieren und erneut zu brennen, brachte ich von allen Proben gebrannte Exemplare mit, auf drei verschiedenen Massen, bei zwei verschiedenen Brenntemperaturen gebrannt.
Die Teilnehmer konnten dann diese Proben in Augenschein nehmen, daraufhin selbst Proben herstellen, und auf Probeplättchen aus z.T. mitgebrachten Tonen aufpinseln. Vorsichtig verpackt nahm somit jeder Teilnehmer 21 verschiedene Proben mit nach Hause, um dort zu schrühen und die eigene Transparentglasur zu verwenden. So hoffe ich, dass jeder einen Ansatz gefunden hat, und Zutrauen gewonnen hat, selbst Engoben herzustellen.

Probenprogramm für eine Engobenpalette

Dies ist eine Palette von einfachen Engobeversätzen, die von ihren Eigenschaften sehr tolerant sind und deshalb kompatibel mit vielen Massen sind. Natürlich müssen sie auf der verwendeten Masse ausprobiert werden und die Farbigkeit mit Brenntemperatur und verwendeter Transparentglasur abgestimmt werden. Fehler können natürlich auftreten, aber sie sind hier auf ein Minimum beschränkt.

1. Tone: a) weiß brennend
b) rot brennend
c) lachsfarben bzw. lederfarben brennend

2. Brenntemperaturen: a) 1050 C
b) 1200 C

3. Engobengrundversätze:
a) 100 Teile weißer Ton mager (z.B. W100)
100 Teile weißer Ton halbfett (z.B. W105)
100 Teile weißer Ton fett (z.B. 1200)
b) 100 Teile weißer Ton halbfett
100 Teile Kaolin (z.B. China Clay)

Herstellung:

Proben sind mit 10 Gramm Grundversatz ausreichend + die Einfärbungen;

mit etwas Wasser anmischen und durch ein feines Glasursieb streichen; Konsistenz etwa wie flüssige Sahne; mit weichem großen Pinsel verschiedene Auftragsstärken ausprobieren; auf lederharte Probestücke auftragen; genau Buch führen über einzelne Arbeitsschritte;

4. Einfärbungen:

1. weiß: 3a + 10 % Zirkonsilikat
2. gelb: gelber Ton pur (Pulver von A. Wolbring)
3. gelb: gelber Ton + 10% D10 Sonnengelb (Fa. Jäger)
4. gelb: gelber Ton + 8% Titandioxid
5. rosa: 3a + 15% FK Rosso *
6. rötlich: 3a + 15% FK Rosso * + 5% Eisenoxid
7. rötlich: roter Ton pur (Pulver von A. Wolbring)
8. rosa: 3a + 15% FK Bordeauxrot (A. Wolbring)
9. rosa: 3b + 15% FK Bordeauxrot (A. Wolbring)
10. lachs: 3a + 15% FK Brillantorange (A. Wolbring)
11. lachs: 3b + 15% FK Brillantorange (A. Wolbring)
12. helltürkis: 3b + 10% FK Blau R 245 (Fa. Jäger)
13. türkis: 3a + 10% FK Blau R 245 (Fa. Jäger)
14. blau: 3a + 1% Kobaltkarbonat + 10 % FK R 245
15. grün: 3a + 5% Kupferkarbonat + 2% Chromoxid
16. blaugrün:3a + 10% R 523 (Fa. Jäger)
17. grauviolett: 3a + 2% Kobaltkarbonat + 1 % Eisenoxid
18. zartblau: 3a + O,4% Kobaltkarbonat + O,2% Chromoxid
19. dunkelbraun: Manganton pur
20. schwarz: Manganton + 5% FK R112 schwarz (Fa. Jäger)
21. braun: roter Ton + 2% Kobaltkarbonat + 1% Kupferkarbonat + 1,5% Braunstein +1% Chromoxid

*FK Rosso gibt es leider im Handel nicht mehr zu kaufen. Alternativ könnte man z.B.
FK 9496 rot (Fa. Jäger) ausprobieren

5. Transparentglasuren: a) für 1O5O° C
b) für 1200 C

Die Brenntemperatur ist für die Ergebnisse sehr entscheidend. Generell kann man sagen, dass die Farbigkeit bei niedrigeren Temperaturen wie etwa 1050 C sehr viel intensiver ist, als bei höherer Temperatur, wie etwa 1200 C.
Des Weiteren ist die verwendete Glasur von Bedeutung, denn deren Zusammensetzung kann auch die Farben sehr unterschiedlich wirken lassen.
Dabei geht man am besten empirisch vor, und probiert im Zweifelsfall zwei oder drei verschiedene Transparentglasuren aus, um sich dann für eine zu entscheiden.
Dies sind selbstverständlich lediglich Vorschläge, aus denen man sich die schönsten Ergebnisse heraussuchen kann, oder die eine Ausgangsbasis für weitere Proben sein können.
München, 23.06.07 Barbara Heigert
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