Zweitausbildung zur Keramikerin

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Peacock284
Beiträge: 2
Registriert: Montag 8. Dezember 2014, 20:26

Zweitausbildung zur Keramikerin

Beitrag von Peacock284 »

Hallo liebe Leute,

ich interessiere mich sehr für den Beruf des Keramikers und überlege eine zweite Ausbildung zu machen. Bevor ich diesen Schritt wage, möchte ich mich ausreichend darüber informieren und bin vor allem über eure Erfahrungen aus der Praxis gespannt, ich habe mich schon informiert und finde vor allem eure Meinungen als Profis sehr spannend und wichtig.

Ich wusste leider nicht in welchem Bereich ich das Thema posten sollte, deshalb bitte bei Bedarf verschieben :green:

Vielleicht hier etwas über meine Person:
Ich habe schon ein paar Stationen hinter mir (bin 24 Jahre), meine erste Ausbildung fand beim Notar als Notarfachangestellte statt, weil ich mir zu dem Zeitpunkt nicht im Klaren war, was ich genau machen möchte und bin auf Zufall darauf gestoßen (der Standardsatz aus meinem Umfeld: du bist doch gut in Deutsch, geh doch ins Büro da hast du immer Arbeit...)
In der Ausbildung war schon klar, dass das nicht mein Lebensweg sein soll, die Ausbildung habe ich abgeschlossen mit dem Gedanken mich danach umorientieren zu können. Heutzutage ist es meiner Meinung nach wichtig überhaupt eine Ausbildung zu haben, Abbruch kam für mich nicht in Frage.

Danach hat es mich für ein Jahr als Freiwillige in ein Entwicklungsland gezogen, tolle Erfahrungen durfte ich machen aber die Frage nach meiner beruflichen Zukunft blieb ungebeantwortet. Wieder zurück in Deutschland schliderte ich mal wieder in ein anderes Feld rein, ich ließ mir auch zu wenig Zeit (3 Wochen nach Rückkehr wieder ins Ausland) und ging in ein Hotel als Empfangsdame. Das hat nicht gut funktioniert, die Arbeitumstände waren katastrophal also wieder zurück in die Heimat.
Da ich nicht ins Büro zurück wollte und der Alltag im Hotel doch sehr abwechslungsreich war, entschied ich mich dabei zu bleiben. So führte mich mein Weg in ein Monster von einem Hotel an einem von Deutschlands Flughäfen, zog vom Land in die Großstadt.
Auch hier wieder eine Fülle von Erfahrungen, von unterirdischen Arbeitsumständen mal abgesehen. Ich habe gelernt was es heißt hart zu arbeiten und an die persönlichen Grenzen zu gehen.
Deshalb entschied ich mich nach knapp 1,5 Jahren zurück ins Büro zu gehen, hauptsache raus aus der gnadenlosen Hotellerie.
Nun bin ich wieder bei den Papiertigern, noch nicht sehr lange aber dafür habe ich um so schneller festgestellt, warum ich einst aus diesem Feld weggegangen bin.
Ich habe bei meiner beruflichen Selbstfindung Zeit benötigt und meine Erfahrungen gemacht. Im Nachhinein verstehe ich nicht einmal, wieso ich genau in diese Berufsfelder gegangen bin.
Ich stamme aus einer Handwerkerfamilie, war schon immer mehr an Kunst und handwerklichem Gestalten interessiert und liebe es. Wenn ich die 8,5 Stunden (wird oft mehr) im Büro hinter mich gebracht habe freue ich mich darauf nach Hause zu gehen und mich kreativ auszutoben, vom stricken bis zum malen alles dabei. Es gab selten eine Tätigkeit, die ich so genoßen habe als das kreative Arbeiten mit den Händen.

Generell sollte ich vielleicht erklären, wie es zu den wechselnden Tätigkeiten kam. Ich habe mich oft in meinem Freundeskreis über dieses Thema Berufsfindung unterhalten, für mich fühlt es sich an, dass unsere Generation aus einer Fülle von Möglichkeiten schöpfen und dementsprechend tausende Entscheidungen fällen kann wie man sein Leben gestaltet.
Da ist das Bedürfnis nach Sicherheit und Stabilität, auf der anderen Seite Identifikation mit dem eigenen Beruf und Freude an der Ausübung. Mir wurde immer gesagt, wenn ich in der Schule über den Gedanken ins Kunsthandwerk zu gehen geäußert habe "Kunst kannst du als Hobby machen, lern einen stabilen Beruf alles andere ist brotloser Erwerb".

Mittlerweile denke ich anders. Ich habe mit und für Leute gearbeitet, die ein hohes Gehalt beziehen und in meinem Auslandsjahr die Ärmsten der Armen kennen gelernt. Ich war nie ein Mensch, der viel auf materielles Wert gelegt hat, für mich muss es kein teures Auto oder eine Hugo Boss Uhr sein (als Beispiel). Ich bin mit meiner kleinen feinen Wohnung glücklich, spare ein wenig um mal in Urlaub zu fahren, unternehme mal was mit Freunden und muss nicht jeden Monat shoppen gehen (was nicht heißen soll, dass ich nicht gerne Sachen kaufe :schleck: ) Aber insgesamt würde ich meinen Lebensstil als einfach gestrickt einstufen.

Ich habe hier einen Thread gelesen "von Keramik leben können" und mich interessiert, wie ihr für euch die Frage "davon leben können" definiert.

Einer hat geschrieben, dass er ca 2000 Euro zur Verfügung hat, was ich als gar nicht schlecht empfinde. Ich lebe in einer der teuersten Städte Deutschlands, verdiene fast dasselbe und mein Beruf gefällt mir absolut nicht, es macht mich unglücklich.

Ich habe natürlich schon von den Herausforderungen und Möglichkeiten als Keramiker gelesen:
als Geselle, Selbstständigkeit mit oder ohne Laden, Kurse geben oder auf Märkte fahren, Online Vertrieb usw.
Beschäftigt ihr euch viel mit Marketing in eigener Sache (eher für die Selbstständigen unter euch)?
Soll heißen eigene Website, Facebook Seite, Zusammenarbeit mit anderen Institutionen z.B. im pädagogischen Bereich usw.

Für mein Empfinden sieht es wohl so aus, als ob es kein leichtes Dasein als Keramiker ist (mein Vater ist ja auch selbstständiger Handwerker und ich kenne die Sorgen und Ängste über den Broterwerb) aber es trotzdem verschiedene Möglichkeiten gibt tätigt zu werden. Ich denke, wenn man diesen Beruf ausübt sollte man neben der kreativen Leidenschaft auch Spaß am Umgang mit Menschen haben, da man ja mit seinen Kunden in Kontakt kommt, oder wie seht ihr das?

Dass man viel und hart arbeiten muss, kann ich mir vorstellen. Ich denke bin ich schon etwas erfahren darin:
Als ich im Hotel war, habe ich zeitweise über Monate hinweg 10-Tage-Wochen gehabt mit 12 Stunden Schicht (da freut man sich, wenn man 8 Stunden -im Stehen- gestresste Gäste eincheckt, nicht mal auf Toilette gehen kann weil die Gäste in der Warteschlange um so verärgerter sind wenn man kurz weggeht und knapp vor Feierabend 100 von zustätzlichen Gästen eingebucht werden, weil ein Flieger nicht mehr startet. D.h. weiter einchecken, danach Bankett aufbauen...ebenfalls körperlich und mental sehr anstrengend)

Ich bin wirklich kein Mensch, der Arbeit und Leistungseinsatz scheut, Unterforderung empfinde ich als schlimmer, aber liege ich so falsch, wenn ich meine Arbeit dann wenigstens gerne machen möchte?

Bevor ich mich für eine Zweitausbildung entscheide, möchte ich mich genügend mit allen Punkten auseinander gesetzt haben und ich würde mich sehr freuen, wenn ihr mir eure Erfahrungen und Meinungen zu dem Thema mitteilt und mich ggfs. korrigiert, wenn ich hier und da komplett realitätsfern denke :green:

(Entschuldigt den langen Text :green: )

isam
Beiträge: 78
Registriert: Mittwoch 1. Juni 2011, 11:40

Re: Zweitausbildung zur Keramikerin

Beitrag von isam »

hallo,
ich würde dir vorerst ein längeres praktikum in einer töpferei empfehlen, damit du wirklich alle facetten des daseins als selbständiger keramiker kennenlernen kannst. offensichtlich willst du dir ja auch sicher sein, dass es der beruf des keramikers wirklich ist, der dich erfüllt. man könnte jetzt hier lange abhandlungen an eigenen erfahrungen und tipps ins forum schreiben, aber letztendlich gibt es so unterschiedliche ansprüche, erwartungen und realitäten, die dir am ende aber nichts nützen werden, weil du deine eigenen finden wirst und musst. 2000 euro halte ich übrigens für einen sehr guten verdienst, das hat bei weitem nicht jeder keramiker!
prinzipiell aber ist es nie zu spät, etwas neues anzufangen. und sklave in einer maschinerie zu sein, würde ich dem töpferberuf niemals vorziehen, egal, wie viel geld ich dafür bekäme. in diesem sinne: viel erfolg!
ps: hier im forum sind schon öfter diese fragen behandelt worden, du findest bestimmt auch viele ältere beiträge, die dir nützen können.

hille
Beiträge: 1092
Registriert: Donnerstag 24. August 2006, 10:29

Re: Zweitausbildung zur Keramikerin

Beitrag von hille »

Ich möchte dich auch auf jeden Fall dazu ermutigen.

Das Praktikum, um festzustellen, ob du die Arbeit mit dem Ton magst, das wäre vielleicht nicht schlecht. Aber davon abgesehen denke ich, dass dich dein bisheriger Lebenlauf doch einigermaßen abgehärtet hat, so dass du das Töpferdasein wagen kannst. :green:

Ich denke, du wirst vielleicht auch viel eher die nötige Kreativität bei der Vermarktung mitbringen, die es heute braucht, als jemand, der sich immer nur im Handwerkerumfeld bewegt hat, das in der Hinsicht doch sehr konservativ ist. Das von dir angesprochene Sicherheitsdenken deiner Generation, also was ist schon sicher im Leben... Eigentlich habt ihr viel bessere wirtschaftliche Startchancen als junge Leute von ca. 30 Jahren, bessere Ausbildungen, weniger Konkurrenz, meist mehr finanzielle Unterstützung durch die Eltern.

Wieviel *es reicht zum Leben* heißt, ist natürlich unterschiedlich, das kann man auch individuell so schlecht vorhersagen. Soll es nur für dich reichen, oder musst du irgendwann eine Familie mitversorgen? Oder andersherum, du heiratest reich... :green:

Ich persönlich kann für mich sagen, es hat Zeiten gegeben, die wirklich finanziell sehr happig waren. Da habe ich schon überlegt, ob ich was anderes anfangen soll, kam aber immer zu dem Schluss, dass ich keinen anderen Beruf auf dieser Welt möchte. Mir also was einfallen lassen muss, damit es weiter geht. Und im Moment z.B. läuft es sehr gut. :)

nicht mehr angemeldet

Re: Zweitausbildung zur Keramikerin

Beitrag von nicht mehr angemeldet »

Ich empfehle dir auf jeden Fall ein nicht zu kurzes Praktikum zu machen. So kannst du überprüfen, ob die Realität mit deinen Wunschvorstellungen übereinstimmt. Und kannst das Für und Wider besser abwägen.
Peacock284 hat geschrieben: Da ist das Bedürfnis nach Sicherheit und Stabilität, auf der anderen Seite Identifikation mit dem eigenen Beruf und Freude an der Ausübung. Mir wurde immer gesagt, wenn ich in der Schule über den Gedanken ins Kunsthandwerk zu gehen geäußert habe "Kunst kannst du als Hobby machen, lern einen stabilen Beruf alles andere ist brotloser Erwerb".
Ein zweites Standbein zu haben, für den Notfall oder grundsätzlich, ist nicht schlecht. Reich Heiraten könnte eins sein, eventuell :green: eine längere Erprobungsphase auch hier vorausgesetzt. :green:

Mein Werdegang lief umgekehrt und nach meiner Keramikerausbildung habe ich noch eine zweite zur Ergotherapeutin gemacht. Ein regelmäßiges Einkommen, vor allem wenn man Kinder hat, ist nicht schlecht.
Ich hatte das Glück in einer therapeutischen Einrichtung ausschließlich als Keramikerin arbeiten zu können, in längerwährenden Projekten/Gruppen von mindestens einem halben Jahr jeweils. Da lässt sich auch in keramischer Hinsicht etwas auf die Beine stellen, anders als bei ständigem Wechsel. Auch wenn es oft besondere Lebensumstände waren und weniger die Liebe zur Keramik, die die Leute zu mir geführt hat.
Wobei es nicht bleiben muss. In einem halben Jahr, manchmal bis zu einem Jahr, lässt sich eine Menge vermitteln auch in dieser Hinsicht.
Manchmal allerdings sollte man imstande seinen persönlichen Maßstab und Vorlieben hinten anzustellen.

Mittlerweile sind meine Kinder fast erwachsen, und werden, so Gott will, in hoffentlich nicht allzu ferner Zukunft ihr Erst- und Zweitstudium abgeschlossen haben, japs :green:

Durch das zweite Standbein bin ich schon jetzt in der Lage, unbehindert von ökonomischen Zwängen, meinen keramischen Vorlieben nachgehen zu können - was sehr angenehm ist.
Vielleicht ein Aspekt des Ganzen, auch für dich.

Monili
Beiträge: 18
Registriert: Samstag 15. Januar 2011, 19:15

Re: Zweitausbildung zur Keramikerin

Beitrag von Monili »

Hallo,

ich hatte vor einigen Jahren ähnliche Gedanken wie du. Ein Praktikum empfehle ich dir auf jeden Fall. Bei mir gab es damals übrigens auch Unterstützung vom Arbeitsamt, sowohl praktisch als auch finanziell - man glaubt es kaum :shock: Fragen lohnt sich.
Ich habe mich gegen eine Ausbildung entschlossen, dann aber etwas Ähnliches gemacht.
Vielleicht noch interessant für dich, weil du ja schon viel ausprobiert hast, google mal den Begriff "Scannerpersönlichkeit", bin da neulich drauf aufmerksam gemacht worden. Auf mich trifft es nicht so ganz zu, aber einige Aspekte finde ich hochinteressant.

7.BLUMENFEE
Beiträge: 1
Registriert: Freitag 14. November 2014, 21:20

Re: Zweitausbildung zur Keramikerin

Beitrag von 7.BLUMENFEE »

Hallo Peacock 284,
war ganz interessant deinen Beitrag zu lesen. Ich an deiner Stelle, würde so verfahren wie Isam und der Rest sagt - ein Praktikum in einer Töpferei machen. Ich z.B. habe in der Gastronomie gelernt-ja es war hart und hat trotzdem viel Spaß gemacht. Hier lernt man trotz Stress und "am Ende seiner Kräfte sein" immer freundlich zu bleiben. Dies ist mir bis heute zum Vorteil geblieben. Habe mittlerweile eine große Familie und bin schon oft im Alltag an meine Grenzen gekommen, wobei es Außenstehende nie bemerkt haben. Habe nach meiner Lehre viele verschiedene Tätigkeiten ausgeübt ( Bäckereiverkäuferin, Verkäuferin im kleinen Kaufhaus, war in einer Kerzenfabrik tätig, habe einen Blumenladen geführt...und alten Leuten im Haushalt geholfen) und nun bin ich in der Schule seit mehreren Jahren und leite Kreativkurse.Alles davon hat immer ganz viel Spaß gemacht. Brauchte jedoch nach gewisser Zeit Abwechslung oder habe mich finanziell verbessern können. Zwischendurch habe ich vier Kinder bekommen und meine großen Hobbys Garten und Töpfern verwirklicht. Hört sich vielleicht an als wäre ich steinalt (40!). Übrigens der Beitrag von Monili mit dem "Scannertalent" trifft auf mich wahrscheinlich zu. Ich möchte dir hiermit nur sagen, habe Mut und ergreife die Gelegenheit wenn sich etwas Neues bietet. Man kann dadurch nur gewinnen! Außerdem, du bist doch noch jung.

Liebe Grüße
7. BLUMENFEE

Peacock284
Beiträge: 2
Registriert: Montag 8. Dezember 2014, 20:26

Re: Zweitausbildung zur Keramikerin

Beitrag von Peacock284 »

Ich danke euch für eure Beiträge, ich denke ein Praktikum wäre wirklich von Vorteil, ich muss mir nur überlegen wie ich das Ganze richtig angehe denn schließlich bin ich momentan in Anstellung und möchte das Ganze mit Hand und Fuß angehen. Mal schauen wie ich das Ganze anpacken kann.
Und vielen Dank für die Ermutigungen, es ist gut zu sehen, dass es so manchen Menschen ebenso wie mir geht und wie man so schön sagt "viele Wege nach Rom führen".

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