Raku

Fragen über Bücher, Zeitschriften, sonstige Literatur, Filme etc.
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Rahlstedt
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Raku

Beitrag von Rahlstedt » Mittwoch 19. August 2015, 22:11

Hallo,
ich suche Literatur über das Brennen größerer Objekte (so um 100 cm h) im gasbetriebenen Rakuofen.
Es geht mir um den Bau eines großen Rakuofen und vor allem um das Brennen.
Unser jetziger hat die Höhe der Fasermatte und unten eine Zufuhr für den Brenner-
Braucht ein höherer Ofen 2 Gaszufuhren? Wie ist es mit der Temperatur?
Große Figuren können zum Schrühbrand nicht in meinen Elektroofen- also
wie mache ich einen langen 1X Brand ... Solche und mehr Fragen treiben mich um.

Ich würde mich riesig freuen, wenn jemand mir Hinweise geben könnte.
Mit Dank im voraus
Elisabeth

Gasbrenner
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Re: Raku

Beitrag von Gasbrenner » Donnerstag 20. August 2015, 15:56

Das ist sehr ambitioniert. Welche Geometrie willst Du brennen? Kugel wäre wohl am unempfindlichsten :D. Ein ganz zentralen Punkt ist das Handling einer glühenden Skulptur in der Größe. geeignete Hebepunkte sollten am Stück vorgesehen sein.
Mit Zangen ist da nicht mehr viel zu wollen. Hast Du ein Hubgerät oder eine Laufkatze um das Stück zu heben?

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LeonS
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Re: Raku

Beitrag von LeonS » Donnerstag 20. August 2015, 18:50

Hallo,

Im Westerwald, Höhr-Gernzhausen am IKKG gibt es einen großen RAKU Ofen. Funktioniert zwar etwas anders als das heutzutage übliche Prozedere. Für große Objekte allerdings optimal.
Grüße
Leon

LeonS • Werkstatt für Wunderbares

mimei
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Re: Raku

Beitrag von mimei » Donnerstag 20. August 2015, 19:00

guten abend Elisabeth
das wird alles nicht ganz einfach. in der standartliteratur werden zumeist auch standartoefen beschrieben : tonne, Ikea-eimer ,etc
bei R.PIEPENBURG RAKU POTTERY , Ian Gregory NEUE IDEEN FUER BRENNOEFEN & Camille Virot DOSSIER RAKU werden auch groessere oefen , teilweise mit liegendem brennraum beschrieben . problem :ich schreibe in der regel kein buch ueber meine misserfolge -d.h. als leser kann ich nur vermuten , wieviel arbeit dahinter steckte .und wieviel misserfolge .
deiner beschreibung entnehme ich , dass du bisher in einer tonne brennst .die tonne kann in der hoehe verlaengert werden . 2.tonne entsprechend ablaengen,reifen aufschweissen (lassen),& drueberstuelpen .als verbindung gross dimensionierte kistenverschluesse draufnieten (lassen) aber aus v2a .damit haettest du schon mal ein teil des aussetztens geloest . oberen teil wegnehmen und ran an die ware .
aussetzen : mal googeln , mit welchen werkzeugen im bronzeguss die tiegel ausgesetzt werden.
gas : zwei brenner fuer die hoehe ( ich kenne jetzt aber nicht den umfang ) wird es nicht brauchen . aber eine gasstrasse mit doppelanschluss .bei zwei brennern muss die einlassoeffnung am boden sein , die tonne also stabil auf einem gestell stehen
schrueh im gas ofen : ich schruehe im kleinen hellblauen 70ltr ofen aus Bayern alles was kommt : giesskeramik, porzellanmassen boesnermassen und
tiegelmassen , alles durcheinander und gleichzeitig .
dauernd max. 1 std. bis 900°c.ca. 15% bruch bei giessmassen .der schrueh setzt voraus , dass ich eine flammregulierung habe , den flaschendruck gegen null mindern kann , den brenner von der ofenoeffnung weg-&hinbewegen kann und ein zuverlaessiges pyrometer habe . bis hundert°c mit geoeffneter tuer . danach vorsichig . ist aber quatsch , der oefen heizt und heizt und die gefaehrlichen 300°c habe ich eh innerhalb von 20min. man hoert , ob es geklappt hat .
der letzte ich kenne das absatz ist nicht hilfreich : ich kenne dein moegliches ofenvolumen nicht , weiss nicht , welche masse du nutzt
ein letztes zum aussetzen : wenn es darum geht , nicht nur ein einmaliges event zu haben : ich wuerde mir eine tonne in der noetigen groesse ( hoehe ) herstellen , komplett vertikal aufschneiden , isolieren ,mit scharnieren einseits ,kistenverschluessen andererseits ausstatten . brennen , auseinanderziehen , rausnehmen und reduzieren .setzt vier mitmacher , viel kuchen und bier im anschluss voraus . inkl. dem schlosser.
schoenen abend noch
friedemann

Keramikfriend
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Re: Raku

Beitrag von Keramikfriend » Donnerstag 20. August 2015, 19:45

Hallo Elisabeth,
wenn Du nach passender Literatur über Rakubrennöfen und -techniken Ausschau hälst, kann ich Dir "Meisterhaftes Raku" / "Raku-Ein praktischer Weg" von Steven Branfman sowie "Rakuvaria-3" von Ine und Ed Knops empfehlen. Die letztgenannten führen aller zwei Jahre in Sevenum (Niederlande) ein Raku-Festival durch, wo viele Akteure ihre großen und kleinen Öfen brennen und bereitwillig Auskunft über ihre Techniken erteilen (http://de.rakuvaria.com/festival-info).
Viel Interesse beim Lesen und Erfolg beim Experimentieren!

Rahlstedt
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Re: Raku

Beitrag von Rahlstedt » Sonntag 23. August 2015, 14:09

Hallo,
und vielen Dank für die vielen Infos!! Danach hatte ich geantwortet-aber die ist wohl im Daten- Nirwana gelandet.
Ich versuche es noch einmal.
Meinen Ofen habe ich nach Branfman gebaut (Zaun + Fasermatte, )Brennloch. Innen hat er dann ca. 40X40 cm. Der wurde dann schon mal erneuert,mit einigen Stahlringen versehen, so daß er die Fasson nicht so verliert.Rakuvaria festival war- glaube ich - im Mai 2015 und ist nur alle 2 Jahre.
Die Bücher von Piepenburg,Gregory und Viro habe ich im Internet schon mal recherchiert und denke mal, dass Piepenburg wohl am ehesten in Frage kommt.?.
Wohl leider nur auf Englisch. Also könnte ich 2 Brenner unter anlegen - ich stell es mir nur schwer vor, aus einer senkrecht stehenden und verlängerten Tonne das Objekt zu greifen.Ich habe keine Winde.
Für grosse Teile habe ich mir schon Handschuhe gekauft, mit denen ich gut zugreifen kann, wenn ich meine Ofenwand hochnehme (ist ja leicht), denn mit Zangen ist es wirklich zu schwer - und wir haben auch schon ganz schönen Schaden damit angerichtet.Zu Friedemann noch: Das Schrühen werden ich auf jeden Fall schon jetzt üben, denn meine Teile habe ich immer im E-Ofen bei 900 geschrüht. Pyrometer und Regulierung könnten ausreichen.
Ich brenne gerne den Boesner 107. Wann glasiere ich dann? Oder kann ich den getrockneten Ton vor dem Schrühen glasieren?
Aber die Version der liegenden Tonne mit Scharnieren ..die klingt gut.Ist bestimmt näher im Piepenburg beschrieben. Bei Branfman schau ich auch noch einmal nach.
Und die Sache mit Kuchen und Bier würde auch gehen.Wir sind 3 Frauen, die gemeinsam brennen ( alles Nicht-Schmiedinnen )
Ich hatte sonst schon gedacht, einige Reihen von Leichtfeuersteinen unter den Ofen zu stellen, so daß er höher wird,und wir den Fasermantel nur wieder abnehmen zum Herausholen.
Ich wohne in Hamburg - es ist ein Raku- Heiden-Ort.
Höhr-Grenzhausen ist soo weit weg !sonst würde ich mir das Exemplar gern aussehen.
Ich brenne überwiegnd Figuren - und die Handschuhe sind sehr hilfreich.
Das "U" habe ich gestern schon mal vorweg geschickt und jetzt drücke ich wieder aus "Absenden"- hoffentlich klappt es dieses Mal.
Nochmal ganz herzlichen Dank für die Tipps und Anregungen
Einen schönen Sonntag noch
Elisabeth

Keramikfriend
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Re: Raku

Beitrag von Keramikfriend » Sonntag 23. August 2015, 17:19

Hallo Elisabeth,
vielleicht als Ergänzung: In der Raku-Literatur werden immer wieder die tollsten Ofen-Konstruktionen beschrieben, entsprechend den eigenen Objektgrößen und Brennmaterial modifizert. Im Brennstoff hast Du Dich ja schon mit Flüssiggas festgelegt, für die Feuerung eine bequeme und zuverlässige Methode, zumal Du ja auch damit den Schrühband durchführen willst. Ob ein Brenner für Deine großen Objekte ausreicht hängt einerseits von der Leistung Deines Brenners (kW) ab und natürlich der Abwärme Deiner "Ofenkonstruktion" und natürlich Deiner angestebten Temperatur (1000°C?) Notfalls den Ofen mit einem zweiten Brenner zu erweitern ist nicht das Problem. Viel wichtiger ist das Gewicht Deiner Keramik, um sie einer Nachreduktion zuzuführen. Bei den besagten Raku-Festivals wurden sehr große Objekte durch Beseitigung der Ofenummantelung (Abheben einzelner Ofensegmente oder durch Emporheben mittels "Galgens" als Einmannbedienung) freigelegt und vom stabilen (Schamottesteine/Feuerleichtsteine) Ofenunterbau gehoben oder direkt durch Sägemehl-Anwurf nachreduziert. Bezüglich der "Raku"-Tonmassen habe ich sehr gute Erfahrungen mit den spanischen 40%-ig schamottierten Massen (PRAF bzw. PRAM, Körnung 0,5 bzw. 1,5mm, Sio2-Sibelco ), den K129(Vingerling-Sibelco) und die 11sg/11s50 von Wittgert entsprechend der angestrebten Formgebung gemacht. Sie sind sehr temperarurwechselbständig und "verzeihen" auch kleine Formgebungsfehler.
Zur Erweiterung der Literaturliste: "Handbuch der Keramikbrennöfen"-B. Pfannkuche (sehr ausführlich) und "Neue Ideen für Brennöfen"-Ian Gregory
MfG

Gasbrenner
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Re: Raku

Beitrag von Gasbrenner » Sonntag 23. August 2015, 22:36

Die Bücher und CDs von Ed Knops (Rakuvaria) sind auf jeden Fall empfehlenswert. Wenn es sehr groß und dickwandig werden soll, sind die von Sibelco genannten Massen ok. Ed Knops arbeitet aber auch mit den ganz grob schamottierten Witgert Massen (11 sg 0-5 , 11 sg 0-3 und 2 sg 0-5) Die sind besonders bei dicken Wandstärken super. Die 2 ist lachsfarben. Die 111 von Lehmhuus ist auch gut.
Wenn Du bei kleiner Flamme lange nachtrocknen kannst, spricht nichts dagegen, die Stücke roh zu glasieren. Mach nur langsam bis etwa 250°C, damit auch bei dicken Stücken alles Wasser langsam raustrocknen kann.

mimei
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Re: Raku

Beitrag von mimei » Sonntag 23. August 2015, 23:55

guten morgen
ich moechte zum einmalbrand ,der selbstverstaenlich durchfuehrbar ist , noch eine ueberlegung hinzufuegen . macht man den schruehbrand im vorfeld , hat man die moeglichkeit am gebrannten objekt das aussetzen - auch mehrmals , zu ueben und alle notwendigen arbeitsschritte bis zum reduzieren durchzuspielen . vorausgesetzt, der schrueh hat funktioniert. hat er nicht , haette auch der glattbrand diese voraussetzung nicht erfuellt . irgend win/win
noch einen schoenen montag
friedemann

Rahlstedt
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Re: Raku

Beitrag von Rahlstedt » Montag 24. August 2015, 11:00

Einen guten Morgen,
so viel gute Infos!
Zuerst zu dem Brennofen- Pfannkuche.Klingt sehr gut- deutsch wäre auch von Vorteil--aber der Preis ist exorbitant- so dass es erst zu Weihnachten etwas werden kann.Wäre ein Ziel.
Die gen. Tonmassen von Sibelco und Witgert habe ich notiert und werde sie wohl in Rantzau finden. Wahrscheinlich sind sie stressresistenter als der 107 Boesner,denn das Schrühen sollen die Teile man erstmal überleben.
Ich werde einfache Dinge machen, so dass ein Zerspringen mich nicht traurig macht.
Das Aussetzen habe ich nun mit den Handschuhen, die bis 1000 °belastbar sind , schon einige Male bemacht - zu dem Zweck wird ja der Ofenmantel komplet entfernt, so dass ich gut rankomme - Wenn es zu schwer wird hilft eine mit der Plattschaufel nach. Das ist fast angenehmer und weniger belastend als der Zangenakt.
Die Temperaturen sind - je nach Glasur - 1000°- 1020 °hoch.
Würde denn ein nur Anwerfen von Spänen denn für die Reduktion genügen? Wenn wir auf dem Boden reduzieren mussten ,weil das Objekt nicht in den Red.behälter passte oder zu schwer war, haben wir dann immer noch einen Behälter drübergestülpt. Ansonsten werden die Objekte in den Beälter gehoben,beworfen, zugedeckt.
Meine Herausforderung wird jetzt erstmal das Schrühen sein. Vorher glasieren. Also langsamm bis 250° - etwas halten und dann etwas schneller höher -bis 1000°. Ich glaubte immer, dass ein Elektro-Schrühbrand -da langsamer- für die Haltbarkeit der Objekte etwas besser sei.
So, ich hoffe, dass ich alles aufgenommen habe
und bedanke mich ganz herzlich bei euch
Grüße Ellisabeth

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Re: Raku

Beitrag von Keramikfriend » Montag 24. August 2015, 16:55

Hallo Elisabeth,
zur "Nachreduktion durch Anwerfen von Sägemehl/-späne" - bei einer Nachreduktion gibt es so viele Gestaltungsmöglichkeiten: Krakelee; Lüster; Raku-Schwarz... in einer Tonne oder außerhalb im Sägemehlbett mit Glasur oder ohne (z.B. Eisensulfattechnik). Ich wollte damit nur andeuten, dass bereits im Vorfeld der Formgebung Gedanken über das "was mache ich mit meinem glühenden Objekt" hilfreich wären.
Ed Knops beschreibt in Raku-2 die Risiken einer Bruchgefahr für bestimmter Geometrien der Raku-Objekte (Kugel=klein; ausladende Schale=groß...); aber die o.g. Massen können eine Menge ab!
Viel Spaß beim Experimentieren!
MfG

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