Uhlig Brennofen

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thomasb
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Uhlig Brennofen

Beitrag von thomasb » Freitag 10. Januar 2020, 19:25

Hallo zusammen,

ich habe einen Uhlig Brennofen angeboten bekommen. Die aktuelle Besitzerin würde mir den Ofen schenken. Sie ist froh, wenn sie den Platz wieder für sich hat. Trifft sich gut, weil ich habe Platz und keinen Ofen ;-)

Ich habe mir den Ofen heute angeschaut, kann aber leider nicht so richtig erkennen, ob er für meine Zwecke sinnvoll ist. Funktionieren soll er laut ihr noch, aber er war wohl schon sehr lange nicht mehr in Betrieb. Sie hatte ihn damals neu gekauft.

Innen ist der Ofen etwas ramponiert. Sie hatte offensichtlich die Teile beim Brennen direkt auf den Boden des Ofens gestellt. Sollte man das reparieren? Und wenn ja, wie? Oder kann man das einfach so lassen und nur die Platten austauschen? Gibt es dadurch Einschränkungen bei der max. Temperatur bzw. Stromverbrauch?

Ich mache aktuell hauptsächlich Geschirr und lasse beim Brennservice bei ca. 1230°C brennen. Das schafft dieser Ofen nicht. Es steht drauf max 1200°C. Auf welche Temperatur er wirklich kommt, weiß ich natürlich nicht. Reicht das trotzdem für spülmaschinenfestes Geschirr? Ich benutze aktuell den Sibelco W und Witgert 11. Die haben ja bei 1200° so um die 2% Wasseraufnahme. Reicht das für die Spülmaschine? Oder sollte ich dann lieber auf frühsinternden Ton umsteigen?

Und weiß irgendwer, was für ein Modell das ist? Ich habe bei der Google-Suche nach den Typen-Nummern nichts gefunden.
Eine Bedienungsanleitung habe ich leider auch nicht. Die hat die Besitzerin nicht mehr. Vielleicht hat ja auch zufällig jemand eine Bedienungsanleitung rumliegen?

Ich bin für jede Info zu dem Ofen dankbar!

Uns sorry, falls meine Fragen naiv klingen sollten. Ich beschäftige mich zwar sehr intensiv mit dem Thema Keramik, aber erst seit einem Jahr und es geht halt in einer gewissen Zeitspanne nur eine gewisse Menge in ein Hirn rein ;-)

Viele Grüße
Tom
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thomasb
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Re: Uhlig Brennofen

Beitrag von thomasb » Freitag 10. Januar 2020, 19:27

Anbei noch zwei Bilder
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Maria Ortiz Gil
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Re: Uhlig Brennofen

Beitrag von Maria Ortiz Gil » Samstag 11. Januar 2020, 02:07

Hallo thomasb,

da hat jemand beim Brennen aber gar nicht aufgepasst. Schade.
Auf dem Foto sieht es aus, als ob der Boden nicht aus einer dichten Schamotteplatte ist, sondern aus porösem Schamotte, so wie er auch für die Wände verwendet wird. Das schließe ich daraus, dass mit den Glasurflecken größere Stücke herausgebrochen wurden. Am Besten wird es sein, wenn du ganz niedrige Brennstützen oder kleine Stücke einer zerbrochenen Schamotteplatte als Abstandshalter nimmst und eine neue, saubere Platte über den Schlamassel legst. Es sieht nicht aus, als ob man die versaute Platte herausnehmen könnte.

Was aber ganz gruselig zu sehen ist: die Platten im Ofen sind auf 4, statt auf 3 Stützen gestellt worden, und das auch noch so schlampig, dass der vordere linke Plattenrand nur ganz knapp aufliegt. Das zeugt davon, dass diejenige, die den Ofen bisher genutzt hat, sich vorher nicht kundig darüber gemacht hat was richtig und was falsch ist.
Einsetzplatten werden IMMER auf drei Auflagpunkte gestellt weil sie dann nicht kippeln können. Bei den falschen vier Auflagepunkten würde eine Ecke der Platte sehr wahrscheinlich nicht wirklich aufliegen, also schweben, weil die Stützen niemals auf den Millimeter gleich hoch sein können. Bei Belastung kann das solche Spannungen ergeben, dass die Platte im Brand bricht.

Praktischer Weise setzt man jeweils einen Auflagepunkt in die jeweils hinteren Ecken und einen vorne in der Mitte. Beim Einlegen der Platten, die außerhalb des Ofens am Besten hochkant gelagert werden, greift man mit einer Hand den Rand der Platte, zieht sie leicht hoch und legt die andere Hand flach darunter um die Platte horizontal in den Ofen bringen zu können. Dabei kippt man die Platte leicht schräg nach hinten, damit man sie bequem zuerst auf die beiden hinteren Punkte ablegen kann, zieht dann die flache Hand die darunter liegt raus und lässt sie erst danach langsam auf den vorderen Ablagepunkt absinken. Fü

Maria Ortiz Gil
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Re: Uhlig Brennofen

Beitrag von Maria Ortiz Gil » Samstag 11. Januar 2020, 02:12

hier die Fortsetzung, ich hatte aus Versehen zu früh auf den falschen Knopf gedrückt.

Drei Auflagepunkte sparen außerdem noch Platz im Ofen, da wo der vierte gestanden hätte kann dafür weiteres Brenngut stehen.

Der Riss rechts an der Öffnung dürfte kein Problem sein, den kann man so lassen. man fragt sich freilich, wodurch der wohl entstanden sein mag.

Schönen Gruß
Maria

thomasb
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Re: Uhlig Brennofen

Beitrag von thomasb » Montag 13. Januar 2020, 10:59

Vielen Dank Maria für deine Bewertung! Das ist sehr hilfreich für mich.

Ich denke, ich werde den Ofen auf jeden Fall nehmen, da er mich ja nichts kostet außer etwas Muskelkraft und ein paar Bier für starke Freunde.

Kann jemand was zu dem Steuergerät sagen? Ich kann nur vermuten, wie das funktioniert:
Erst stellt man über den Soll/Ist-Schalter die Ziel-Temperatur ein, z.B. 1100°C. Dann stellt man ein, in wie viel Stunden der Ofen auf z.B. 30% der Ziel-Temperatur hochheizen soll, also wie hier eingestellt in 5 Stunden auf 30% (= 330°C, d.h. 66° pro Stunde). Danach geht's mit Volllast weiter. Pendeln wird die Haltezeit sein, oder?

Demnach würde ich für den Schrühbrand mal folgendes versuchen:
Ziel-Temperatur 950
60% / 7 Stunden
30 min pendeln

Und für den Glattbrand:
1100°
60% / 5 Stunden
30 min pendeln bzw. je nach Glasur

Klingt das vernünftig?

greenday
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Re: Uhlig Brennofen

Beitrag von greenday » Montag 13. Januar 2020, 11:34

Ich habe beinahe den gleichen Ofen hier, nur die Steuerung ist eine andere. Er ist sehr zuverlässig.
Obwohl mein Boden gut aussieht habe ich eine Platte direkt draufgelegt, so könnte ich
sie bei einem "Unfall" herausnehmen putzen oder ersetzen. Ansonsten sieht er doch
ganz passabel aus und gratis das ist doch super.

Maria Ortiz Gil
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Re: Uhlig Brennofen

Beitrag von Maria Ortiz Gil » Montag 13. Januar 2020, 18:24

Hallo thomasb,

hier im Forum findest du einiges über Brennkurven das schon geschrieben wurde.

Auf Anhieb würde ich sagen:
Schrühbrand nicht mehr als 100 Grad in der Stunde bis 600 Grad, dann Vollast.
10 Min Haltezeit reichen bei einem so kleinen Ofen allemal, auch beim Glasurbrand. Kannst Strom sparen.

Den Glasubrand kannst du von Anfang an auf Vollast machen, die Gründe dafür findest du in anderen Beiträgen über Brennkurven.

Schönen Gruß
Maria

thomasb
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Re: Uhlig Brennofen

Beitrag von thomasb » Dienstag 14. Januar 2020, 12:20

Tausend Dank für die guten Tipps!

Vollast bedeutet dann bei diesem "Profi-Pyromat" wahrscheinlich "100%, 1 Stunde", richtig?

Und weiß zufällig jemand das ungefähre Gewicht des Ofens? Damit ich weiß, wie viele Leute ich zum tragen brauche.
Ich hätte jetzt so um die 100kg geschätzt. Ist das realistisch?

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