Ofenumbau

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mädchenkiefer
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Ofenumbau

Beitrag von mädchenkiefer » Freitag 1. Februar 2019, 13:20

Hallo,
ich habe einen Pyrotec 100 L geschenkt bekommen. Er war im Kindergarten im Einsatz und wird nicht mehr gebraucht. Er ist sehr gut in Schuß. Ich habe schon einen MKO und bin am überlegen ob ich aus dem Pyrotec nicht einen Gasofen bauen kann, der sowohl Raku als auch im Hochbrand zu nutzen ist. Habe so was noch nie gemacht und überhaupt keinen Plan.

Ich bin allerdings recht unsicher was den Brenner betrifft. Empfohlen habe ich von der Firma Jäger einen 11 kw Brenner. Ich möchte auch ab und an einen Brand im Gasofen machen, der auf 1250 oder 1260 Grad geht. Hauptsächlich brenne ich aber auf 1220-1245 Grad.

Was meint ihr reicht der Brenner, oder ist der Brenner zu schwach für 100 L ? Und auf was sollte ich noch achten?


Pyrotecofen1-1.jpg
Pyrotecofen2-1.jpg
Pyrotecofen6-1.jpg
Ich hoffe auf viele Tipps. Danke
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Gruß Heike

Es sind die Augenblicke die zählen - nicht die Dinge.

wolle
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Re: Ofenumbau

Beitrag von wolle » Freitag 1. Februar 2019, 15:05

Hallo Heike,
ich habe es persönlich noch nicht gemacht, aber schon darüber nachgedacht.
Folgende Überlegungen:
- Der Ofen hat Bj 88. Da wurde noch nicht über Energiesparen nachgedacht. Die Wandung ist dünn und an den Nuten für den Heizdraht noch dünner. Das geht bestimmt noch für Raku, aber für Steinzeug? Da wird es starke Verluste geben.
- Mein Rohde Rakuofen hat einen 30kW Brenner. Der heizt zügig auf die 1050 Grad auf, allerdings habe ich selten einen vollbepackten Ofen, da ich die Sachen ja heiß rausnehmen will. 11 kW scheinen mir zu knapp. Kommerzielle Gasöfen haben bei 80 Liter Inhalt und guter Isolierung 20kW.
- Die Tonnenöfen sind nicht optimal für eine gleichmäßige Temperaturverteilung. Eine überschlagende Flamme ist schwierig. Der Ofen ist nicht groß genug für Temperaturzonen. Ich erwarte, daß es ein ziemliches Temperaturchaos im Ofen gibt, je nach Besatz.
Gruß,
Wolfgang

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mädchenkiefer
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Re: Ofenumbau

Beitrag von mädchenkiefer » Freitag 1. Februar 2019, 16:38

wolle hat geschrieben:
Freitag 1. Februar 2019, 15:05
Hallo Heike,
ich habe es persönlich noch nicht gemacht, aber schon darüber nachgedacht.
Folgende Überlegungen:
- Der Ofen hat Bj 88. Da wurde noch nicht über Energiesparen nachgedacht. Die Wandung ist dünn und an den Nuten für den Heizdraht noch dünner. Das geht bestimmt noch für Raku, aber für Steinzeug? Da wird es starke Verluste geben.
- Mein Rohde Rakuofen hat einen 30kW Brenner. Der heizt zügig auf die 1050 Grad auf, allerdings habe ich selten einen vollbepackten Ofen, da ich die Sachen ja heiß rausnehmen will. 11 kW scheinen mir zu knapp. Kommerzielle Gasöfen haben bei 80 Liter Inhalt und guter Isolierung 20kW.
- Die Tonnenöfen sind nicht optimal für eine gleichmäßige Temperaturverteilung. Eine überschlagende Flamme ist schwierig. Der Ofen ist nicht groß genug für Temperaturzonen. Ich erwarte, daß es ein ziemliches Temperaturchaos im Ofen gibt, je nach Besatz.
Gruß,
Wolfgang
Hallo Wolfgang,
das stimmt mich jetzt nicht gerade fröhlich. :( Ja ich dachte mir das mit den 11 kw nicht funktionieren kann. Oh Mann, da bekommt man einen guten alten Ofen geschenkt und dann so was....................................

Das mit dem Chaos wäre natürlich gar nicht gut.

Ich hoffe das noch jemand eine Idee hat.
Gruß Heike

Es sind die Augenblicke die zählen - nicht die Dinge.

reinerlie
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Re: Ofenumbau

Beitrag von reinerlie » Samstag 2. Februar 2019, 10:04

Hallo Heike,
grundsätzlich kann man sicher mit (fast) jedem Gasofen für den Hochbrand einen Rakubrand machen, aber nicht umgekehrt.
100 l für einen Gasofen ist sicher sehr wenig, aber hobbymässig würde ich dein Vorhaben durchaus für realisierbar halten.
Du musst zwingend das Prinzip mit überschlagender Flamme realisieren.
Wie man das machen kann, hat Simon Leach in seinem Buch "Pottery Handbook" im Kapitel "Converting an electric kiln to gas" auf 6 Seiten umfassend beschrieben.
Ein Video hat er darüber auch bei youtube.
https://www.youtube.com/watch?v=bVh_Q21-5ZU

Etwas rechnen sollte man auch noch. Wie groß die Gaseintrittsöffnung und der Austritt sein sollten, dafür gibt es Formeln. Das steht alles im "Kiln Book" von Frederick Olsen. Das Buch hilft auch die erforderliche Leistung des Brenners zu ermitteln.
Einen Rakubrenner mit 30 kW halte ich für überdimensioniert.
Wenn alles richtig gemacht wird, sehe ich keine Probleme.
Gruß Reinhard

nuut
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Re: Ofenumbau

Beitrag von nuut » Sonntag 3. Februar 2019, 11:40

Moin,
ich habe 2 umgebaute, runde Toplader mit etwa 60 und 150 Liter Inhalt. Betrieben werden sie jeweils mit 2 Rhodebrennern a 12kw. Der 60er braucht 2-3 h um von 150° auf 1270° zu kommen, der andere ab 3h. Die Temperaturunterschiede betragen bis zu 40°. Der Gasverbrauch beträgt 3-5 und 12-15kg pro Brand. Nachteilig bei meinen 'Bastelbuden' empfinde ich, nb. der Temperaturverteilung, die Atmosphärensteuerung. Die sind da doch sehr heikel, so dass man sie kaum aus den Augen lassen kann.
Zum Vergleich habe ich einen Paddeltherm, 400 Liter, 4 x 12kw. Der benötigt 6-8h und 28-35kg Gas, je nach Besatz und Wetter, bei einem annähernd quadratischen Querschnitt. Die Temperaturschwankungen liegen bei +/- 10° und die Atmosphäre ist gut beherrschbar.

Wenn es sich bei dem 11kw Brenner um den Pyrotec Rakubrenner handelt, würde ich abraten. Mit Dachdeckerbrennern habe ich bei mindestens 20 Versuchen höchstens 3x 1250° erreicht und dass auch nur bei reduzierender Atmosphäre.

Meine Bastelbuden bekam ich in desolatem Zustand geschenkt. Einen funktionierenden Ofen würde ich dafür nicht opfern. Eher den E-Ofen verkaufen und auf einen gebrauchten Gasofen warten. Vorteilhaft ist auch wenn der Gasofen mobil ist. So unterliegt er nicht der Feuerstättenverordnung, was ganz nett sein kann.

Schönen Sonntag
Ralf

keramikart
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Re: Ofenumbau

Beitrag von keramikart » Dienstag 5. Februar 2019, 20:49

topp infos :-)
lG. harry

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mädchenkiefer
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Re: Ofenumbau

Beitrag von mädchenkiefer » Mittwoch 6. Februar 2019, 06:59

nuut hat geschrieben:
Sonntag 3. Februar 2019, 11:40
Moin,
ich habe 2 umgebaute, runde Toplader mit etwa 60 und 150 Liter Inhalt. Betrieben werden sie jeweils mit 2 Rhodebrennern a 12kw. Der 60er braucht 2-3 h um von 150° auf 1270° zu kommen, der andere ab 3h. Die Temperaturunterschiede betragen bis zu 40°. Der Gasverbrauch beträgt 3-5 und 12-15kg pro Brand. Nachteilig bei meinen 'Bastelbuden' empfinde ich, nb. der Temperaturverteilung, die Atmosphärensteuerung. Die sind da doch sehr heikel, so dass man sie kaum aus den Augen lassen kann.
Zum Vergleich habe ich einen Paddeltherm, 400 Liter, 4 x 12kw. Der benötigt 6-8h und 28-35kg Gas, je nach Besatz und Wetter, bei einem annähernd quadratischen Querschnitt. Die Temperaturschwankungen liegen bei +/- 10° und die Atmosphäre ist gut beherrschbar.

Wenn es sich bei dem 11kw Brenner um den Pyrotec Rakubrenner handelt, würde ich abraten. Mit Dachdeckerbrennern habe ich bei mindestens 20 Versuchen höchstens 3x 1250° erreicht und dass auch nur bei reduzierender Atmosphäre.

Meine Bastelbuden bekam ich in desolatem Zustand geschenkt. Einen funktionierenden Ofen würde ich dafür nicht opfern. Eher den E-Ofen verkaufen und auf einen gebrauchten Gasofen warten. Vorteilhaft ist auch wenn der Gasofen mobil ist. So unterliegt er nicht der Feuerstättenverordnung, was ganz nett sein kann.

Schönen Sonntag
Ralf
Hallo Ralf,
vielen Dank für die Infos. Dann wird das wohl eher nix mit dem Umbau. Zu viele Ungewissheiten und große Temperaturunterschiede kann ich nicht gebrauchen. Der Ofen ist einfach zu klein :( und ich werde ihn nicht opfern dafür.
Gruß Heike

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Re: Ofenumbau

Beitrag von mädchenkiefer » Mittwoch 6. Februar 2019, 07:10

reinerlie hat geschrieben:
Samstag 2. Februar 2019, 10:04
Hallo Heike,
grundsätzlich kann man sicher mit (fast) jedem Gasofen für den Hochbrand einen Rakubrand machen, aber nicht umgekehrt.
100 l für einen Gasofen ist sicher sehr wenig, aber hobbymässig würde ich dein Vorhaben durchaus für realisierbar halten.
Du musst zwingend das Prinzip mit überschlagender Flamme realisieren.
Wie man das machen kann, hat Simon Leach in seinem Buch "Pottery Handbook" im Kapitel "Converting an electric kiln to gas" auf 6 Seiten umfassend beschrieben.
Ein Video hat er darüber auch bei youtube.
https://www.youtube.com/watch?v=bVh_Q21-5ZU

Etwas rechnen sollte man auch noch. Wie groß die Gaseintrittsöffnung und der Austritt sein sollten, dafür gibt es Formeln. Das steht alles im "Kiln Book" von Frederick Olsen. Das Buch hilft auch die erforderliche Leistung des Brenners zu ermitteln.
Einen Rakubrenner mit 30 kW halte ich für überdimensioniert.
Wenn alles richtig gemacht wird, sehe ich keine Probleme.
Gruß Reinhard
Hallo Reinhard,
nach reiflicher Überlegung bin ich zu dem Entschluss gekommen, diesen Ofen nicht umzubauen. Das Risiko ist mir einfach zu groß und nur für Raku zu brennen ist die Umrüstung viel zu teuer. Eine Rakutonne habe ich auch und die bringt, dank der Isolierungsmatte 1250 C°. Da bau ich mir besser einen Deckel für die Ofenschließung an der Feuerstelle. Ist ein Rakuofen für Holz. Da hatte ich mal einen Hochbrand drin gemacht und es hat sogar funktioniert. Um meine Spielfreude kann ich allemal damit befriedigen. Alles andere wird sich ergeben.

Ganz lieben Dank für deine Infos Reinhard. Es juckt immer noch in den Händen mal einen Gasofen zu bauen oder zu gebraucht zu kaufen. Ich habe es mir die Entscheidung nicht leicht gemacht.
Gruß Heike

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