Töpfer-Leben-Minimum

Rund um die Selbstständigkeit und das Angestelltenverhältnis

Rechtliche Beratung darf nicht erfolgen!
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Pit
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Töpfer-Leben-Minimum

Beitrag von Pit »

Der Harry hat es in dem anderen Thema angeschnitten. Was kostet das Leben als selbstständiger Töpfer in Deutschland? Eventuell doch sehr hilfreich, wenn man mal sehen kann was Andere wofür bezahlen...

Ich kann mal ein wenig bei mir verraten:
Krankenkasse 190/Monat (private KK)
Berufsunfähigkeitsversicherung 45 Euro/Monat
Privathaftpflicht + Unfall Versicherung 17 Euro/Monat
Betriebsinhaltsversicherung: 65 Euro/Jahr
Steuerberater 66 Euro/Monat
Telefon/Internet: 40 Euro/Monat
Die GEZ raubt einen ja auch mehr oder weniger aus....
Altersvorsorge: nichts - normal sollten es aber schon so 100 sein, oder?
Autohaftpflicht + Steuer: 60/Monat
im ADAC sollte man als so viel fahrender Töpfer auch sein.
Werkstattmiete: hat ja jeder individuell oder gar nicht. ich muss mieten :(
Strom und Wasser bin ich sparsam, aber doch mit mind. 35 Euro im Monat dabei.

Gerade beim Auto kommt ja viel mehr dazu. TüV, Reifen, Strafzettel.
Man hat das Material wie Glasur etc vorzufinanzieren. Da liegen schon mächtig Werte herum in der Werkstatt.
Wenn der Ofen oder die Scheibe kaputt geht - sollte man auch liquide sein, sonst kommt ja kein Geld mehr rein.

Und garantiert hab ich einiges vergessen....
Die Extraausgaben für Marktgebühren, Marktstand, Benzin, Kontoführung, IHK (oder Handwerkskammer), Reisegewerbekarte etc. kommen hinzu.
Das muß ja erstmal monatlich hereinkommen.
Dann nimmt der Staat uns davon nochmal 19% weg.
Und von dem was bleibt - kauft man dann seine Kleidung, Lebensmittel, Miete und ne Playstation für die lieben Kinderlein zu Weihnachten...
Ich sollte davon mehr Lotto spielen....

hille
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Beitrag von hille »

Hallo Pit,
da fällt mir doch gleich auf, daß du keine betriebliche Haftpflicht hast. Also meine deckt Privat- und Betriebshaftung ab und mein Liebster ist auch noch mit drinne und kostet im Jahr 152€, macht also weniger als 13€ im Monat. Also da finde ich meine wirklich günstig, und ich habe sie noch nicht einmal selbst gefunden. Die haben mir von sich aus ein Angebot unterbreitet. Vorher hatte ich auch nur eine private Haftplicht, weil die Prämien, die mir andere Gesellschaften für eine Töpferei genannt hatten, meistens einfach Wahnsinn waren (bis zu 500€/Jahr).
Und ich bin in der gesetzlichen KV und zahle dort 142€ im Monat. Das war Verhandlungssache und das zeigt, manchmal muß man einfach nur mit den Leuten reden, dann geht schon was. Was IHK und HWK-Beiträge angeht, so habe ich den Eindruck, bei der HWK muß man immer zahlen, bei der IHK ist es hier im Bezirk so, daß Kleinunternehmer beitragsfrei sind. Wenn man sich als freischaffender Künstler anmeldet, dann gehört man zu keiner Kammer, muß also auch nirgendwo zahlen.
Steuerberater ist auch so eine Sache. Es kommt natürlich darauf an, wie kompliziert die eigenen Geschäftsabläufe sind, aber oft kann man das als kleiner Töpfer doch prima selber machen. Ich empfinde es eher als Vorteil, immer auch selbst den Überblick zu haben.
Altersvorsorge habe ich auch noch keine, ich habe mir aber für dieses Jahr fest vorgenommen, mich drum zu kümmern. :)
Hille

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Pit
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Beitrag von Pit »

genauso habe ich mir das vorgestellt.... mal an infos und zahlen anderer zu kommen.
also @hille - könntest du mir bitte per pn mal den namen der betriebshaftpflicht-versicherung geben? und welche KK bist du? ich war vorher bei der Techniker KK. da gab es nichts zu verhandeln. die wollten 280,- - BASTA!
denn meine private haftpflicht wollte ich ohnehin mal kündigen und in sowas umwandeln.
IHK - ist bei mir auch umsonst... weil ich halt son armes würstchen bin.
was die steuer angeht, muss ich sagen das es mir das noch wert ist. ich glaube ich habe vorm finanzamt einfach mehr ruhe mit steuerberater. ok, der jahresabschluss haut mit 400 euro immer fett rein. aber in dem fall versuche ich mich auf meinen job zu konzentrieren und zieh einmal im jahr den steuerberater-extra-tag durch. da arbeite ich voll durch und habe dann am abend die 400 zusammen.... mir lieber so, als erst vorm rechner alles zu fuzzeln und am ende die hälfte zu vergessen.

altersvorsorge mach ich bei ner bank, sonst kassiert irgend ne versicherung noch mit. und die haben fette verwaltungen die gern mal 15% vom geld für sich brauchen...
was meinen strom angeht, kann schonmal sein das ich nur einen ofen im monat brenne. wenn kleinkram anliegt ist da extrem viel wert drinnen und das braucht kaum platz... dauert aber eben in der herstellung.

hille
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Beitrag von hille »

Also ich habe gestern meine Steuererklärung abgegeben und war in fünf Minuten fertig auf'm Finanzamt. Wenn irgendetwas unklar ist, kann ich es höchstpersönlich direkt erklären. Und bei den Summen, um die es bei mir geht, denke ich immer, soviel kann kein Steuerberater bei mir noch zum Absetzen finden, wie er mich kostet. Außerdem gibt es auch Steuerberater, die Scheiße bauen. Aber klar, wenn man überhaupt keinen Bock auf diesen ganzen Kram hat, dann gibt man ihn trotzdem lieber ab.
Hille

hille
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Beitrag von hille »

Oh je, oh je. Ich sehe schon wieder einen neuen Job auf mich zukommen! Nach Keramikerin, Marketingfachfrau und Steuerberater auch noch Anlageprofi! :wink:
Hat hier schonmal jemand "gerürupt"?
Hille

Piel
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Beitrag von Piel »

Hallo Allerseits

Ich bin zwar kein Keramiker sondern freiberuflicher Holzgestalter, aber
diese "Überlebensthemen" sind wohl bei den meisten selbstständigen
Kunsthandwerkern gleich.

@hille - Riesterrente geht bei Selbständigen nur wenn der Ehepartner
einen Sozialabgabepflichtigen Job hat, - so sieht´s grad bei uns aus.

Ich bin seit 20 Jahren über die Künstlersozialkasse versichert mit
z.Z. 128,- Monat. - der Rentenanteil liegt bei 66,- und wird mir in
weiteren 20 Jahren die Wahnsinnsrente von ca 350,- bescheren, -
also auch nicht das gelbe vom Ei.

weiterhin frohes Schaffen wünscht:
Piel

hille
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Beitrag von hille »

Hallo Piel,
ich meinte ja Rürup und nicht Riester. Aber da kann man schonmal durcheinanderkommen. Als KSK-Versicherter bräuchtest du übrigens für Riester noch nicht einmal ein Eheweib, aber da du ja nun eines hast... :wink:
Und sei trotz allem froh, daß du vor 20 Jahren in die KSK reingekommen bist. Überleg' mal, was du sonst allein für die Krankenversicherung zahlen würdest. Aber heutzutage ist die KSK für Kunsthandwerker ja praktisch unerreichbar. Vorgestern hat mir eine nette Dame vom Bundesverband Kunsthandwerk nochmal erklärt, wichtig für die KSK sei vor allem die Vermarktungsschiene. Verkaufst du im eigenen Laden und auf Märkten: kein Künstler! Verkaufst du über Galerien und Ausstellungen: Künstler! Was du überhaupt machst: uninteressant! :x
Hille

Blubb
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Beitrag von Blubb »

Hallöchen,

ich bin neu hier und auch kein Keramiker sondern Malerin und etwas älter ist der Beitrag hier auch schon, aber ich dachte ich sag da mal was zu.

Daß man seine Sachen nur über Galerien und Ausstellungen verkaufen darf um von der KSK genommen zu werden stimmt definitv nicht. Zumindest weiß ich davon nichts. Denn ich verkaufe nahezu nur auf Märkten oder eben über Empfehlungen und nehme nahezu gar nicht an Ausstellungen teil oder stelle gar in Galerien aus. Das muß man zwar bei der Bewerbung nachweisen, daß man das bereits hat, dabei geht es aber mehr darum zu belegen, daß man auch bemüht ist seine Sachen an den Mann zu bringen und die Sache nicht nur als Hobby betreibt und sich durchschmarotzen will. Und das ist im Normalfall beim Künstler eben eine Ausstellung. Schlußendlich fragen wo und wie ich meine Arbeiten verkaufe tut keiner. Verkäufe über Märkte sind nur schlecht nachzuweisen, denn schließlich stellt man da keine Rechnungen aus oder bekommt das Geld gar aufs Konto überwiesen. Genau solche Zahlungsbelege muß man aber beifügen, wenn man seinen Antrag ausfüllt. Auch die Tatsache ob man beim Finanzamt als Künstler anerkannt ist oder einen Gewerbeschein hat ist nicht ausschlaggebend für eine Aufnahme.
Kunsthandwerker werden einfach nicht mehr aufgenommen. Gerechtfertigt oder nicht. Dennoch zählt im Endeffekt einfach die Originalität und eben die Individualität. Dann denke ich hat man auch als "Keramiker" Chancen aufgenommen zu werden. Warum eigentlich nicht speziell für den Antrag bei der KSK einige prägnante extrem tolle Superteile herstellen? Fällt mir gerade so ein. Es verbietet einem ja keiner zusätzlich gut verkäufliche, nicht so einzigartige Produkte herzustellen.
Des weiteren gilt es auch hartnäckig zu sein und auch einen Brief vom Anwalt nicht zu scheuen, sollte erst einmal eine Absage eintrudeln. Ein Freund von mir hat das gemacht und schwups wurde er angenommen. So teuer ist das nicht und anscheinend doch sehr hilfreich. Schließlich ist und bleibt die KSK eine Behörde, die selbstverständlich so wenig Geld wie möglich ausgeben möchte und somit auch gerne unberechtiger Weise Leute ablehnt, die sie eigentlich aufnehmen müsste. Die arbeiten also auch nicht unbedingt mit fairen Mitteln.

Also dann, viel Erfolg bei der Bewerbung,
Blubb

Blubb
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Beitrag von Blubb »

Merke gerade daß ich den Beitrag falsch eingestellt habe, wollte ihn eigentlich woanders hinsetzen, sorry. Aber ich hoffe er hilft trotzdem weiter.

Blubb

hille
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Beitrag von hille »

Also ich habe die Aufnahmekriterien für die KSK hier. Wenn man kein künstlerisches Studium hat, dann ist es für Keramiker einfach sauschwer. Das entscheidende Kriterium ist laut KSK NICHT die Qualität der Arbeit. Sie würden auch in Teufels Küche kommen, wenn sie sagen würden, das ist jetzt Kunst, jenes nicht. Daher gehen sie den Umweg, den auch das Verfassungsgericht gewählt hat, Künstler ist derjenige, der von seiner Umwelt als Künstler angesehen wird. Der Verkauf über Galerien und Ausstellungen ist ein Indiz dafür. Oder wenn man einen Kunstpreis gewonnen hat. Oder wenn einem eine namhafte Kapazität bestätigen kann, jawohl, dieser Mensch ist ein Künstler. Es ist bescheuert, aber das kommt nunmal dabei raus, wenn man etwas definieren muß, was sich laut Definition nicht definieren läßt. :wink: Und da gibt es doch den Spruch "Ungerechtigkeit muß sein, sonst kommt man zu keinem Ende!" O.K., der Tip mit dem Anwalt ist nicht schlecht, aber, na ja, macht eben nicht jeder.
Hille

Blubb
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Beitrag von Blubb »

Ich wollte mit meinem Eintrag auch nicht den Eindruck erwecken, daß es einfach wäre, erst recht als Keramiker, in die KSK zu kommen, ich kenn mich da ja auch nicht aus, bin ja keiner. Aber zumindest etwas Mut machen, es zu versuchen und in dem ein oder anderen Fall eben auch durchaus einen Einspruch zu riskieren. Das muß man abwägen. Denn wie gesagt, richtig teuer ist so ein Brief vom Anwalt nicht, vor allem im Vergleich damit, was man sich im Fall einer Aufnahme sparen würde.

Blubb

hille
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Beitrag von hille »

Mut machen ist immer gut! :wink:
Hille

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