Hilfe!Ich will mich selbständig machen. Aber als "was&q

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kirsten
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Hilfe!Ich will mich selbständig machen. Aber als "was&q

Beitrag von kirsten » Dienstag 14. August 2007, 18:00

Hallo, (bitte bitte weiterlesen, auch wenn es viel ist... )
das Thema wurde hier schon öfter diskutiert, aber trotzdem frage ich...

ALSO: Ich bin im nächsten Jahr mit meiner Ausbildung zur staatl. geprüften Keramikgestalterin (FS Höhr-Grenzhausen) fertig und möchte mich selbständig machen. Ich möchte (erstmal) eine kleine Werkstatt/Atelier haben und auf Märkten meine Ware anpreisen. Ich möchte zwar u. a. Gebrauchsgeschirr herstellen, dieses werden aber dennoch keine Serien.
So, nun mehrere Fragen (oh Gott, wie sortier ich die, damit Ihr es noch versteht... :? )
1. Muß ich, um als "Freie Künstlerin" arbeiten zu können, beim Finanzamt als Künstlerin gelten UND in der KSK versichert sein (Alternative z. B. als Familienversicherte bei meinem zukünftigen Mann?) Also geht das, daß ich beim Finanzamt als "Freie Künstlerin" gemeldet bin und trotzdem NICHT in der KSK bin? (Doofe Frage irgendwie...)
2. Ich habe mal gehört, daß die Bezeichnung "Einzelstück" für Sachen gilt, die max. 20mal hergestellt wurden und das dieses auch für Gebrauchsgeschirr gilt (also 20 Tassen, dann wieder'ne neue entwerfen). Stimmt das? - Ich frage, weil ich, um in der KSK versichert sein zu können, "Einzelstücke" herstellen muß...oder nicht oder wie :?:
3. Wie ist es, wenn ich als Künstlerin gemeldet bin, aber trotzdem zusätzlich Sachen verkaufe, die nicht als "Kunst" angesehen werden (also höhere Steuer)... Kann ich da zweigleisig fahren oder muß ich mich noch zusätzlich als was anderes melden?
4. Wenn ich in der KSK bin, muß ich auch Ausstellungen machen. Gilt als Ausstellung auch der Verkauf in einem Laden, der z. B. einem anderen Keramiker gehört?
5. Was ist, wenn ich nicht als "freie Künstlerin" anerkannt werde. Als was kann ich mich dann melden (Bloß kein Gewerbe!) ?
6. Wenn ich z. B. bei der Handwerkskammer eingetragen bin, habe ich dann auch gleichzeitig ein Gewerbe???
7. Wie ist das überhaupt mit dem Gewerbe...was würde da auf mich zukommen?

Fragen über Fragen...

Mmh...vielleicht kann mir ja irgendjemand meine Fragen beantworten oder zumindest beschreiben, wie er/sie es macht...Bei uns in der Schule wird das alles sehr theoretisch angesprochen, irgendwie komme ich da nicht weiter...

Und noch eine Frage : Hat irgendjemand schon mal ein Existenzgründungsseminar besucht und kann es weiter empfehlen?

Liebe Grüße aus HGH, Kirsten :roll:

kirsten
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Beitrag von kirsten » Dienstag 14. August 2007, 18:06

Ach und noch was,

muß ich dann als freie Künstlerin auch in den Berufsverband der freien Künstler, auch wenn ich nicht in der KSK bin? Und wenn ich nicht freie Künstlerin bin, in welchen Berufsverband müsste ich dann? Ich bin ja keine ausgebildete Keramikerin, ich bin Keramikgestalterin (Weiterbildung für Keramiker, ich bin Quereinsteiger)
Muß ich überhaupt in einen Berufsverband?

Ist vielleicht ein bisschen viel für dieses Forum, oder :oops: ?

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Pit
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Beitrag von Pit » Dienstag 14. August 2007, 19:12

boar ey - da bekommt man ja nen schweren kopf schon vom lesen....
aber so ähnlich war das in mir auch mal.
eines kann ich dir sicher beantworten: so ein existenzgründerseminar ist grütze. zumindest diese kurzen über 3-4 tage von der IHK. ich habe meinen gemacht, da war ich schon 2 jahre selbstständig. es ging aber um so gutscheine die man daraufhin bekam. die eingekauften dozenten dort haben alle nur ihren stiefel runter erzählt. ätzend und weit weg von aller praxis.

so und nun alles wie ich es sehe - aber nicht 100% weis.
KSK - musst du mit keramik heutzutage erstmal reinkommen. ganz schwere sache!

wenn du über deinen mann mitversichert bist, denke ich ist das doch optimal.
am anfang sollte es eigentlich reichen, wenn du dich auf deinem finanzamt meldest und als freiberuflicher künstler loslegst.
ich bin damals gleich auf mein gewerbeamt gegangen. dort war eine nette frau, die hat mit mir mein gewerbe so "umbenannt" - das ich kein töpfer mehr war. so weis die handwerkskammer bis heute nichts von mir. dafür bin ich in der IHK. ist aber problemlos da.
mittlerweile habe ich mein gewerbe ausgebaut. töpfern nimmt 90% meiner zeit in anspruch. aber ich habe auch andere einkommensquellen. ich sehe es auch als legitim und selbstverständlich - auch andere dinge zu verkaufen. wenn es zur keramik passt... - warum nicht auch holzlöffel, glastiere oder anderes kunsthandwerk handeln?

kann also deine angst vor dem gewerbe nicht ganz nachvollziehen. man wird ohnehin nicht so reich das gewerbesteuern und ihk-mitgliedsbeiträge in astronomische höhen klettern. ich finde immer kosten zum gegenrechnen :oops:

unterm strich sehe ich es so: einfach machen. es ist ein freies land. wer will / darf einem noch was verbieten? wenn ein mensch sagt: ich will arbeiten und mein lebensunterhalt selber erarbeiten - warum sollte der staat nein sagen? damit einer mehr hartz IV bekommt?

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Günter
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Beitrag von Günter » Dienstag 14. August 2007, 19:23

Wie schon öfters erwähnt: müssen tust du eigentlich gar nix, ausser Steuern zahlen! Das ist die erste Bürgerpflicht und wenn jetzt auch Harry sich aufregt: heutzutage muß kein Keramiker mehr zur Handwerkskammer, ausser er will.
Praktisch also: kein Gewerbe anmelden, sondern sich einfach eine Steuernummer beim Finanzamt holen als künstlerisches Keramikatelier.
Eine ganz andere Frage ist die Kranken/Renten-Versicherung: die ist schweinisch teuer als Selbständige, wenn du nicht in die Gnade kommst, das die KSk dich aufnimmt - das tun die aber längst nicht mehr so einfach wie früher. Kriterien: Du must einen bestimmten Umsatz mit Kunst machen, und diesen Umsatz must du in Gallerien etc. erzielen. Eigener Laden oder Märkte zählen NICHT, weils ja dann keine Kunst sein kann...
Also schau, daß du dich wenns irgend geht bei jemnad anderen versichern kannst!
Weitere Verbände sind ganz nach deinem Gusto und helfen zwar bestimmt für die bekannten Ausstellungen und Gallerien, die haben aber auch Aufnahmekriterien...
Günter

hille
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Beitrag von hille » Mittwoch 15. August 2007, 10:50

Hallo Kirsten,
na, schon schlauer? Um vielleicht wirklich mal was konkret nachlesen zu können, versuche doch mal an Literatur zur Existenzgründung zu kommen. Kaufen, Stadtbücherei, von Bekannten ausleihen, egal. Auch ein Existenzgründerseminar kann hilfreich sein. Es stimmt zwar schon, die rattern ihren Text runter und so Mini-Existenzen wie sie das Keramikerleben oft darstellt, sind da eigentlich nicht vorgesehen, aber auch wenn man nur 10% vom dort erfahrenen gebrauchen kann, dann ist das schon was.
Ansonsten kann ich auch nur folgendes bestätigen:
Du gehst zum Finanzamt und meldest dich dort als freischaffende Künstlerin. Wenn deine Umsätze unter ca. 17000€ im Jahr liegen, kannst du die sogenannte "Kleinunternehmerregelung" in Anspruch nehmen. D.h., du mußt keine Umsatzsteuer abführen, bekommst aber auch keine erstattet. Erspart Arbeit und Geld, kann aber von Nachteil sein, wenn du hohe Anfangsinvestitionen tätigst. Wenn du den ermäßigten Umsatzsteuersatz von 7% für Kunst irgendwann in Anspruch nehmen möchtest, dann ist es hier in Rheinland-Pfalz so, daß sich einmal im Jahr eine Komission trifft, der man seine Werke vorlegt. Die entscheiden dann ob Kunst oder nicht. Das läuft alles über's Finanzamt. In anderen Bundesländern kann dieses Verfahren aber anders geregelt sein, da mußt du nachfragen.
Die Künstleranerkennung vom Finanzamt heißt aber nicht, daß du damit automatisch Zugang zur KSK hast. Die haben ein eigenes, sehr rigides Verfahren. Vielleicht hast du mit deinem Gestalterabschluß Glück. Wenn du eh' heiraten willst, dann ist die Familienversicherung eine Alternative (aber nicht jetzt deswegen heiraten :wink: ).
Bei Berufsverbänden, egal ob Bildende Kunst oder Bundesverband Kunsthandwerk, wird man nicht automatisch Mitglied, ganz im Gegenteil. Auch dort muß man sich um die Mitgliedschaft bewerben und kann auch abgelehnt werden. Vorher solltest du dir überlegen, was du von so einer Mitgliedschaft erwartest und ob die dir das auch bieten. Sonst kostet es nämlich nur unnötig Beitrag.
Ansonsten kann ich dir nur nochmal raten, mach dich so schlau wie möglich, überlege dir genau, wie das alles mal aussehen soll und überstürze nichts. Hast du Ersparnisse oder jemanden, der dich finanziell unterstützt?
Hille

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Günter
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Beitrag von Günter » Mittwoch 15. August 2007, 11:31

[quote="Harry"]
Und ach ja, kannst du mir auch nen Tip geben, ob ich mein Handwerk so ohne weiteres wieder abmelden und ein Keramikkunstatelier anmelden kann :wink:
Harry[/quote]

Hallo Harry, das habe ich auch schon überlegt - nur kenne ich niemand, der das versucht hat...
Und du weißt ja: was die Kammer hat, das gibt sie nicht mehr gerne her. Muß ja irgendwie die Notwendigkeit ihrer Existenz beweisen.

Günter

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Beitrag von kirsten » Samstag 18. August 2007, 18:10

Hallo Ihr Lieben!

Ich möchte mich ganz herzlich für Eure Tipps bedanken! Jetzt bin ich schon etwas weniger verwirrt.
An Hille: Nein, ich habe NICHTS Erspartes :( Aber ich werde bei der Bank um einen Existenzgründungskredit anfragen, entweder über die KfW-Bank oder über die normale Hausbank. Eins von beiden MUSS klappen :shock: (Ist ja auch nicht soooo viel, was ich brauche...Ofen, Tonschneider, ganze Werkstatteinrichtung, Bus?, ...mmh)

Liebe Grüße und Gutes Schaffen
Kirsten

hille
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Beitrag von hille » Sonntag 19. August 2007, 10:44

Ohhhh, ohhhh, nix auf der hohen Kante und dann noch Kredit dazu. Ich will dir ja keine Bange machen, aber in dem Fall mußt du ganz schön schnell vernünftige Umsätze machen, damit das funktioniert. Und wenn ich mir dann so anschaue, was ich verdiene und die meisten der Kollegen... Vielleicht doch noch nebenher arbeiten gehen?
Hille

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Pit
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Beitrag von Pit » Montag 20. August 2007, 21:56

ich würde auch nicht mit kredit rumwirtschaften. in dieser branche halte ich das für recht gefährlich.

fang klein an. stück für stück alles anschaffen, statt einmal alles komplett.
um scheibe (falls) und ofen, material und eine werkstatt kommst du nicht umhin. die ersten märkte tut es ein pkw (mit anhänger evl) auch.
es dauert ja ne weile bis man soviel hat, um nen marktstand zu füllen.

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Beitrag von hille » Dienstag 21. August 2007, 10:18

Clever, clever, lieber Harry, das mit der Geldanlage. Und mit etwas Glück hat sie nach den 10 Jahren damit mehr verdient als mit Keramik. :mrgreen:
Aber ich glaube, Kirsten möchte das Geld ausgeben, dann funktioniert der Plan natürlich nicht. Schaaaade!
Hille

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Pit
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Beitrag von Pit » Mittwoch 22. August 2007, 12:17

genau: was macht der töpfer, welcher eine million euro im lotto gewonnen hat???
richtig -------> Er fährt solange weiter auf Märkte bis das Geld alle ist. :lol:

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Beitrag von bernd888 » Samstag 15. Dezember 2007, 18:12

Günter hat geschrieben:Heutzutage muß kein Keramiker mehr zur Handwerkskammer, ausser er will.
Praktisch also: kein Gewerbe anmelden, sondern sich einfach eine Steuernummer beim Finanzamt holen als künstlerisches Keramikatelier.
Wie ist das mit der gesetzlichen Unfallversicherung ?
Muss man in irgendeiner Berufsgenossenschaft versichert sein ?

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Beitrag von hille » Samstag 15. Dezember 2007, 18:18

Nein, wenn du dich als Freischaffender beim Finanzamt meldest, dann hast du auch nichts mit der Berufsgenossenschaft zu tun.

bernd888
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Beitrag von bernd888 » Samstag 15. Dezember 2007, 18:24

Und wie ist das, wenn man ein Gewerbe anmeldet ?
(Ich habe gerade auf der Website der Berufsgenossenschaft Keramik - die ist ja wohl zuständig - gesehen, dass der Unternehmer selbst und Selbständige auch befreit sind.)

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