kann man von sowas leben?

Rund um die Selbstständigkeit und das Angestelltenverhältnis

Rechtliche Beratung darf nicht erfolgen!
vanessa
Beiträge: 124
Registriert: Freitag 18. Juli 2003, 09:43
Wohnort: potsdam
Kontaktdaten:

kann man von sowas leben?

Beitrag von vanessa »

als eine art umfrage würde mich mal interessieren, wer von euch hier im forum eigentlich auch seine keramiken zum verkauf anbietet. in einem laden ,auf den markt?
ich hab einen laden an meiner werkstatt und bin heut total entnervt davon.nicht davon ,sondern von den kunden die heute kamen.eine ganz eigene spezies.
eigentlich wüßte ich auch gern,wie ihr damit so klarkommt.
zum beispiel wenn sie fragen ,"kann man von sowas leben?"

Benutzeravatar
ralf burger
Beiträge: 203
Registriert: Montag 30. Juni 2003, 09:38
Wohnort: Riegsee
Kontaktdaten:

verkauf und leben

Beitrag von ralf burger »

Hallo vanessa,
also das klingt mir sehr nach den typischen Erfahrungen... wie langemachst Du das schon?
Ich finde es auch schön, wenn einen Leute ansprechen: "ich habe auch schon mal einen Kurs bei der VHS gemacht" (ich bin seit 13 Jahren voll dabei, und lebe auch, wie ist eine andere Sache, davon)

Aber, ich denke der Frust, den man hier hat ist zum größten Teil ungerecht, denn es ist ein wirkliches Unwissen über einen nun fast schon im Aussterben (und bei Geschirrtöpfern bin ich mir nicht mal sicher, ob der Beruf nicht schon gestorben ist, zumindest so wie ich ihn mir vorstelle) befindlichen Beruf.

Aber genug der Moral, vielleicht kann auch in diesem Formum mal schön gelästert und Anekdotiert werden, denn hier sind die Kunden Fern, und der Frust muß auch irgend wo hin.

Schöne Sprüche sind auch:

"So schön ist das, aber ich habe einfach keinen Platz mehr."

"Was Arbeiten Sie denn sonst?"

Gut war auch der Anblick des Vertreters, der mir ein Rentengutachten erstellen wollte, und mich fragte mit wieviel Geld ich auskomme. Ich habe die Summen, die ich doch gut kenne noch aufgerundet, und er hat nicht wirklich gelglaubt, dass ich irgend eine Ahnung habe vielwiel Geld ich brauche... (Beim Zusammenrechnen, meiner Ausgaben kam er dan auf 80 Euro weniger im Monat... er wunderte sich etwas...)

so viele nette erlebnisse gäbe es da noch...
ciao
Ralf

vanessa
Beiträge: 124
Registriert: Freitag 18. Juli 2003, 09:43
Wohnort: potsdam
Kontaktdaten:

Beitrag von vanessa »

hallo ralf ,
das sind ja auch nicht gerade mut machende sätze.
und du machst das nun schon so lange.

wie hält man das durch?und gibt es dafür monate ,wo es viiiiiieeeel besser ist?

ich mach das tatsächlich noch nicht soooo lange.
ich habe auch einen laden gemietet und denke daß ich das nicht immer kann.

aber was mach ich dann???

die leute loben daß sich die balken biegen und dann gehen sie und wünschen viel glück ,aber sie kaufen nichts.
sie haben alles voll mit zeug oder es wäre zu schade das zu benutzen.
"wie kommen sie zu solchen preisen?"immerzu muß man sich rechtfertigen ,dabei hab ich so knapp kalkuliert ,leute die das wissen ,staunen wie billig es ist.

oder muß man von geburt an materiell gut ausggestattet sein um überhaupt keramik machen zu dürfen?
vielleicht haben die leute recht die sagen "schönes hobby".

soll ich nachts putzen gehen um zu leben?


ach,ein elend...

liebe grüße sendet
vanessa.


aber man kann ja nicht das schöne aus der welt verbannen ,nur weil es gerade nicht modern ist ,dafür geld auszugeben.oder?
wo kommt denn die kunst hin ,wenn es keiner mehr wagt?

bis denn.

Sabine W.

Beitrag von Sabine W. »

Hallo Vanessa,

na das kann ich ja so wirklich nicht stehen lassen!
Die Frage, ob man denn davon überhaupt leben kann, nervt mich zwar auch öfters, weil einem dann leicht das Gefühl gegeben wird, man sei doch reichlich naiv, es überhaupt versuchen zu wollen. Aber manchmal schwingt in der Frage auch Sorge mit von anteilnehmenden Kunden. Egal - ich antworte meist einfach, daß ich mich schon noch recht lebendig fühle...
Viel mehr gehen mir dreiste Sprüche auf den Geist, wie etwa: "Da können Sie mir doch sicher im Preis etwas entgegenkommen!" (bei meiner größten, schönsten (makellosen!) Schale) oder "Wenn ich zwei von den Tassen kaufe, kriege ich doch sicher nen Rabatt, oder?" - am besten noch mit "Brillis" behangen dazu und mit den Schlüsseln vom dicken Benz baumelnd... Oder eben "Das ist ja schön, ein Hobby zum Beruf zu haben..." - die Situation der meisten Keramiker völlig verkennend. (Irgendwo muß man wirklich mal ablästern über solche Kunden, obwohl ich bisher überwiegend nette hatte. Ein "alter Hase" findet die Sprüche vielleicht sogar schon normal und belächelt die "Neuen", daß sie soetwas aufregt...)
Aber die Frage mit dem Leben von Keramik ist ja wirklich berechtigt, ich stelle sie mir auch manchmal. Überwiegend sehe ich's optimistisch für mich, vielleicht auch nur, weil ich von Natur aus so gestrickt bin (aber keineswegs reich geboren materiell gesehen zumindest für dieses Land). Ich denke einfach, daß es schon gehen wird, wenn man der Keramik verfallen ist, fachlich gut ist (und ja hoffentlich immer besser wird), das kreative Potential ausreicht, man von der Persönlichkeit her für die Selbständigkeit geeignet ist und bereit ist, viel zu arbeiten und sich materiell schon sehr einzuschränken. Wobei letzteres nicht immer leicht ist, wenn um einen herum jede Menge Kultur geboten wird, man gerne reist und auch sonst nicht zum Spartaner geboren ist. Und nun locken ganz aktuell auch noch wieder kalkspatz-Seminare...
Ich denke, man muß halt klein anfangen, darf sich am Anfang finanziell nicht übernehmen mit einer zu hohen Werkstatt-/Ladenmiete oder großen Investitionen. Und man kann sich wohl zumindest am Anfang nicht immer aussuchen, was man so macht, wobei das aber nicht bis zu Selbstverleugnung gehen darf, finde ich. Also für mich war ein Zigarren-Aschenbecher schon hart an der Grenze - so als aktiver Nichtraucher. Und "StehRumchen" lehen ich strikt ab, gibt ja so schon schrecklich viel Kitsch auf der Welt.
Also ich bin ja auch erst so lange wie Du selbständig dabei und habe mir eine recht angenehme Mischung aus Märkten, ein paar Läden (leider noch zu viele auf Kommissionsbasis), Aufträgen und der Leitung eines Keramikkurses aufgebaut inzwischen. Mal sehen, ob das reicht! Allerdings ist das meiste davon von langer Hand vorbereitet, seit ich mich für diesen Beruf entschieden habe vor 5 Jahren erst.
Eine Werkstatt mit Laden dran wäre total belastend für mich, da käme nichts Gescheites bei raus an Keramik, wenn ich andauernd gestört werden würde und jemand neben meiner Scheibe steht und eben die oben genannten blöden Sprüche klopft. Obwohl das mit den Märkten doch recht anstrengend ist und mein letzter eher zum Abgewöhnen war (es hat nicht die ganze Zeit geregnet, weil es zwischendurch immer mal gehagelt hat). Aber ich mag es sehr, auf einem Markt die Resultate meiner Arbeit schön zu präsentieren dann wirklich Zeit für die Kunden zu haben. Ich empfinde Märkte vielleicht wie ein Schauspieler, der lange für eine Rolle geprobt und dann seinen Auftritt hat.

Aber zurück zu Finanziellen. Wenn der Ich-AG-Zuschuß nicht wäre, sähe es doch recht mau aus bei mir momentan. Und der nimmt ja bedrohlich ab von Jahr zu Jahr, so daß ab und zu schon mal kurze Angstausbrüche da sind bei mir, es nicht schaffen zu können. Die meisten Kearmiker, die ich so kenne, haben einen Partner/eine Partnerin mit festem Gehalt, dann mag es eher gehen. Oder wenn man seine Werkstatt im eigenen Haus hat und am besten noch in einer Touri-Gegend ist. Also bei den Töpfern, die ich an der Ostsee kenne, wird doch einiges weggeschleppt von Urlaubern, so daß sie meist gar nicht oder wenig auf Märkte gehen. Aber es gibt auch genügend, die das alles nicht haben und trotzdem davon leben können irgendwie - und die machen mir einfach Mut! Tendenziell habe ich schon das Gefühl, daß das Interesse an handgemachter Keramik wieder wächst, gerade auch beim Geschirr (was den überwiegenden Teil meines Sortiments ausmacht). Andererseits halten die Leute zur Zeit ihr Geld sehr fest, was bei der Gesundheitspolitik und auch sonst ja auch verständlich ist. Und die, die richtig Geld habe, geben es oft lieber für Statussymbole aus.
Dennoch - ich glaube daran, von Keramik alleine leben zu können, will einfach gar nichts anderes. Und wo ein Wille ist, war bisher immer ein Weg bei mir, und wenn er noch so lang und steinig ist. Bißchen blauäugig vielleicht, aber wenn ich mich getäuscht haben sollte, so habe ich es wenigstens versucht.
In diesem Sinne viele Grüße und Dir viel Erfolg auf Deiner Insel! Und: Nur die Sache ist verloren, die man selber aufgibt (so oder so ähnlich hat das doch Schiller (?) mal gesagt, der muß es ja wissen...)

Sabine

PS. Putzen gehen paßt nicht gut zur Keramik, das ist körperlich zu anstrengend, fand ich jedenfalls nach einem kurzen Versuch. Dann wurden die Sachen auch nicht mehr so, wie ich sie haben wollte, weil ich zu fertig war. Aber ein zweites Standbein ist vielleicht nicht schlecht, bei mir ist das mein Kurs, den ich mit 16 Euro die Stunde auch besser bezahlt kriege als das Putzen (da gab's nur 5).

vanessa
Beiträge: 124
Registriert: Freitag 18. Juli 2003, 09:43
Wohnort: potsdam
Kontaktdaten:

Beitrag von vanessa »

hallo sabine ,

danke für deinen beitrag .du kriegst in berlin 16€ jede stunde???
wieviel leute hast du dafür gewinnen können?
ich gebe auch kurse ,doch mehr als 10 € würden die einfach nicht bezahlen.


auf märkten stehen find ich nun wieder nicht so prickelnd.
es steht auch in der werkstatt nicht ständig einer neben mir.
ich kann gut das machen was ich möchte.
vermutlich wäre es mir lieber es käme öfter mal einer .sie gehen alle vorbei.
die meisten suchen ein billiges souvenier.irgendwas blödes.
daß die das nicht bei mir finden sehen sie schon von draußen.
ein glück eigentlich auch.
also es kommen wohl einfach die falschen besucher auf die insel.


wolltest du nicht mal bei mir reinschauen?


grüße sendet
vanessa.

Sabine W.

Beitrag von Sabine W. »

Hallo Vanessa,

ja, will ich wie so vieles auch immer noch! Leider hat der Tag nur 24 Stunden und mit weniger als 4 Stunden Schlaf komme ich wirklich nicht mehr hin insgesamt.

Den Kurs gebe ich für eine Einrichtung, daher brauche ich mich um Teilnehmer (und auch um Material, Brennen und sonstiges) nicht zu kümmern. Und bezahlt wird nach Abschluß. (Und der Gesellenbrief ist nicht der, welcher da zählt... - aber irgendeinen Vorteil muß man ja auch haben, wenn man sich fast 10 Jahre geirrt (und somit sehr gequält) hat!)

Wo die richtigen Kunden für Deine Sachen zu suchen sind, kann ich dir leider auch nicht sagen. Aber die richtigen Keramik-Liebhaber und Kunstfreunde verirren sich bestimmt eher selten in diese etwas spießig-miefige Kleinstadt. Und zum Baumblütenfest hast Du bestimmt lieber alles verriegelt und verrammelt, damit nicht noch einer der Tausenden Besoffenen ins Schaufenster fällt, oder? Aber Potsdam und Berlin sind ja nicht weit, mußte halt ausprobieren, was dort so geht! Vielleicht sind Deine Sachen auch eher was für Galerien als für Märkte.

Viele Grüße

Sabine

vanessa
Beiträge: 124
Registriert: Freitag 18. Juli 2003, 09:43
Wohnort: potsdam
Kontaktdaten:

Beitrag von vanessa »

liebe sabine ,
an den galerien bin ich dran.

was meinst du mit dem satz mit dem gesellenbrief?
und bekommst du insgesamt 16€ pro stunde und nicht von jedem teilnehmer einzeln?

na jedenfalls heut war ein ganz guter tag.ich hab einiges verkaufen können und ich mußte mich dafür nichtmal anstrengen.die sachen haben gefallen ,sie wurden für günstig befunden und mitgenommen.

so komisch ist die welt ,an vielen tagen kommen nur leute denens zu teuer ist oder es kommt gleich niemand und dann plötzlich ists ,als hätte jemand das licht angemacht.....

wo ist da der unterschied von gestern und vorgestern zu heute???

liebe grüße sendet
vanessa.

Pit

Beitrag von Pit »

ja ja die sprüche auf den märkten! ich liebe die damen um die 50-60 welche beim anblick von keramik laut ihren freundinnen zurufen: "oh seht mal - bunzlauer porzellan!".... na ja.
wenn wir mal von geld reden. ich bin auch ich ag. es geht ganz gut. verkaufe ausschließlich auf märkten, da ich den ladenbesitzern es nicht alles in den rachen werfen kann/will. ich stelle einfach pro tag für mind. 100 euro her. und ich gebe zu das ich nicht über 6 stunden täglich arbeite. höchstens weihnachten ist es mehr.
auf den märkten muss man lernen. wie ordnet man die waren an. welche gegend ist gut für mich. und es ist wohl kein geheimniss das man die gegend im dreieck ruhrpott, hannover, kassel meiden sollte. besonders im ruhrpott sind die leute einfach nur satt. auch autobauerstädte wie rüsselsheim und wolfsburg besser meiden. die bevölkerung hat zwar geld aber ist recht merkwürdig drauf was keramnik angeht. ja und in bayern nicht zu nah an die östliche grenze kommen, sonst steht tchechien mit seinen preisen dem geschäft im weg.
auch bei veranstaltern lernt man. früher hab ich bis zu 150 euro standgeld akzeptirt. die zeiten ändern sich. höchstens 100 euro bezahl ich nur noch - wenn überhaupt. oft bekomme ich umsonst weil ich vorführe.
das sortiment sollte nicht zu breit gefächert sein. leute kaufen zu selten dinge wo man nur 1-2 stehen hat. lieber 100 tassen hinstellen, dann verkauft man auch tassen :-)

wie sieht es bei preisen denn aus. neulich habe ich auf nen markt töpper gesehen die tassen für 10 euro anbieten. wir sind also auch nicht besser als die anderen die DM für EURO nur getauscht haben? bei mir kostet ne tasse 4 euro. (einfach glasiert) viele kunden fragen mich warum denn so billig. andere töpfer blicken mich böse an weil ich die preise versaue. aber wenn man am tag 50 tassen macht (also ich rechne auch henkeln und glasieren) dann sind das 200 euro am tag. sind im monat 4000 euronen. das reicht mir.... einen laden nehm ich erst rein wenn ich es nicht mehr auf märkten loswerde...

soweit eine kleine sicht von einem der das selbstständig seit 2,5 jahren macht - aber vorher 10 jahre geselle war....

vanessa
Beiträge: 124
Registriert: Freitag 18. Juli 2003, 09:43
Wohnort: potsdam
Kontaktdaten:

Beitrag von vanessa »

hi pit ,
du machst jeden tag 50 tassen und verkaufst die für 4€?
das find ich superkrass.
so verschieden sind die leute.

und mußt du für werkstatt keine miete zahlen?
und mit welchen märkten hast du gute erfahrungen?
und wann bist du kreativ? oder gönnst du dir das garnicht?

grüße sendet dir vanessa.

Sabine W.

Beitrag von Sabine W. »

Hallo Vanessa,

na Du klingst ja schon viel besser heute (also was Du so im ersten Beitrag geschrieben hast)! Und an das Auf und Ab in der Keramik muß man sich wohl gewöhnen.
Der Satz mit dem Gesellenbrief wird hoffentlich bald mal persönlich erklärt, müssen ja nicht immer alle alles wissen!
Die Kursteilnehmer zahlen insgesamt wohl 55 Euro für 4 Abende (je 2 Stunden), ich habe festen Lohn pro Stunde nach Honorarvertrag und für mich lohnt das, weil eben keine Nebenarbeiten anfallen und es dicht bei ist.

Das mit dem Sortiment mache ich ja gaaanz anders - breit genug gefächert ist es mir wohl nie, mehr als 2 von einer Sorte stelle ich nie hin, habe auch keine lieblosen Tassen- und Krugkörbe vorm Stand. Aber mit zu vielen Farben darf man sich wohl nicht verzetteln, also zumindest bei meinem Sortiment (momentan etwas über 50 verschiedene Sachen) komme ich sonst nicht mehr hinterher mit dem Drehen. Oder man stellt jemanden ein, darf man ja neuerdings sogar als Ich-AGler. Kommt aber gar nicht in Frage für mich, genieße ja jede Minute alleine, also zumindest beim Arbeiten.
Und für unter 8 Euro gibt's keine Tasse bei mir, find ich noch zu wenig! Meine Jumbos kosten mittlerweile 13 Euro - und so, wie ich die verkaufe, werden es bald 14 sein... Aber das muß ja alles jeder selber wissen, mein Motto ist jedenfalls Klasse statt Masse, wenn man das von sich selber sagen darf.
Und was kosten Teekannen bei Euch?

Tschüß und viele Grüße

Sabine

vanessa
Beiträge: 124
Registriert: Freitag 18. Juli 2003, 09:43
Wohnort: potsdam
Kontaktdaten:

Beitrag von vanessa »

hallo sabine,

man darf nun jemand einstellen?
find ich ja eigentlich ganz toll.
bloß den müßte man ja denn auch bezahlen ,toll wäre wenn man jemand auf provisionsbasis für vertrieb bezahlen könnte.
aber für denjenigen ist das natürlich total blöd ,weil ist ja nichts sicheres .

teekannen hab ich garnicht ,vermutlich hab ich überhaupt garnicht so das klassische sortiment. am meisten gibts bei mir schalen und schälchen ,große und kleine ,flache und tiefe ,und tolle moccaservices und kannen für unbestimmten gebrauch...

aber klasse statt masse ist auch mein thema. ich vertiefe mich sehr in die dinge die ich tue und das dauert dann auch seine zeit ,alles wird fein ausgearbeitet und keines ist wie das andere.sie haben alle eine seele.
masse gibts bei ikea schließlich.so.

liebe grüße von vanessa.

Benutzeravatar
ralf burger
Beiträge: 203
Registriert: Montag 30. Juni 2003, 09:38
Wohnort: Riegsee
Kontaktdaten:

masse statt tasse

Beitrag von ralf burger »

Also mit der Masser habe ich auch so meine Probleme, ich bin beigeisterter Seriendreher, aber wenn ich mich hinsetze und einen Tag Tassen Drehe, habe ich zwar slebst bei 4.-/Tasse eine Menge Geld verdient, aber meine Kunden kommen nicht auf die Idee auch das in der Menge zu kaufen, wie ich es herstellen könnte.
Begnatet ist derjenige bei dem das zusammenpasst.
Ich habe für mich hier eher die Kalkulation von einem Bekannten (Gary Moler) zum, leider noch nicht erreichtem, Zeil gesetzt.
Er brennt etwa zweimal im Jahr, weiß was er in der Zeit ausgegeben hat, und verteilt das auf die Ergebnisse seines Brandes und ein Anteil fül das was er nicht verkaufen wird...

Ich aber kalkulation war ja garnicht der AUgangspunkt der Diskussion hier. denn da gibt es wohl genausoviele Wege wie bei allem anderen.

ciao
Ralf


PS. Becher ohne Henkel kosten bei mir (undekoriert) zwischen 7.- und 15.- je nach Material (steinz/porz) und Laune.

Pit

Beitrag von Pit »

na ich muss wohl richtigstellen das ich nicht den ganzen monat tassen drehe. aber wie gesagt ich arbeite alle wochentage. weekend ist frei oder markt. um jeden monat 2000 € zu haben brauche ich 2 märkte (meist). es gibt ja die unterschiedlichsten artikel. ganz kleine minikrüge sind da auch ok. dreißig die stunde a 2,50 euronen... ich habe stets das sortiment von 2 euro bis hin zu ca. 50 euro abgedeckt.
aber generell gehe ich den weg das ich dinge herstelle die sonst niemand anbietet. also weniger geschirr. die leute sind eher bereit geld auszugeben wenn es mehr um die wohnung geht. lampen sind da ein gutes beispiel.... sonst hat man immer konkurenz.
was die "lieblosen" körbe vor dem stand angeht. habt ihr das schonmal probiert? schreibt wenn es gute ware ist nichts dran. ansonsten "reduziert".... die leute sind wie die geier und wollen dann selten woanders nachsehen. ist wohl heutzutage so.
was gute märkte sind? tja das tut mir leid das ich das nicht sagen werde. ist einfach so das man sich jede konkutrenz vom hals halten muss. wenn dort ein kunde irgendwo mal 15 euro ausgegeben hat, kommt der in den seltensten fällen noch woanders hin zum kaufen. diese mühe muss man sich selber machen. ich kann nur so viel sagen: die ossis haben noch mehr kontakt und respekt zur keramik. und es geht wohl auch nicht um einzelne städte sondern um landstriche in denen es lohnt, egal welche stadt...

und um diesen thread nicht ellenlang werden zu lassen melde ich mich in diesem nicht mehr zu wort. fazit: davon leben - ja geht. ich würde es mit 18 nicht nochmal werden und meinen kindern dies dann nicht empfehlen. reich wird man nicht. doch hat der beruf schöne seiten. das ruhige, bodenständige und kreative. allemal besser so mit wenig zu leben, als am fließband und reich....

Sabine W.

Beitrag von Sabine W. »

Hallo Pit,

ich finde das noch gar nicht so viel, was bisher so geschrieben wurde, nochzu bei dem Thema - das ist wohl auch sehr relativ. Oder gibt es eine vorgeschriebene Höchstlänge von Threads? Muß doch nur lesen, wer Lust dazu hat!
Tja, so unterschiedlich ist das: Ich wünschte, ich wäre schon mit 18 drauf gekommen, was mein eigentlicher Beruf ist! Dann hätte ich vielleicht auch eine längere Gesellenzeit durchgestanden als ein Vierteljahr (und etwas mehr Zeit als "Praktikantin" ). Es wird nicht einfacher mit dem Alter, für andere zu arbeiten, wenn man dazu absolut gar nicht geeignet ist. So fehlt mir echt die Routine, und ich schaffe es einfach nicht, soviel zu drehen, wie ich verkaufen könnte. Und Auftraggeber vertrösten ist total blöde, nochzu das ja sicheres Geld ist und ich's schon gut gebrauchen könnte. Also 30 Minis pro Stunde finde ich sehr viel und frage mich, wie die wohl aussehen mögen... Ich habe für die 250 Stück, die ich als Gesellin mal drehen mußte, mehr als ne Woche gebraucht, aber die waren dann auch sehr schön, sind für 5 Euro das Stück reißend weggegangen. Wobei ich Minis an sich kitschig finde, und sie sind ja auch nicht für Kinder, wie mir mein Chef damals weismachen wollte, die stellen sich ja doch nur Frauen um die 60 in den Setzkasten. Also ich werde für kein Geld der Welt nochmal welche drehen, das steht fest, dafür habe ich zu große Hände. Das Drehen ging ja noch, das Abdrehen schon weniger und beim Henkeln habe ich echt gedacht, ich werde nie fertig, da sie am Gefäß gezogen sein sollten (was ja auch okay ist, nur war zu allem Übel der Ton noch so mager, daß man nicht lange herumbasteln durfte, sonst war der Henkel nur noch Schlicker). Oder sind Deine Minis größer? Also die dort waren so 3-4 cm hoch und sollten das Sortiment im Kleinen widerspiegeln, was bei den Backförmchen (mit Henkelchen und nem Nippelchen gegenüber) und den Schmalztöpfchen mit gleich zwei Henkelchen echt fummelig war, die 100 geraden und bauchigen Fläschchen wollten auch kein Ende nehmen, und ich sah gar nicht ein, warum die überhaupt nen Henkelchen brauchen...
Was wärst Du denn dann geworden mit 18 bzw. was würdest Du Deinen Kindern empfehlen? Immobilienmakler? Oder Beamter? Zu letzterem hat nicht mehr viel gefehlt bei mir, und ich bin froh, den Absprung noch geschafft zu haben. Also die paar Reichen die ich kenne, sind auch nicht glücklicher. Wobei der Beruf wohl insgesamt eine andere Bedeutung hat, wenn man eine Familie hat oder noch haben will und es heutzutage leider viel oft Geld kostet, damit Kinder sich ausprobieren können mit allem.

Ich war zwar erst auf zwei Märkten im Westen, fand sie aber vom Niveau wesentlich höher als die im Osten. Und die Leute scheinen eher bereit zu sein, für ein schönes Stück etwas mehr Geld auszugeben. Im Osten herrscht diese Schnäppchenmentalität wohl doch noch mehr vor (hatten wir das nicht schon mal an anderer Stelle?). Wobei die Leute im Osten durchschnittlich eben auch viel weniger Geld zur Verfügung haben und vielleicht durch die derzeitige Politik noch mehr verunsichert sind. Jedenfalls geht es mir so, und ich bin froh, daß ich weiß, wie es anders sein kann (ohne das System jemals zurückhaben zu wollen). Aber das führt jetzt echt zu weit, daher zurück zu der großen Frage von Vanessa. Genau zwölfmal wurde ich am vergangenen Wochenende auf meinem Markt gefragt, ob man denn davon leben kann bzw. gleich gefragt: Aber Sie leben nicht davon, oder? Einmal hat das sogar eine Lehrlingin gefragt mit bangem Blick, das hat mich schon nachdenklich gestimmt. Wenn nicht einmal mehr der eigene Nachwuchs dran glaubt... Eigentlich wurde das auch nur am ersten Tag so oft gefragt, denn am zweiten kamen wenige Fragen und wenn dann solche wie: Verkaufen sie auch Regenschirme? (Ganz im Ernst, auf meinen fragenden Blick hin noch mit dem Nachsatz, daß doch auch Kaufhäuser, Baumärkte u.a. das anbieten würden als Service...) Und ich hatte wieder nur Keramik mit... Wobei ansonsten sicherlich auch der Verleih von Neopren-Anzügen ein Erfolg gewesen wäre.
Und als ob nicht schon "lasieren" statt "glasieren" schlimm genug ist, wurde ich bei einer Flasche gefragt, ob sie denn auch von innen lackiert sei! Also das kannte ich noch nicht, hat selbst mir echt die Sprache verschlagen für einen kurzen Moment.
So, jetzt fahre ich was tun, damit ich auch wirklich weiter davon leben kann!

Sabine

PS. Und was kostet bei Euch nun eine ganz normal zerbrechliche Teekanne??? Meine kosten um die 50 Euro (egal ob für nen Liter oder anderthalb), was mir noch immer zu wenig erscheint, anderen aber wohl öfters zuviel.

vanessa
Beiträge: 124
Registriert: Freitag 18. Juli 2003, 09:43
Wohnort: potsdam
Kontaktdaten:

Beitrag von vanessa »

hi sabine ,
ach ,ich freu mich ,was du alles geschrieben hast.
es müßten sich nur viel mehr mal ausquatschen hier im forum.
alle scheinen nur so für sich zu friemeln...
manchmal ists gar einsam in dieasem beruf.
naja,ihr geht auf märkte...hast du gut verkaufen können?
bei mir war der sonntag ein elend.

aber wenn du sagst du könntest viel mehr verkaufen als du zu drehen schaffst ,vielleicht sollte ich dann doch auch mal märkte versuchen.
wie geht das denn? woher weiß ich bei wem ich mich um einen platz bewerben muß und was kosten denn nun die standmieten?
oder glaubst du auch so wie pit daß konkurrenz fernzuhalten ist ,weil die leute nur an einem stand was kaufen?
ich denke immer ,die kaufen da wo´s gefällt und doch nicht beim erstbesten ,oder?
als ich noch auf märkte ging und noch nichts selbst gemacht hab ,da hab ich immer erst alle stände angesehen ,bevor ich mich dann entschieden habe ,etwas zu nehmen.


hallo pit ,
wenn du ,wie du sagst 2000,00€ im monat verdienst dann bist du nicht arm ,das kann ich dir versichern.
und daß du deinen kindern von dem beruf abraten würdest ,verstehe ich schon garnicht.
ich denke wenn man keramik macht ,muß man es lieben . was ,wenn nicht liebe und wahrhaftigkeit soll denn sonst der unterschied sein zu industriell gefertigter ware???




ich hätt auch lieber früher gewußt ,was ich werden will.
und ich hätte auch lieber die möglichkeit gehabt ,überhaupt darüber nachzudenken was ich werden will.
mir gehts wie sabine ,ich hab viel zeit verloren und könnte sicher schon viel weiter sein.

ach ,nun weiß ich nichts mehr ,
ich grüße euch beide ,

vanessa.

Antworten