Gefahren bleihaltiger Glasuren

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Joh.
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Gefahren bleihaltiger Glasuren

Beitrag von Joh. » Montag 3. Februar 2020, 12:06

Hallo!
Ich habe kürzlich festgestellt, dass verschiedene Glasuren, die ich von einer Töpferin geschenkt bekommen hatte, bleihaltig sind. Ich habe sie, unwissend, eine Zeit lang benutzt.
Ich suche auf diesem Wege jemanden, der mir helfen kann, die Giftigkeit von Blei einzustufen, denn ich finde zwar viele Infos über mögliche Gefahren und Krankheiten, bin aber ahnungslos, wie diese in meinem spezifischen Fall einzustufen sind und mache mir Sorgen, auch wegen meiner Kinder.
Am liebsten würde ich diese Fragen im direkten Kontakt mit einem kundigen Menschen klären, gern schreibe ich die Ergebnisse dann auch nochmal hier nieder.
Was ich gerade nicht gebrauchen kann sind Sicherheitsbelehrungen oder Panikmache an dieser Stelle.
Danke für eure Rückmeldungen! Joh.

tutti
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Re: Gefahren bleihaltiger Glasuren

Beitrag von tutti » Montag 3. Februar 2020, 12:46

Du könntest ein Gefäß, in dem Du die Glasur innen benutzt hast, durch ein Labor testen lassen. Die können feststellen, ob ein Übertritt des Bleis in Lebensmittel erfolgt. Wenn Du mir eine Mail mit Deiner PLZ schickst, suche ich Dir gern ein Labor in Deiner Nähe raus. Ich habe eine Liste.
mein mail: renate.spatz@arcor.de
Beste Grüße

Joh.
Beiträge: 14
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Re: Gefahren bleihaltiger Glasuren

Beitrag von Joh. » Montag 3. Februar 2020, 13:49

Liebe Renate und andere,
meine Sorge gilt in erster Linie den Folgen der Verarbeitung der Pulverglasuren: da ich nicht wusste, womit ich hantierte, wendete ich nur moderate (normale) Sicherheitsgrundlagen an.
Grüße, Joh.

landleben
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Re: Gefahren bleihaltiger Glasuren

Beitrag von landleben » Montag 3. Februar 2020, 17:32

Hallo Joh.
Schreibe doch mal genauer was Du gemacht hast oder Deine Kinder.Dann läßt sich auch möglicherweise genauer antworten.Wodurch erhieltest Du Kenntnis
zu den Inhaltsstoffen ? Wie sind Deine normalen Sicherheitsgrundlagen gewesen?
Lg
Landleben
Zuletzt geändert von landleben am Montag 3. Februar 2020, 17:58, insgesamt 1-mal geändert.

Laborfuerdesign
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Re: Gefahren bleihaltiger Glasuren

Beitrag von Laborfuerdesign » Montag 3. Februar 2020, 17:39

Hallo,
also ich persönlich würde mich in deiner Situation an meinen Hausarzt wenden und mich eventuell an einen Spezialisten überweisen lassen. Blei kann im menschlichen Organismus recht leicht nachgewiesen werden. Das erscheint dir vielleicht überzogen, aber es ist deine Gesundheit und Niemand hier kann wissen, was du mit den Glasuren genau für wie lange wie gemacht hast, oder was für Glasuren es überhaupt waren. Es wären also alles nur vage Vermutungen. Mir würde die Sache keine Ruhe lassen, bis ich es nicht richtig geklärt hätte.
PS es ist eher unwahrscheinlich, dass du dich wirklich vergifted hast, aber sicher ist sicher... und es kostet ja nichts.

Bobbl
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Re: Gefahren bleihaltiger Glasuren

Beitrag von Bobbl » Montag 3. Februar 2020, 21:02

ruhig bleibe. Habt ihr viel Obstsäfte aus den Gefäßen getrunken, oder Obstsalat gegessen? Obstsäure löst Blei aus der Glasur. Akute Vergiftung hättest bemerkt. Ansonsten, wenn keine massiven Magen Darmbeschwerden da sind, bleib entspannt. Ausfallende Augenbrauen und schwarze Ränder an der Zähnen sind ein Zeichen. Wirf das Zeug einfach weg und vermeide es in der Zukunft, warum weißt du jetzt ja.

Jens Adam
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Re: Gefahren bleihaltiger Glasuren

Beitrag von Jens Adam » Montag 3. Februar 2020, 21:11

Hallo Joh.

Du hast Dir diese Seite sicher schon angesehen, da steht eigentlich alles drin.
https://de.wikipedia.org/wiki/Bleivergiftung

Ich bin kein Arzt, daher nur meine Meinung: solange Du und die Kinder die Bleiglasur nicht löffelweise gegessen habt oder jahrelang glasurstaubhaltige Luft eingeatmet habt, werdet Ihr überhaupt keine gesundheitlichen Folgen Eurer möglichen Kontamination bemerken oder nachweisen können.

"Zu den äußeren Symptomen einer Bleivergiftung gehören das sog. „Bleikolorit“ (blass-grau-gelbe Verfärbung der Haut), Darmkoliken, diffuse zentralnervöse Symptome wie Müdigkeit, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit usw., Lähmungen, ein blauschwarzer, Blei(II)-sulfid enthaltender „Bleisaum“ im Zahnfleisch um die Zahnhälse..." (und jetzt bitte nicht einmalige Kopfschmerzen oder Müdigkeit für die Anzeichen einer Bleivergiftung halten)

Da Ihr wohl keinen täglichen, regelmäßigen Kontakt zu den Glasuren gehabt habt (wie z.B. Arbeiter in einer Abfüllanlage oder in der chemischen Industrie in vergangenen Jahrzehnten) brauchst Du Dir keine Sorgen machen. Ihr habt es nicht mit metallischem Blei oder organischen Bleiverbindungen zu tun, sondern wahrscheinlich mit schwerlöslichen Bleisilikaten, die vom Körper kaum aufgenommen werden. (Bleioxid wäre bei alten Glasuren auch möglich).

Ich zitiere nochmal Wiki:
"Um Blei aus dem Blut und aus leichtverfügbaren Depots zu entfernen, kommt eine Therapie mit Chelatbildnern wie Natrium DMPS (Dimaval) EDTA, DTPA und/oder D-Penicillamin in Frage. Die Chelate werden über die Nieren ausgeschieden. Chelatbildner verursachen aber starke Nebenwirkungen und können nicht über einen längeren Zeitraum gegeben werden, weil sie auch lebensnotwendige Spurenelemente aus dem Körper schwemmen. Bei Kindern ist eine Chelat-Therapie bei einem Blutbleispiegel über 450 µg/kg zu erwägen."

Ein Arztbesuch wird Euch nur Beruhigung bringen und ist nur zielführend bei akuter Bleivergiftung (also bei sehr hoher Bleiaufnahme). Wenn Du genaueres wissen möchtest, solltest Du die Glasuren benennen, vielleicht kennt einer der Forumsnutzer die chemische Analyse oder Zusammensetzung. Das würde dann auch beim eventuellen Arztbesuch nutzen.
Lieben Gruß, Jens

Joh.
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Re: Gefahren bleihaltiger Glasuren

Beitrag von Joh. » Dienstag 4. Februar 2020, 08:16

Guten Morgen.
Vielen Dank für die vielen Antworten.

Ich hatte mir genau so etwas erhofft: etwas Beruhigung, Einordnung von außen. Pas de panique...

Ich habe verschiedene Glasuren benutzt, die zwei bleihaltigen gehörten zu meinen Favoriten. Das eine war Welte Nr 28, ich hatte einen Rest geschenkt bekommen ohne Warnhinweis und es durch Zufall raus gefunden als ich sie nachbestellen wollte. Das zweite ist eine wunderschöne weinrote seidenmatte DDR-Glasur, das Etikett ist kaum zu lesen "...Nordhausen... Ladennummer 411..." - davon habe ich eine große Tonne, mindestens noch 40 kg (die ich nun gern verschenke, falls jemand Interesse hat) - da hätte man ein Töpferleben drauf aufbauen können :-/
Und dann habe ich noch ein paar unbekannte unbenannte Glasuren, u.a. weiß und transparent, deren Inhaltsstoffe ich überhaupt nicht kenne.

Meine Töpfertätigkeit würde ich im Moment noch als eher hobbymäßigen Rahmen bezeichnen (so zweidrei Mal die Woche Töpfern, also zweidrei Mal im Monat glasieren), insofern habe ich gehofft, dass meine Berührung mit toxischen Glasuren als eher vernachlässigbar einzustufen ist. Was mir allerdings Sorgen macht, ist dass ich in der Zeit, als ich die Glasuren gern verwendete, erst ein Kind stillte, dann ein weiteres austrug und wiederum stillte. Mit so jungen Körpern ist m.E. nicht zu spaßen. Die Kinder sind allerdings soweit normalgesund und normalentwickelt. Aber es ist einfach erschreckend, diese Datenblätter (z.B. zu Welte 28) zu lesen.

Zum Arzt gehen wäre auch mein nächster Schritt, ggf schauen, wie sich eine Ausleitung der Gifte unterstützen lässt.

Beste Grüße,
Joh.

Yaki
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Registriert: Donnerstag 7. Januar 2016, 13:09

Re: Gefahren bleihaltiger Glasuren

Beitrag von Yaki » Dienstag 4. Februar 2020, 08:58

Bei der Welte Nr. 28 handelt es sich um eine Frittenglasur. Bei fachgerechter Anwendung besteht keine Gefahr.
In D gilt seit 1960 das sog. Bleigesetz....

Maria Ortiz Gil
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Re: Gefahren bleihaltiger Glasuren

Beitrag von Maria Ortiz Gil » Mittwoch 5. Februar 2020, 18:07

Hallo Joh.,

es war ziemlich fies von der Töpferin, die dir die Glasuren geschenkt hat, dass sie dir keinen Hinweis auf die Bleihaltigkeit gegeben hat. Sollte sie selbst nicht davon gewusst haben, so kann man nicht davon ausgehen dass sie wirklich Töpferin war. Wenn ja, dann ist das einfach eine verantwortungslose Sauerei, auf die Art und Weise Giftmüll los zu werden.

IN DEM ZUSAMMENHANG MÖCHTE ICH ALLE HOBBYLEUTE DAVOR WARNEN, AUS LAUTER ANFÄNGLICHER BEGEISTERUNG ROHSTOFFE ALS GESCHENK AN ZU NEHMEN, DIE SIE NICHT KENNEN. MAN KANN DAVON AUSGEHEN, DASS DER GEFALLEN EIGENTLICH NICHT DEM BESCHENKTEN GETAN WIRD, SONDERN DEM DER DAS ZEUG LOS WIRD.

Beim normalen Gebrauch der Glasuren im Hobby hast du eher keinen Schaden genommen, so lange du das Glasurpulver nicht nicht in größeren Mengen verschluckt oder eingeatmet hast, und das wird wohl nicht der Fall sein. Zu deiner Beruhigung kannst du die Kinder untersuchen lassen.

Bleihaltige Glasuren sind für Leute gefährlich, die z.B. in einer Manufaktur Tag ein, Tag aus mit einer Glasurspritze arbeiten müssen, oder für Leute die beim Glasurenhersteller ohne Feinstaubmaske und Absauganlage arbeiten müssen.
Solche Arbeitsplätze und solche Glalsuren sollte es eigentlich nicht mehr geben. Trotzdem muss man mit diesen Stoffen immer behutsam umgehen.

Falls niemand die 40 kg weinrote Glasur geschenkt haben möchte, wirf sie bitte nicht einfach weg,
WIE DIR EIN ANDERES FORUMSMITGLIED HIER LOCKER EMPFOHLEN HAT, sondern bringe die Glasur bitte zur Entsorgungsstelle für Sondermüll. Das wird dich allerdings etwas kosten. Ich musste nach einer Werkstattauflösung ziemlich viele Glasurreste entsorgen und erinnere, dass die ersten 10 kg umsonst waren, dafür jedes weitere Kilo einiges gekostet hat. Wieviel weiß ich nicht mehr, aber es war für mich damals zu viel. Deshalb habe ich mich so beholfen, dass ich mit Teilmengen an verschiedenen Tagen und Uhrzeiten zur Entsorgungsstelle hin gegangen bin, in der Hoffnung, dass jeweils anderes Personal im Schichtdienst wäre und ich damit durch komme. Hat geklappt.
Am Ende wurde die Glasur dort aber ohne jede Vorsicht in einen Gittercontainer zu den Farbdosen und Farbeimern geschmissen, was mich wiederum entsetzt hat. Wenn man also bei der Entsorgung etwas mithelfen möchte, sollten Glasurreste in verschlossenen Eimern abgegeben werden.

recht schönen Gruß
Maria

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