Glasuren Lebensmittelgeeignet

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Scholl
Beiträge: 4
Registriert: Dienstag 5. Februar 2019, 18:26

Glasuren Lebensmittelgeeignet

Beitrag von Scholl »

Grüße euch,
ich habe ein Glasur mit unter 5 % Kupfercarbonat und unter 5 % Zinkoxid.
Kann ich die für Essgeschirr verwenden?
Im Versandhandel sagte man mir, dass die Glasur nur wegen der CRAQUELE Bildung nicht für lebensmittelgeeignet ist, das Kupfercarbonat aber kein Problem wäre, nur Kupferoxid und das ist ja nicht drin. Stimmt das so? Könntet Ihr mir da bitte helfen.
Danke vorab für Eure Unterstützung.
Martina
Laborfuerdesign
Beiträge: 146
Registriert: Samstag 3. September 2016, 16:21

Re: Glasuren Lebensmittelgeeignet

Beitrag von Laborfuerdesign »

Die Frage wird man so kaum beantworten können. Grundsätzlich sind Kupfercarbonat und Kupferoxid nach dem Brand das exakt gleiche, nämlich Kupferionen. Das Carbon bzw. das Oxid wird im Brand abgespalten und verflüchtigt sich. Das Kupferoxid ist lediglich "potenter". 5% davon würde in vielen Glasuren bereits eine metallisch schwarze, sogar kristalline Oberfläche ergeben. Von allen färbenden Metalloxiden ist Kupfer am schwersten in der Glasschmelze zu binden. 5% Kupfercarbonat sind schon recht viel. Da bräuchte es eine wirklich stabile Basis mit hauptsächlich Erdalkalien als Flußmittel anstelle von Alkalien. Hat die Glasur aber ein ausgeprägtes Craquele, wird das nicht der Fall sein.

Du schreibt nicht, welchen Brennbereich die Glasur hat. Sollte dein Ton nicht dichtgebrannt sein (unter 2% Wasseraufnahme), ist eine Craquele Glasur für Geschirr keine gute Wahl. Hühnerbrühe, Kaffee und Rote Bete Saft werden durch Kapillarkräfte in die Risse gezogen und von da in den porösen Ton. Da bleiben sie dann... man sieht die Verfärbungen... gelegentlich werden sie von Geschirrspülerwasser angelöst... kommen wieder rausgesuppt, wenn das Gefäß in der Mikrowelle erhitzt wird. Ja, man kann aus undichtem Steingut Geschirr herstellen, das braucht dann aber eine gut sitzende Glasur und besondere Pflege.

Alles in allem ist es aber so, die Giftigkeit von Kupfer in Glasuren ist umstritten. Selbst eine wirklich schlechte Glasur kann kaum so viel davon abgeben, dass es gesundheitsschädlich ist. Wir verzehren ja nicht Literweise Essigwasser, welches zuvor 24 Stunden in einer glasierten Schale gestanden hat. 5% Zink sind auch eher unbedenklich. Ist das Geschirr also für deinen *persönlichen* Gebrauch bestimmt, darfst du selber entscheiden, inwieweit dich die Aufnahme von extra Kupfer mit deiner Nahrung stört. Solltest du dein Geschirr ins Labor zum Testen schicken, wie es gesetzlich verlangt wird wenn du es verkaufst, dann würde das Labor sowieso nicht auf Kupfer oder Zink testen. Getestet werden meines Wissens nach momentan nur Kobalt-, Cadmium, und Bleilässigkeit. Diese Metalle sind nämlich wesentlich bedenklicher als Kupfer. Immerhin macht man aus Kupfer Pferdetrensen, teure Bratpfannen und Flaschnerarbeiten an Kindergärten und Schulen... aus Blei eher nicht so. :wink:
Scholl
Beiträge: 4
Registriert: Dienstag 5. Februar 2019, 18:26

Re: Glasuren Lebensmittelgeeignet

Beitrag von Scholl »

vielen Dank Laborfürdesign für deine schnelle Rückmeldung.
Kurze Ergänzung zu den Informationen die gefehlt hatten:
Das Geschirr ist bei 1240 Grad gebrannt.
Der Ton hat einen Brennbereich bis zu 1280 Grad
Daher denke ich unter 2 % Wasseraufnahme, oder?
Weitere Bestandteile in der Glasur sind

14808-60-7 Quarz (SiO2) 1 - < 5 %
und eben
12069-69-1 Kupfercarbonat 1 - < 5 %
1314-13-2 Zinkoxid 1 - < 5 %

Ist Quarz ein Erdalkalien als Flußmittel anstelle von Alkalien?
Es handelt sich um diese Glasur:

https://www.keramik-kraft.com/de/Glasur ... ml?sel=103

Bin sehr dankbar vorab für eine erneute kurze Rückmeldung.
Herzliche Grüße
Martina
Yaki
Beiträge: 80
Registriert: Donnerstag 7. Januar 2016, 13:09

Re: Glasuren Lebensmittelgeeignet

Beitrag von Yaki »

KK macht im Katalog eindeutige Angaben. Jeder Glasur sind Symbole zugeordnet.
Diese Glasur hat die Symbole "Sonne" und "B".
"Sonne" bedeutet glänzend und "B" für Fortgeschrittene geeignet. Die Angabe der Geschirrtauglichkeit fehlt.

Wer hat dir denn die "Bestandteile" verraten?
Laborfuerdesign
Beiträge: 146
Registriert: Samstag 3. September 2016, 16:21

Re: Glasuren Lebensmittelgeeignet

Beitrag von Laborfuerdesign »

Also die Wasseraufnahme nach dem Brand hängt nicht nur von der Endtemperatur im Ofen ab, sondern auch von der Brennkurve, der Schamottierung des Tons und der Wandstärke deiner Gefäße. Du müsstest das an einem repräsentativen gebrannten aber unglasierten Stück testen, indem du das Stück trocken wiegst (auf ein Zehntel Gramm), danach mindestens drei Stunden völlig bedeckt mit Wasser köcheln lässt, trockentupfst und sofort wieder wiegst. Aus der Differenz ergibt sich die Wasseraufnahme.

Ansonsten gibt es noch zu sagen, Quarz ist kein Flußmittel. Es ist ein Glasbildner, quasi das "Glas" in deiner Glasur. Die Flußmittel sollen ihm helfen unter seinem eigentlichen Schmelzpunkt (der sehr hoch ist) zu schmelzen. Zink ist ein sekundäres Flußmittel und in ausreichender Menge ein Kristallbildner. Natrium, Kalium und Lithium sind die Alkalien. Magnesium, Calcium und Strontium sind die nützlichen Erdalkalien. Vor allem Calcium verhilft zu sehr stabilen, ritzharten Glasuren. Da du aber nicht das ganze Rezept hast, kann man hierzu nicht viel sagen. An der Farbreaktion des Kupfers lässt sich jedoch erkennen, dass die Glasur viel Natrium/Kalium/Lithium enthalten muss. Sonst wäre die Glasur grün, nicht türkis. Auch die Haarrissigkeit weist darauf hin, denn Natrium und Kalium erhöhen den Wärmeausdehnungskoeffizienten der Glasurschmelze stark. Lithium tut das nicht, ist aber auch sehr teuer geworden, weswegen es in kommerziellen Glasuren nur eingesetzt wird, wenns absolut notwendig ist. Solche Glasuren sind in der Regel nicht so stabil, wie sie sein könnten. Vor allem nicht gegen den Angriff von Laugen (Geschirrspüler). Aber wie schon gesagt, ganz ehrlich, ist das Geschirr für deinen persönlichen Gebrauch, liegt es ganz an dir. Mir persönlich wäre wichtiger, dass der Ton dicht ist, als das die Glasur absolut kein Kupfer abgibt.

Bist du dir jedoch unsicher, steige lieber auf eine Glasur um, die mit dem entsprechenden Symbol gekennzeichnet ist.
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Günter
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Re: Glasuren Lebensmittelgeeignet

Beitrag von Günter »

Nach der geplanten neuen EU-Verordnung wird auf Kupfer nicht getestet, es wird also nicht als gesundheitsschädlich eingestuft. Kupfer in Glasuren schwächt allerdings das Kristallgitter der Glasur, wurde mir versichert, und kann die Löslichkeit anderer Metalle erhöhen! Also wirklich nur für Leute mit guten kenntnissen der Glasurchemie.
Scholl
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Re: Glasuren Lebensmittelgeeignet

Beitrag von Scholl »

Yaki hat geschrieben: Mittwoch 15. September 2021, 16:36 KK macht im Katalog eindeutige Angaben. Jeder Glasur sind Symbole zugeordnet.
Diese Glasur hat die Symbole "Sonne" und "B".
"Sonne" bedeutet glänzend und "B" für Fortgeschrittene geeignet. Die Angabe der Geschirrtauglichkeit fehlt.

Wer hat dir denn die "Bestandteile" verraten?
Hallo Yaki, danke für deine Antwort, habe es auch erst im Katalog als "Nachtrag" gesehen, dass es für Essgeschirr untauglich ist (Symbol Zitrone durchgestrichen).
Das Datenblatt mit den Bestandteilen bekommt man leider erst wenn man angemeldet ist auf der Seite.
Scholl
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Re: Glasuren Lebensmittelgeeignet

Beitrag von Scholl »

Danke Laborfürdesigne für deine sehr hilfreiche Unterstützung.
Herzliche Grüße Martina Scholl
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