Manchmal Sprung im Boden bei kochendem Wasser

Wieso, weshalb, warum ...
Alles was nirgend wo anders rein passt soll hier rein!
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MarkusF
Beiträge: 20
Registriert: Montag 24. Oktober 2016, 14:03

Manchmal Sprung im Boden bei kochendem Wasser

Beitrag von MarkusF »

Hallo,

mich plagt ein Problem. Bei meinen Tassen kommt es immer wieder vor, dass, wenn ich eine neue Tasse mit kochendem Wasser aus dem Wasserkocher befülle, es knackt - und dann habe ich quer über den Boden (nur auf der Unterseite sichtbar, da dort keine Glasur) einen Haarriss. Die Tasse ist zwar noch zu gebrauchen, aber das sollte natürlich nicht passieren. Einige Tassen halten - andere Tassen springen.

Ich verwende einen Ton von Carl Jäger mit 20% Schamotte und brenne wie folgt:

bis 600° 150°C pro Stunde - dann mit 250°C/Stunde auf 1240°C - danach abkühlen lassen. Der Ofen wird unter 100 Grad geöffnet - meistens bei 60-70°C.

Hat jemand eine Idee, was ich besser/anders machen kann, damit das nicht mehr passiert? Was sagen die Experten?

Bin für jeden Tipp sehr dankbar!

Gasbrenner
Beiträge: 336
Registriert: Donnerstag 19. Februar 2015, 09:07

Re: Manchmal Sprung im Boden bei kochendem Wasser

Beitrag von Gasbrenner »

Wenn der Fehler nur bei Heißwasser auftritt, ist häufig das Zusammenspiel von Scherben und Glasur die Fehlerursache.
Hierbei spielen meist mehrere Faktoren eine Rolle.
1. Böden sind, speziell bei Drehware, immer wieder Schwachstellen. Häufig sind die Tonminerale im Boden nicht so gut ausgerichtet, wie in der Wandung. Meist trocknet der Boden erst dann richtig, wenn die Wandung schon trocken ist. Beides führt zu unterschiedlichem Schwindungsverhalen und Spannungen im Boden.
2. Glasur und Scherben haben meist einen leicht unterschiedlichen WAK, Wenn es ganz mies läuft, kann eine dick aufgetragene Glasur, die sich anders dehnt als der Scherben, dazu führen, dass sich Gefäße spontan selbst zerlegen. Ist die Spannung nicht so extrem, brechen gerne mal die Kanten oder es kommt bei Heißwasser oder im Backofen zu Rissen.
3. Die Böden sind häufig betroffen, weil sie bisweilen dünner sind als die Wandung, weil sich im Boden des Gefäßes gerne eine dickere Glasurschicht sammelt,weil die Unterseite meist unglasiert ist, weil die Böden häufig durch Formgebung/Trocknung unter Spannung stehen und weil flache Gefäßteile bei Wärmespannung immer rissanfälliger sind, als gewölbte oder gerundete.

Was tun?
1. Datenblätter zur WAK von Ton und Glasur besorgen. Mit dem technischen Kundendienst von Jäger und dem Glasurhersteller Kontakt suchen und die Werte besprechen.
2. Böden etwas dicker fertigen, Glasurseen im Gefäßboden vermeiden

Schmalere Böden und Hohlfüße helfen auch, aber das hilft bei einer bestehenden Serie nicht weiter.

Ono
Beiträge: 78
Registriert: Mittwoch 12. September 2012, 09:08
Wohnort: Berlin

Re: Manchmal Sprung im Boden bei kochendem Wasser

Beitrag von Ono »

Hatte auch gerade letzte Woche das Gleiche und gebe Gasbrenner recht.
Becher war schon aussortiert für Privatgebrauch, heißen Tee reingeschüttet - knack - Tee wieder vom Tisch gewischt - Tasse in die Tonne. Wusste schon, dass es der WAK war, deswegen war der Becher ja aussortiert. In dem Fall hatte die Glasur die kleinere Wärmeausdehnung und ein Becher von der Sorte war schon wegen Glasurabplatzern entsorgt.
Ich hattte mal die Glasur auf dem anderen Ton getestet, obwohl ich schon vermutet hatte, dass der
https://de.wikipedia.org/wiki/Ausdehnungskoeffizient
nicht passt.
Kann aber auch andersrum sein:
Wenn die Wärmeausdehnung von der Glasur zu groß ist (Craqueleeglasur/Glasur mit Haarrissen), dann reißt die Glasur den Scherben mit kaputt und dann gibt es auch schnell Scherben.
Die Brennkurve dürfte hier wohl kaum eine Rolle spielen, aber die Tassen, die erstmal halten, werden auch nicht alt, vermute ich.
Ton oder Glasur austauschen. Oder im Glasurversatz den Ausdehnungskoeffizienten anpassen?

MarkusF
Beiträge: 20
Registriert: Montag 24. Oktober 2016, 14:03

Re: Manchmal Sprung im Boden bei kochendem Wasser

Beitrag von MarkusF »

Super! Vielen Dank für Eure Antworten! Daran muss es gelegen haben. Ich werde mal ein paar Exemplare mit passender Glasur fertigen und "Belastungstests" durchführen.

Lieben Dank!

flechtliesl
Beiträge: 78
Registriert: Freitag 14. Juli 2006, 17:11

Re: Manchmal Sprung im Boden bei kochendem Wasser

Beitrag von flechtliesl »

Ich möchte mich mal für die prompten hilfreichen Antworten bedanken, die ich immer wieder gerne lese,
und von denen ich auch profitiere.
DANKE SCHÖN !!! :green:
Viele Grüße

flechtliesl

Anngret Wolf
Beiträge: 4
Registriert: Dienstag 12. Mai 2015, 10:22

Re: Manchmal Sprung im Boden bei kochendem Wasser

Beitrag von Anngret Wolf »

150C/h bis 600C und 240C/h bis 1240C
Ich verwende den gleichen Ton wie du, heize aber wie folgt:

100C/h bis 450C
50C/h bis 600C
200C/h bis 1240

Diese Brennkurve steht im Handbuch fuer Keramik von Johann Beyer.

Daraus ergibt sich eine ziemlich lange Brenndauer, aber damit fahre ich gut.
Manchmal ist es mir passiert dass ich zu schnell ueber den Quarzsprung druebergeheizt bin und dann gab es Spruenge.

MarkusF
Beiträge: 20
Registriert: Montag 24. Oktober 2016, 14:03

Re: Manchmal Sprung im Boden bei kochendem Wasser

Beitrag von MarkusF »

Hallo - ich bin es nochmal/wieder, denn leider plagt mich das Problem noch immer. Ich habe Fotos einer Tasse zugeschickt bekommen, die es regelrecht zerissen hat. In folgender Arbeitsweise werden die Tassen gemacht - vielleicht findet sich ja da schon "der" Fehler:

Der verwendete Ton ist vom Jäger - Masse 9/SF. Ich brenne den Ton bei 1240 Grad mit einer HZ von 20 Minuten. Der Brennverlauf ist wie folgt:

Bis 600 Grad mit 150°C/Stunde - danach mit 250°C/Stunde bis 1240 - HZ 20 Minuten.

Danach normale Abkühlung - Ofenöffnung bei ca. 100 Grad oder darunter.

Ich verwende Jäger Flüssig-Glasuren und trage sie in ca. 3 Schichten mit einem Pinsel auf - wenn ich weniger Glasur verwende wird es teilweise fleckig und ich kann den Ton durchscheinen sehen. Bei der Innenseite der Gefäße gieße ich die Glasur in die Tasse und schütte dann wieder aus.

Nachfolgend noch die Bilder der zersprungenen Tasse - es passierte nach mehrmaliger Benutzung, als sehr heißer Kaffee eingefüllt wurde. Also die Teile kommen augenscheinlich ganz aus dem Ofen und gehen nur dann kaputt, wenn schnell viel heiße Flüssigkeit eingeschenkt wird.
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Gasbrenner
Beiträge: 336
Registriert: Donnerstag 19. Februar 2015, 09:07

Re: Manchmal Sprung im Boden bei kochendem Wasser

Beitrag von Gasbrenner »

Passen die Stücke, würde man sie kleben, noch ohne Spalten/Versatz zusammen?

Laborfuerdesign
Beiträge: 126
Registriert: Samstag 3. September 2016, 16:21

Re: Manchmal Sprung im Boden bei kochendem Wasser

Beitrag von Laborfuerdesign »

Hallo,
Das ist jetzt keine Hilfe, aber ich verwende den selben Ton und brenne bei der gleichen Endtemperatur aber mit 40 min Haltezeit. Ich habe neulich einen Satz Tassen bei 80 Grad aus dem Ofen geholt und während ich manche der Teile in der Hand gehalten habe, haben sie angefangen zu knacken und sich dann wortwörtlich in meiner Hand in große, zum Teil spiralförmige Scherben zerlegt. Ich dachte, es lag an der Glasur, die auf der Aussenseite absichtlich in unterschiedlich Dicken Lagen aufgebracht war und noch dazu eine Craquele hat. Ich habe diese Glasur nicht wieder verwendet, obwohl sie wunderschön ist. Jetzt denke ich mir, vielleicht war ja gar nicht "nur" die Glasur dran schuld. :roll:

MarkusF
Beiträge: 20
Registriert: Montag 24. Oktober 2016, 14:03

Re: Manchmal Sprung im Boden bei kochendem Wasser

Beitrag von MarkusF »

@Gasbrenner: ja die Stücke passen ganz genau zusammen.

hille
Beiträge: 1092
Registriert: Donnerstag 24. August 2006, 10:29

Re: Manchmal Sprung im Boden bei kochendem Wasser

Beitrag von hille »

Habt ihr mal bei Jäger angerufen? Denn manchmal ist es auch die Masse, die schuld ist. Temperaturwechselbeständigkeit heißt der Fachbegriff.

Die Glasur bei der Tasse kommt mir allerdings auch recht dick vor. Es wäre vielleicht nicht schlecht, wenn du, MarkusF, den Boden innen mit einem Schwamm anfeuchten würdest, bevor du die Glasur hineinschüttest.

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