Glasurentscheidungshilfe

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Mishibus
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Glasurentscheidungshilfe

Beitrag von Mishibus » Mittwoch 7. Februar 2018, 15:31

Kurz vor Weihnachten ist mein kittec endlich angeschlossen worden. Der erste Schrue und Glasurbrand erfolgreich mit den üblichen Anfängerfehlern erfolgt. Zu dem Ofen dazu habe ich noch 38 (!) Eimer mit Glasuren bekommen, die ich inzwischen alle geruehrt,teilweise gesiebt und verdünnt habe. Leider waren die Eimer nur ansatzweise beschriftet und ich habe erstmal viele Musterplättchen gemacht. Die Ergebnisse waren entsprechend überraschend. Natürlich sind einige Glasuren stark gelaufen und ich muss die Konsistenz teilweise noch richtig einstellen (Stellmittel oder Glasurkleber?). Generell stehe ich vor der Entscheidung mit welchem Glasursystem ich zukünftig arbeite. Der kittec fasst 192 Liter und ich habe nicht genügend ware um nur mit einer Glasur zu brennen. Meine Überlegung ist mit farbkoerper in Kombination mit Transparentglasur zu arbeiten (z.b. Intensity von wolbring) oder alternativ mit Überglasierter engobe. Der Vorteil wäre eine einheitlich reagierende Glasur (es wäre ja immer dieselbe Transparentglasur) und ich könnte vermeiden, dass die eine Glasur läuft und die andere eine noch höhere Temperatur braucht um richtig auszuschmelzen. Gehe ich mit meinen Überlegungen da in die richtige Richtung oder liege ich komplett daneben? danke im voraus für hilfreiche antworten :wink:

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Günter
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Re: Glasurentscheidungshilfe

Beitrag von Günter » Mittwoch 7. Februar 2018, 22:08

Hallo
ich halte "Engobe mit Transparentglasur" für einen überaus durchdachten und sehr rationellen und kostengünstigen Ansatz - nur ist das Farbspektrum von Engoben halt eingeschränkt. Aber für den Anfang :daumen:
Man kann da auch nicht soviel falsch machen - die Engoben sollten halt haften auf dem Ton und die Standardtransparentglasur wird hoffentlich immer funktionieren. Du kannst aber mit den verschiedenen Engoben auf einem Teil munter experimentieren und so doch Farbeffekte erzielen.
Eine Bekannte geht den anderen Weg: Farbkörper in die transparente Glasur. Nur: man braucht teilweise verdammt viel von dem teuren Farbkörper, zB. 20% für eine satte gelbe deckende Glasur. Das ist schon ein deutlicher Unterschied in den Kosten. Sieht aber auch völlig anders aus als eine Engobe.
Viele Grüße Günter

Mishibus
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Re: Glasurentscheidungshilfe

Beitrag von Mishibus » Freitag 9. Februar 2018, 18:25

Danke für die Antwort,Günther. Da ich eher auf kräftige Farben stehe werde ich wohl ein bisschen in farbkoerper investieren. Ich muss ja nicht das ganze Farbspektrum auf einmal anschaffen. Gruss irmgard

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Re: Glasurentscheidungshilfe

Beitrag von Migla » Samstag 17. Februar 2018, 18:51

Hallo Irmgard,
die Kombination einer zuverlässigen transparenten Grundglasur , sowohl Eigenrezept als auch fertige Mischung, mit Farbkörpern ist eine sehr gute Möglichkeit für eine betriebssichere und leicht reproduzierbare Farbgebung. Die vom Hersteller der FK empfohlenen Zugabemengen , idR. zwischen 3 und max. 10% bringen gute und kräftige Farbwirkung und sind als Richtwerte für Versuche, die sich auch hier nicht vermeiden lassen, gut zu gebrauchen. Mehr als 10% sind aber, auch aus Kostengründen, nicht ratsam, da die Farbkörper dann eine zunehmend mattierende Wirkung haben, die Widerstandsfähigkeit/Kratzfestigkeit deutlich herabgesetzt wird und auch in der Glasur Klümpchen bilden, die im Brand nicht ausfließen sondern Blasen bilden können, die mit Pulver gefüllt sind und aufplatzen können. Wichtig ist deshalb immer eine sehr gute Mischung mit der Grundglasur, die ich abschließend durch gründliches Sieben erreiche. Das früher häufig empfohlene Mahlen in der Glasurmühle oder auch im Mörser ist nicht immer empfehlenswert, da hierbei nicht nur gemischt wird, sondern die Struktur der Farbkörper zerstört werden kann und eigentlich sicher eingeschlossene Schad-und Giftstoffe doch wieder freigesetzt werden können, bes. bei leuchtenden Farben wie Rot und Gelb Cadmium und Selen. Deshalb ist auch die Einhaltung der max. Temp. wichtig.
VG. migla

Mishibus
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Re: Glasurentscheidungshilfe

Beitrag von Mishibus » Sonntag 18. Februar 2018, 10:23

Danke migla, das hat mir sehr weitergeholfen in der Entscheidungsfindung! Gibt es eine fertige Transparentglasur, die empfehlenswert ist? Ich möchte im Moment noch nicht mit selbermischen herum experimentieren. Gruss irmgard.

Migla
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Re: Glasurentscheidungshilfe

Beitrag von Migla » Montag 19. Februar 2018, 00:04

Zum Einfärben eignen sich die günstigsten transparenten Steinzeugglasuren zB von Jäger oder BSZ in Essen. Ich habe entweder meine eigenen, bes. matten oder die Grundglasuren 452 transparent oder 454 weiß glzd.von Hutschenreuther/Imery's verwendet. Gruß migla
PS. Siehe Werkstattaufgabe

Mishibus
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Re: Glasurentscheidungshilfe

Beitrag von Mishibus » Mittwoch 28. November 2018, 18:13

Hallo Günther und migla, wollte Mal kurz rückmelden wie ich mit den Farbkoerpern zurechtkomme. Auch hier ist alles nicht so einfach wie man denkt und experimentieren und neu mischen ist einfach Alltag. Generell halte ich die Glasuren inzwischen wesentlich dünnflüssiger als am Anfang. Konsistenz von Sahne ist halt doch relativ. Mit jedem Brand lerne ich ein bisschen dazu und jeder Besuch bei Keramikkraft endet doch wieder mit einer neuen Glasur. Als Amateurin kann ich mir die Freiheit goennen, Einzelstücke zu produzieren und muss nicht darauf achten alles wiederholbar zu gestalten! Danke für eure Anregungen und eure immense Geduld mit uns Anfängern!

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