Brennen von Kleinteilen ab 1270 C

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luz
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Brennen von Kleinteilen ab 1270 C

Beitrag von luz » Donnerstag 11. Juli 2019, 12:32

Hallo liebe Leute!

Ich stelle Keramik-Schmuckteile her, die sehr klein sind, benötigen aber 1270 C beim Sintern. Wenn ich mir den Brenn-/Zeitplan ansehe, erscheint er mir recht ungewöhnlich, so dass ich nicht nur jemanden bräuchte, der einen Ofen hat, der so hoch brennt, sondern auch den Zeitplan (20-30 Std.) befolgen kann. Externe Belüftung und digitale Zeit-/Temperaturkontrolle sollte auch gegeben sein.
Nur, wie finde ich so jemanden?
So bin ich hier gelandet, nachdem ich hier und da herumgefragt habe, ob man für mich brennen könnte. Meist war die benötigte Temperatur schon zu hoch für ihre Öfen.

Gibt es Privatleute mit einem Ofen, der bis 1270 C und um die 20-30 Std. mit externer Belüftung und digitaler Zeit-/Temperaturkontrolle brennen kann?
Gibt es evtl. Firmen, die das anbieten? Evtl. im Dentalbereich?
Evtl. findet das jemand mit einem geeigneten Ofen spannend und kann es sich vorstellen, den Ofen gelegentlich zu vermieten?

Ich würde mich über den ein oder anderen Tipp wirklich sehr freuen.

Andreas33
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Re: Brennen von Kleinteilen ab 1270 C

Beitrag von Andreas33 » Donnerstag 11. Juli 2019, 17:22

Klingt sehr ungewöhnlich.
Hast Du das auf diese Weise schon gemacht oder ist es auch für Dich neu?

Maria Ortiz Gil
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Re: Brennen von Kleinteilen ab 1270 C

Beitrag von Maria Ortiz Gil » Donnerstag 11. Juli 2019, 19:03

Hallo luz,

deine Fragen lesen sich, als ob du das was du vorhast noch nicht gemacht hast und erst damit anfängst.
Weshalb möchtest du genau bei 1270 Grad brennen? Es gibt Porzellane und Tonmassen sowieso, die schon bei geringerer Temperatur sintern. Schmuckteile müssen ja nicht unbedingt Frost- oder Spülmaschinenfest sein. Kann es sein, dass auf der Packung des Materials das du schon hast steht, dass man es BIS 1270 brennen kann? Das würde nicht bedeuten, dass man es unbedingt bei 1270 Temperatur brennen MUSS.

Alle funktionierenden Keramiköfen haben einen elektronischen oder mechanischen Steuerungsregler, an dem man Aufheizgeschwindigkeit, Endtemperatur usw. einstellen kann. Dabei kommt es nicht darauf an, ob die Anzeige digital ist oder analog.
Ein Brennvorgang im Elektro-Ofen dauert normalerweise nicht 20 bis 30 Stunden. Das Aufheizen an sich kann schon mal je nach Temperatur und Befüllung des Ofens etwa 10 Stunden dauern, aber da muss man nicht dabei sein (wenn man alles richtig gemacht hat).

Was mindestens noch mal so viel dauert ist das Abkühlen des Ofens auf eine Temperatur, bei der man die gebrannte Keramik entnehmen kann. Da gibt es verschiedene Meinungen und Bedürfnisse, aber da braucht man erst recht nicht dabei zu sein, denn der Ofen hat sich dann bereits abgeschaltet.

Ich mache meinen Ofen nicht wieder auf, bevor er nicht unter 150 Grad abgekühlt ist, andere warten noch länger, und früher habe ich mal in einer Werkstatt gearbeitet, wo wir schon bei 400 Grad wieder auf gemacht haben.
Da du nur kleine Teile machen möchtest, musst du wahrscheinlich mit dem Entnehmen nicht so lange warten, denn das Gefährliche beim schnellen Abkühlen sind die Spannungsrisse, die in Gefäßen entstehen können.

Was verstehst du unter "externer Belüftung" und in welchem Zusammenhang steht das beim Brennen von Schmuck?
Keramikbrennöfen haben keine Belüftung an sich, man kann sie sich vorstellen wie einen Schrank oder einen Topf aus Schamottesteinen, in dem Heizspiralen wie bei einem Toaster Hitze erzeugen. Normalerweise ist unten und oben ein kleines Loch, damit am Anfang des Brennvorgangs Feuchtigkeit und Gase entweichen können.
Meinst du vielleicht, dass der Ofen so stehen muss, dass diese Gase an die Außenluft abgeleitet werden können?

Wenn du genauer beschreibst was du machen möchtest und dich am Besten noch vorher mit irgend einem Keramiker triffst, der dir kurz Zeigt wie das aussieht, dann kann man dich bestimmt besser beraten.

Schönen Gruß
Maria

luz
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Re: Brennen von Kleinteilen ab 1270 C

Beitrag von luz » Freitag 12. Juli 2019, 21:19

Hallo!

Lieben Dank für die Antworten.

Ja, ich bin blutiger Anfänger. Mein Interesse an Keramik beschränkt sich auf diese spezielle Prozedur, da ich Schmuck ganz speziell herstellen möchte. Ich würde mich freuen, wenn ich in NRW jemanden fände, mit dem ich mich zusammensetzen kann, der einen geeigneten Ofen zum brennen hat. Dies könnte auch für den Keramiker selbst interessant sein, da ich eine spezielle Methode verfolge.

1270 C oder mehr - Kegel 8 - mit externer Belüftung und digitaler Zeit- und Temperaturkontrolle sind alles Herstellerangaben. Von der korrekten Durchführung soll die Erfolgsquote abhängen.

Ich war überrascht, dass es hier und da einen Brennservice, aber kaum größere Firmen gibt, die das Ausbrennen anbieten. Oder gibt es die doch?

Vielleicht muss ich am Ende mir einen eigenen Ofen zulegen. Aber ich fände es besser, mich an das Thema erst heranzutasten.

Habt Ihr einen Tipp? Kennt jemand einen guten Keramiker in NRW, der mit Temperaturen um die 1300 Grad brennt?

Liebe Grüße

Arthur
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Re: Brennen von Kleinteilen ab 1270 C

Beitrag von Arthur » Samstag 13. Juli 2019, 07:18

Du bezeichnest Dich selber als blutigen Anfänger, möchtest aber einen Hochbrand durchführen, der so ungewöhnlich ist (externe Belüftung?, 30h, 1270 C), dass das Verständnis fehlt was Du wirklich vorhast.....
Hier sind durchaus Zweifel an deinem Tun angebracht und ohne weiter Infos wirst du wohl kaum Hilfe finden.

Gruß Arthur

wolle
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Re: Brennen von Kleinteilen ab 1270 C

Beitrag von wolle » Samstag 13. Juli 2019, 09:56

Was auch immer einer externen Belüftung bedarf könnte unter Umständen das Risiko beinhalten, daß sich im Ofen Substanzen ablagern, die den Ofen unbrauchbar für lebensmittelechte Produkte machen. Kann das ausgeschlossen werden?
Würde ich mir gut überlegen.

Gruß,
Wolfgang

luz
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Re: Brennen von Kleinteilen ab 1270 C

Beitrag von luz » Samstag 13. Juli 2019, 16:23

Hallo!

Wie beschrieben, möchte ich selbst keinen Brand durchführen. Außer es gibt keine andere Möglichkeit, dann müsste ich mir das überlegen.

Wie es scheint, ist es keine Frage von Anfänger oder Profi, wenn der Hersteller von externer Belüftung spricht und niemand so recht weiß, was das ist. Das würde mich nun auch interessieren.

Die Temperatur von 1270 C wird übrigens nur für 5 Minuten gehalten. Innerhalb den 20-30h muss die Temperatur ggf. langsamer steigen als normal. ich kenne die normalen Anforderungen nicht.

Eine Anfrage, bzgl. Ablagerungen von Substanzen habe ich beim Hersteller gestellt. Danke für den Hinweis.

Evtl. werde ich eher im Dentalbereich fündig. Weiß jemand, wie Zahntechniker brennen?

carboncookie
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Re: Brennen von Kleinteilen ab 1270 C

Beitrag von carboncookie » Samstag 13. Juli 2019, 17:14

Die verwenden meist einen Muffelofen. Das sind kleine Öfen bei denen die Heizelemente von der Brennkammer getrennt sind. Die meisten davon gehen allerdings nur bis 1200*C. Eine komplizierte, externe Belüftung gibt es da aber auch nicht.

Vielleicht würde es helfen, wenn du sagtst was du genau brennen möchtest. Ich vermute, dass es nicht ganz so speziell ist, wie es sich gerade anhört. Mit mehr Informationen könnte man bestimmt eine Lösung für dich finden.

Maria Ortiz Gil
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Re: Brennen von Kleinteilen ab 1270 C

Beitrag von Maria Ortiz Gil » Samstag 13. Juli 2019, 17:44

Halo luz,

du verlangst uns Spezis schon viel Fantasie ab, wenn du nicht genauere Angaben machst.

Um welches Material handelt es sich denn genau, welcher Hersteller? Welche Bezeichnung?
Nur dann können wir dir zum Brennverhalten irgendwelche Tipps geben. Ist es eine Porzellamasse, oder eine Tonmasse, oder wo möglich Paperclay, das wäre Ton, der mit Papierfasern durchsetzt ist um die Schwindung ab zu puffern, und das würde VIELLEICHT diese geheimnisvolle Herstellerangabe "Externe Belüftung" (des Raumes?) in so fern erklären, dass die Papierfasern in der Anfangsphase des Brennens natürlich verglühen und dabei eine Menge Rauch entwickeln, der dann im Raum wäre. (da ruft ein Nachbar vielleicht gleich die Feuerwehr).

Du brauchst bestimmt keine Angst zu haben, dass wir dir hier dein Projekt nachmachen, denn schließlich ist alles schon erfunden und ich kann mir nicht vorstellen, dass das was du machen möchtest tatsächlich neuartig ist.
Nur halt neuartig für dich.

Interessant wäre zu wissen:
Wie groß sind diese Kleinteile tatsächlich, 1 cm? 5 cm?
Sind sie im Hohlgussverfahren hergestellt (flüssigen Ton oder Porzellan in eine Gipsform gegossen)?
Sind sie aus einer Gipsform ausgeformt oder mit den Händen einzeln modelliert?
Wie dick sind die Kleinteile?
Und das allerwichtigste: Soll da eine Glasur drauf?
Wenn du weiterhin auf die 1270 Grad bestehst, nur weil das auf der Packung so drauf steht, wäre das noch eine total wichtige Frage.

WIE GESAGT: WENN AUF EINER KERAMISCHEN MASSE EINE TEMPERATURANGABE STEHT, BEDEUTET DAS NICHT, DASS MAN SIE ZU DIESER BRENNEN MUSS, SONDERN LEDIGLICH, DASS SIE BIS ZU DIESER TEMPERATUR STANDHÄLT OHNE SICH ZU SEHR ZU VERBIEGEN ODER ZU SCHMELZEN.

Arthur
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Re: Brennen von Kleinteilen ab 1270 C

Beitrag von Arthur » Samstag 13. Juli 2019, 18:27

Ich hatte selber lange nach einem Brennservice gesucht. Das Problem ist, dass die Leute, die ihren Öfen wirklich beherrschen und auch individuell brennen könnten, von ihren Öfen leben!
Soll heißen, kaum jemand wird zu seinem Brand irgendwelche experimentellen Töpfereien dazustellt, die ausgasen oder platzen könnten. Selbst den kompletten Ofen vermieten, wenn Du nicht konkrete Angaben machst, wird wohl niemand machen. Auch ein Zahntechniker wird kaum seinen Ofen zum Experimentieren zu Verfügung stellen. Stell dir vor die kommenden Zähne würden dann alle grünstichig.....

Eigentlich wurde ja schon alles gesagt, aber ich muss zugeben, das Du uns alle sehr neugierig gemacht hast, was Du nun außergewöhnliches machen möchtest. Auch meine Erfahrung ist, dass das Meiste schonmal gedacht, versucht und gemacht wurde.....

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Re: Brennen von Kleinteilen ab 1270 C

Beitrag von luz » Samstag 13. Juli 2019, 21:35

Ich kann die Bedenken nachvollziehen. Daran habe ich zunächst gar nicht gedacht. Daher mein etwas unglücklicher Einstieg. Pardon!

Es handelt sich um ein relativ neues Verfahren im 3D-Druckbereich. Die Polymermatrix wird im Ofen abgebrannt und man erhält ein reines Silikatkeramik-Modell.
Hier der Anwendungsleitfaden: https://archive-media.formlabs.com/uplo ... ide-DE.pdf
Seite 3 enthält die Anforderungen an den Ofen. Und Seite 6 den Zeitplan für den Brennvorgang.

Ob das Polymer tatsächlich vollständig abbrennt und nichts weiter hinterlässt, versuche ich nun herauszufinden.
Womöglich meint der Hersteller mit "externe Belüftung" vielmehr den Raum. Das habe ich nun auch angefragt.

Die Teile sind ca. 2x2cm bis 1x4cm groß. Nicht unbedingt hohl, außer es gibt Probleme beim Brennen, dann müsste ich darüber nachdenken.
In meinem Fall verkürzt sich die Brenndauer auf Grund der Größe um mehrere Stunden.
Ich kann mir diese mit und ohne Glasur vorstellen.
Zuletzt geändert von luz am Samstag 13. Juli 2019, 21:57, insgesamt 1-mal geändert.

Trisman
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Re: Brennen von Kleinteilen ab 1270 C

Beitrag von Trisman » Samstag 13. Juli 2019, 21:53

Schreibe doch einfach den Namen des Filaments, dann können die Profis aus dem Datenblatt vielleicht schon alleine etwas mehr erkennen.

luz
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Re: Brennen von Kleinteilen ab 1270 C

Beitrag von luz » Samstag 13. Juli 2019, 21:59

Ich habe soeben noch den Anleitungsleitfaden in meine (vorherige) Antwort eingefügt. Es nennt sich Ceramic Resin.

wolle
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Re: Brennen von Kleinteilen ab 1270 C

Beitrag von wolle » Samstag 13. Juli 2019, 23:43

Das erklärt die Anforderungen.
Ich kann Dir nur sagen, daß ich dies in meinen Öfen nicht brennen würde.
Resine sind ja synthetische Harze, also mit viel Kohlenstoff. Damit gibt es potentiell Reduktion im Ofen (deshalb die gute Durchlüftung) und eine Gefahr für die Spiralen. Die Rückstände aus Harzen sind auch nicht ohne, da kann so einiges Giftiges entstehen.

Denk mal über einen eigenen Ofen nach, alt gebraucht und zum hinterher wegschmeißen.

Gruß,
Wolfgang

Arthur
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Re: Brennen von Kleinteilen ab 1270 C

Beitrag von Arthur » Sonntag 14. Juli 2019, 00:23

Na, das klingt für mich nach einem spannenden, innovativen Thema!
Leider kann ich Dir nicht helfen und ich denke du wirst um einen eigenen Ofen nicht herum kommen. Frag doch mal den Hersteller des Materials nach einem Brennservice. Betone, dass es kleine Bauteile sind und Du nur eine Probe machen möchtest. Sollte was Schönes dabei heraus kommen könnten diese das vielleicht auch zu Werbezwecken nutzen.... Fragen kostet ja nix!

Viel Glück, klingt wirklich spannend!

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