Keramik online verkaufen

Glasurentwicklungsoftware, Verkauf per Internet, Gestaltung einer Homepage etc.
Maria Ortiz Gil
Beiträge: 638
Registriert: Dienstag 1. März 2016, 13:14

Re: Keramik online verkaufen

Beitrag von Maria Ortiz Gil »

Hallo Julius,

wenn Keramiken nach "guten" Qualitätskriterien ausgesucht und zusammengestellt werden, dann bedeutet das, dass es sich um einigermaßen aufwändig gearbeitete und entwickelte Stücke handelt und das wiederum bestimmt die Preise, weil es einfach viel mehr Arbeit macht etwas besonderes her zu stellen.
Solche Keramiken sollten nicht neben weniger ausgearbeiteten, "billigen" Sachen angeboten werden, weil sie dann einfach schlichtweg keine Chance haben zu konkurrieren und durch diese Nachbarschaft auch abgewertet werden. Außerdem sind das so zu sagen verschiedene Welten. Ein Goldschmied oder Juwelier bietet in seinem Sortiment ja auch keine Plastikkettchen und Ringe wie aus dem Kaugummiautomat an, obwohl es sich dabei auch um Schmuck handelt.

Welche Kriterien aber jeweils gelten sollen, um das Eine vom Anderen zu unterscheiden, darüber entscheiden am besten Leute, die sich mit dem Thema recht gut auskennen und deshalb in der Lage sind zu beurteilen. Einfach nur Keramik allgemein toll zu finden reicht da nicht aus.

Die Absicht eine Verkaufsplattform auf zu bauen mag löblich sein und hoffentlich klappt es auch, dass sie funktioniert und einigen Kollegen bei der Vermarktung hilft. Mich stört bei keramiko.de aber so mancher verschwurbelter Werbetext und ich bezweifle, dass Keramikkenner- und echte Liebhaber, unsere Kundschaft also, die nach besonderen und einigermaßen qualitativ guten Stücken suchen, einen solchen Text nötig haben um zum Kauf animiert zu werden. Eher werden sie abgeschreckt, weil das ganze dann so einen beliebigen Eindruck macht. Diese Texte klingen in meinen Ohren ziemlich trivial und wie mit einem Werbetext-Baukasten zusammengestellt. Was im Blog über Nachhaltikeit und Recycling von Keramik steht ist zudem zweifelhaft, auch wenn diese Schlagworte gerade Mode sind und schon allein deshalb nicht fehlen dürfen. Schließlich verbrauchen wir Keramiker eine Menge Energie, oft "nur um Schönheit her zu stellen" und die Rohstoffe die wir verwenden werden teilweise unter noch fragwürdigeren Bedingungen gefördert, transportiert und verarbeitet.

Schönen Gruß
Maria Ortiz Gil
madame Alexis
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Registriert: Mittwoch 9. März 2005, 17:06

Re: Keramik online verkaufen

Beitrag von madame Alexis »

Hallo Julius,

Mich hat das Konzept eurer Plattform auch (positiv) überrascht, so ein rundum sorglos Paket für 20 % ist mir auch noch nie begegnet. Da frage ich mich dann aber auch was passiert, wenn die Sache mal richtig boomen sollte - könnt ihr dem dann noch gerecht werden ? Zu jeder Werkstatt fahren und neue Produktfotos machen, von Berlin mal kurz ins Allgäu..?
Ich verkaufe seit einem guten Jahr auch Online, neben meinem eigenen Laden und , wenn sie stattfinden, auch Märkten. Die erste große Hürde beim Onlineverkauf waren gute Fotos, da hab ich sehr viel ausprobiert bis das Ergebnis endlich gut war. Denn klar, das wichtigste sind wirklich gute Fotos, auf denen man Details sehen kann und auch die Größen abschätzen kann, die Farben richtig rüberkommen und und und... Heute würde ich diesen Part nicht mehr aus der Hand geben wollen. Ich muß "schnell mal" neue Produkte in meinen Shop einstellen können und möchte auch meine Sachen so zeigen, wie ich mir das vorstelle. Ich schätze wirklich die Mühe die ihr euch gebt, finde aber leider die Ergebnisse nicht sehr überzeugend. Durch den neutralen Hintergrund wirken die Sachen ein bißchen verloren, ein bißchen gleich und glattgebügelt, es fehlt ein Maßstab, (die meisten Retouren kommen von Kunden, die die falsche Größe gekauft haben !). In der Übersicht sind die Objekte auch zu klein. Als Kunde wünsche ich mir die Möglichkeit, eigene Foto einstellen zu können.

Der zweite Punkt ist der Versand, auch da hätte ich lieber Wahlmöglichkeiten - DHL macht immer mehr Filialen zu und ist im Vergleich zu anderen Paketdienstleister teuer, Keramikpakete sind eher groß als schwer.

Was die Texte angeht, stimme ich Maria voll und ganz zu. Ich will auch keine Kunden, die Keramik kaufen, weil das grade IN ist und dann die Hälfte wieder zurückschicken, weil es dann doch anders war als gedacht (oder versprochen). Dann doch lieber mehr fachliches, da allerdings merkt man, das ihr keine Keramiker seid.

Über die Kundschaft mach ich mir hin und wieder auch so meine Gedanken.. ich weiß nicht, wie viele Menschen gezielt nach Keramik im Netz suchen, ein Großteil landet vielleicht doch eher zufällig bei der Geschenksuche in der Tassenabteilung oder es sind Hobbyisten auf der Suche nach Inspiration. Viele meiner (realen) Kunden sagen jedenfalls, das sie lieber auf den nächsten Markt warten, weil sie die Sachen dann anfassen können. Verständlich, und hier sind wir wieder bei den Fotos...

Grundsätzlich finde ich die Idee aber richtig gut, das soll hier jetzt nicht untergehen. Daher auch dieses Feedback.
Ich wünsch euch viel Erfolg und Spaß,
Grüße !

Alex
hille
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Registriert: Donnerstag 24. August 2006, 10:29

Re: Keramik online verkaufen

Beitrag von hille »

Bei vielen Keramikern scheitert der Onlineverkauf daran, dass sie das nur aus ihrer Perspektive sehen können. Wenn man aber nicht in der Lage ist, die Perspektive des Kunden einzunehmen, dann kann man nichts verkaufen, weil man gar nicht erst gefunden wird.
Von daher, wenn hier z.B. von verschwurbelten Texten gesprochen wird, dann ist das die Keramikerperspektive, für's Gefundenwerden und Verkaufen im Netz können sie aber genau die richtigen sein. Es ist gut, dass hier jemand von außen kommt, der's macht, denn das ist notwendig!

Wenn ich Keramikshops sehe, die nicht laufen, dann liegt es normalerweise hauptsächlich an immer den drei gleichen Fehlern:

1. Viel zu geringes Angebot, die typischen Man-kann-es-ja-mal-ausprobieren 5 Artikel Shops
2. Sehr schlechte Produktfotos
3. Produktbeschreibungen in Fachsprache ohne die Schlagwörter, die es braucht, um überhaupt gefunden zu werden (Und der Bereich ist der, den Keramiker oft am wenigsten verstehen, aber damit steht und fällt alles, wer nicht gefunden wird, bei dem ist der Rest auch egal)
keramiko
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Re: Keramik online verkaufen

Beitrag von keramiko »

Ohje, ich muss hier noch hart lernen. Habe irgendwie aufs falsche Köpfchen gebrückt und schon war mein ausführlicher Beitrag futsch. Jetze aber...
Für die Diskussion kann vielleicht folgender Zwischenstand festgehalten werden:
Eine Onlineplattform nur für hautberufliche Keramiker*innen mit einen gewissen Standard (was auch immer das ist) ist = Gut
Diskussionspunkte:
- Anbieterqualitäten
- Wie sieht eine gute qualitätsvolle Plattform mit guten Fotos, Texten, etc. idealerweise aus?
- Wie sollten Produkte präsentiert werden?
- Wie funktioniert guter Versand?

1.) Eine gute Online-Plattform nur für Keramik muss sich etwas anders aufstellen als ein Keramikmarkt. Bei einem Keramikmarkt (und auch da gibt es ganz verschiedenen Niveaus) sucht der Veranstalter (mit oder ohne Jury) Werkstätten einer bestimmten Ausrichtung und bewirbt dann das entsprechende Publikum. Wenn's gut läuft, kommen ausreichend viele Kunden und freuen sich ebenso wie die Werkstätten und der Veranstalter.
Im Internet ist das anders. Zunächst ein kleiner Ausflug in die Volumina: Es gibt monatlich nachweislich zwischen 100.000 und 150.000 Suchende im Netz (trotz aller Läden, Werkstätten und Märkte), die nach einem Keramikbegriff im Zusammenhang mit einer Kaufabsicht suchen. Das sind bis zu ca. 5.000 am Tag. Fasst man die Begriffswelt etwas weiter (z.B. Keramik, Porzellan, Bierkrug, Drehscheibe, Brottopf,.....), dann vervielfach sich das Volumen (immer noch nachweislich) gewaltig.
Es geht also um andere Dimensionen und auch um andere Intentionen bei den Besuchern. Dementsprechend muss von Anfang an klar sein, der Stein der Weisen wurde hier noch nicht gefunden, dass man immer ein breiteres Publikum anspricht und versorgen muss. Vorausgesetzt natürlich, dass man eine Ahnung davon hat wie es funktioniert von diesen Suchenden auch gefunden zu werden. (Haben wir :wink: )
2.) Wie so eine Plattform grundsätzlich gestaltet sein sollte um zu funktionieren, lässt sich nachlesen. Welche Texte genau die richtigen sind, welche Fotos die schönsten sind, etc. , muss man probieren. Da bleibt einem nichts übrig als anzufangen, es den Nutzern zu zeigen (sich outen), Feedback zu erhalten, zu lernen und besser zu werden. Der grundsätzliche Ansatz muss aber passen.
Kleine Vision zu diesem Thema? Wie wäre es wohl, wenn viele Keramiker (z.B. 500) auf einer Plattform Ihre Produkte anbieten, in einem Keramik-Blog (Anfang ist gemacht) regelmäßig darüber berichten was sie zu dem Thema Keramik (im weiten Sinne) zu sagen haben und gemeinsam ein Keramik-Lexikon (der Anfang ist gemacht) aufbauen und verbessern? Für den Kunden wohl prima, einmalig. Und für die einzelne Werkstatt wohl auch, endlich ein Marktplatz der immer geöffnet hat und kalkulierbare Ergebnisse bringt. Der Veranstalter (Betreiber) würde es auch freuen.
Julius
keramiko
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Re: Keramik online verkaufen

Beitrag von keramiko »

3.) Wie Produkte im einem Internetshop präsentiert werden sollten wenn man verkaufen will, ist hinlänglich bekannt und bewiesen. Das Internet ist hier wirklich einschlägig und aussagefreudig. Deshalb wissen das aber längst noch nicht alle Keramiker*innen. Hier ist ein wenig fachliche Unterstützung bestimmt gut und hilfreich. Gute Fotos sind klar, gern auch eigene und stimmungsvolle, aber nicht nur. Ein paar Regeln wollen beachtet werden. Das Thema Fotos ist aber nicht wirklich schwierig. Man fängt halt an, besser werden kann man immer.
Beim Thema Produktbeschreibung wird es da schon differenzierter. Auch hier ist das Internet einschlägig. Für gute und treffende Produktbeschreibungen, so viel sollte klar sein, ist ein klitzekleines bisschen Coaching nicht falsch. Ansonsten gilt aber auch hier: Anfangen und dann immer besser werden. Mit guten Produktbildern und -beschreibungen funktioniert der Verkauf dann aber wirklich reibungslos. Und das gute dabei ist: Die muss man für ein Produkt nur einmal machen und kann sie dann immer wieder verwenden.
4.) Der Versand muss halt funktionieren und sollte nicht den Alltag bestimmen oder gar trüben. DHL liegt da momentan als Anbieter recht gut vorn, ist deshalb aber kein Muss. Man wird sehen wie es läuft, lernen, verbessern und ggf. nachjustieren. Wichtig ist, dass das drumherum (Porto, Aufkleber, Lieferschein, Rechnung, etc) flutscht und alle schnell von den Erfahrungen (und Kniffen) der Masse lernen und profitieren. Ansonsten ist guter und sicherer Versand eine recht "überschaubare" Aufgabe.

Es geht aufs Wochenende zu, da ist ein kleiner positiver Impuls immer gut :D . Wenn es mal so richtig boomen sollte, der Shop, der Blog und das Lexikon erfreuen sich größter Beliebtheit (so wie oben visionär angedeutet). Fahren wir dann von Berlin ins Allgäu um ein paar Produktfotos zu machen? Wohl eher nicht! Wir setzen darauf, dass es (auch) im Allgäu Menschen gibt, die das gern und gut für uns erledigen (gegen Bezahlung versteht sich). Jetzt, so ab Montag, ist das aber auch kein Problem. Wir fahren gern und das Allgäu ist schön.
Julius
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